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Schlaue Computer kommen : Künstliche Intelligenz ist die Zukunft von Bosch

Neuer Kollege: Bosch tüftelt in seinem Zentrum für Künstliche Intelligenz am Service-Roboter. Bild: Bosch

Bosch investiert Hunderte Millionen Euro in Künstliche Intelligenz. Im eigenen Forschungszentrum laufen die Roboter schon auf und ab.

          Spencer wartet geduldig, während man über seine Vergangenheit spricht. Der Roboter ist ein echter Europäer. Forscher von sechs Universitäten in fünf Ländern haben dem 1,93 Meter großen Spencer die nötige Intelligenz verpasst, dass er auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol Passagieren helfen konnte, ihr Abfluggate zu finden.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Dieses Projekt ist nun erst einmal abgeschlossen. Jetzt wohnt Spencer in Renningen, wo der Bosch-Konzern seine Forschung konzentriert und wo auch das sogenannte BCAI, das Bosch Center for Artificial Intelligence, angesiedelt hat. Wenn Spencer hier einen Besucher zum Nachbarlabor führen soll, geht er um die Gruppe herum, die da steht und über ihn spricht, bevor er seinen Weg fortsetzt. Das ist höflich, und macht Kai Arras zufrieden.

          „KI wird Kernkompetenz“

          Das Verhalten von Spencer zu planen und zu trainieren war die Aufgabe von Kai Arras als Juniorprofessor an der Universität Freiburg, bevor er vor zwei Jahren zu Bosch wechselte. Für einen Einsatz auf dem Flughafen Schiphol wäre es aber doch unpraktisch, so einen höflichen Roboter zu haben, erklärt Arras die Tücken dieser Arbeit: „Am besten funktioniert es, wenn er auch mal zügig eine Menschenmenge durchquert, ohne dabei alle Höflichkeitsregeln zu beachten. So wie man es als Mensch auch tut, wenn man es sehr eilig hat.“

          Höfliche Flughafenhelfer werden so schnell nicht zum Kerngeschäft des Bosch-Konzerns gehören, aber ein Projekt wie Spencer passt dennoch genau in die Strategie von Bosch: „Künstliche Intelligenz wird eine Kernkompetenz von Bosch. Wir wollen Maschinen bauen, die lernen und intelligent handeln können“, lautet die Mission, formuliert von Volkmar Denner, dem Vorsitzenden der Bosch-Geschäftsführung, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Traditionskonzern, den viele noch als Hersteller von Autoteilen, Hausgeräten und Elektrowerkzeugen wahrnehmen, soll schon in zehn Jahren nur noch Dinge anbieten, die selbst über Künstliche Intelligenz verfügen oder zumindest mit entsprechenden Methoden hergestellt wurden.

          Der Weg dahin kostet viel Geld. Um das Thema in alle Geschäftsbereiche hineinzutragen, sind allein für die nächsten fünf Jahre 300 Millionen Euro bereitgestellt. Geld, das erst einmal in Menschen investiert wird. „Wir wollen möglichst stark wachsen, aber ohne Kompromisse bei der Mitarbeiterkompetenz zu machen“, umschreibt Christoph Peylo, der Leiter des BCAI, die Agenda.

          Bis Ende des Jahres soll das Zentrum für Künstliche Intelligenz hundert Mitarbeiter haben. Neben Renningen, wo vier Forschungsgruppen angesiedelt sind, sind Standorte in Palo Alto und Bangalore im Aufbau. Und überall sollen die besten Köpfe arbeiten. „Gute Leute arbeiten gern mit guten Leuten zusammen. Wenn eine kritische Masse überschritten ist, geht es viel einfacher, die passenden Bewerber zu finden“, sagt Peylo.

          Es geht nicht nur um Geld

          Kai Arras, der nicht nur den Roboter Spencer, sondern auch zwei seiner Mitarbeiter aus Freiburg mitgebracht hat, ist jedenfalls ganz begeistert von dem Forschungscampus in Renningen: „Hier habe ich die Mittel, die ich an der Universität nie hätte. Dabei geht es nicht nur um Geld oder Technik, sondern auch um die Wirkung. Hier hat man die Chance, die Welt zu verändern.“

          Der 46 Jahre alte Arras, dessen Karriere auf einem Elektrotechnik-Studium an der ETH Zürich fußt, hat schon Erfahrungen in kleinen Start-ups, wo die Wirkung der eigenen Arbeit noch viel unmittelbarer ist. Aber, so scherzt er, in dem Spin-of für Wisch-Roboter seien die Möglichkeiten doch sehr begrenzt gewesen. Hingegen: „Die Breite von Bosch ist ziemlich cool, da hier die Robotik an bestehendes Knowhow anknüpfen kann.“

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          Was Arras und sein Team an Erfahrungen mit Spencer sammeln, ist eben nicht nur für den ursprünglichen Partner, die Fluglinie KLM, relevant. Vielmehr sieht er als Leiter des strategischen Programms „Autonome Systeme und Robotik“ Anwendungsfelder quer durch alle Bosch-Sparten: „Da findet gegenseitige Befruchtung statt.“ Relevant sei etwa die Wahrnehmung des Menschen durch den Roboter, die Sozialkompetenz, die dieser entwickeln muss, aber auch die Lokalisierung des Roboters und seine Bewegungsplanung bei der Begegnung mit Menschen. Das kann knifflig sein.

          Forschung soll schnell Produkten bringen

          Nur ein Teil der relevanten Dinge ist statisch, manches verändert sich – für einige Momente, vorübergehend oder dauerhaft. Der Flughafen-Roboter trifft auf eilige Menschen, der Rasenmäher-Roboter auf einen Liegestuhl, das autonome Auto auf eine Baustelle. Wie soll der Roboter erkennen, ob das Sofa nur für das Spiel der Champions League anders hingestellt oder ob das Zimmer neu eingerichtet wurde? „Ein sehr spannendes Problem für ein lernendes System“, sagt der Forscher: „Das geht durch sehr viele Anwendungsfelder.“

          Das neue Zentrum für Künstliche Intelligenz hat nicht nur die Aufgabe, die grundsätzlichen Lösungsansätze zu erforschen. Es gehe auch darum, das ganze Unternehmen mit den passenden Kompetenzen und Werkzeugen nach und nach auszustatten. „In der Forschung an den richtigen Themen dran zu sein ist sehr, sehr wichtig. Da wollen wir zur Weltspitze gehören“, sagt Christoph Peylo.

          Dem 50 Jahre alten Bosch-Forscher, der in Computerlinguistik promoviert ist und bis vor kurzem in der Telekom-Forschung tätig war, gefällt es aber auch, dass die Arbeit nicht dem Selbstzweck dient: „Wir sind ein Unternehmen. Das heißt: Wir wollen die Forschung schnell in die Entwicklung von Produkten einbringen, von denen die Kunden begeistert sind.“

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          Quelle: F.A.Z.

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