04.08.2010 · Mehr als drei Monate nach dem Beginn der Ölkatastrophe meldet BP Erfolg: Das Ölleck im Golf von Mexiko sei erfolgreich mit Schlamm abgedichtet worden, berichtet das Unternehmen - und spricht von einem „Meilenstein“.
Von Patrick Welter, WashingtonIm Bemühen, die Ölquelle im Golf von Mexiko zu schließen, ist der britischen Ölkonzern BP einen entscheidenden Schritt vorangekommen. BP teilte am Mittwoch mit, die Operation „Static Kill“ sei erfolgreich gewesen. In dem auch „Totpumpen“ genannten Verfahren hatte das Unternehmen am Dienstag acht Stunden lang Schlamm in die Steigleitung gepumpt, um zu verhindern, dass weiter Öl aus der Quelle austreten kann. Dreieinhalb Monate nach der Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon sei dies ein „Meilenstein“ im Kampf gegen die Ölkatastrophe.
Seit die Ölquelle Mitte Juli mit einer Ventilkappe verschlossen wurde, ist kein Öl mehr ausgetreten. Wissenschaftler schätzen die Gesamtmenge des ins Wasser geflossenen Öls auf 652 Millionen Liter. Der Energieberater von Präsident Barack Obama, Browner, sagte am Mittwoch in Fernsehinterviews, der weit überwiegende Teil des Öls sei aus dem Wasser entfernt worden. Browner verwies auf die Rettungsarbeiten der vergangenen Wochen, in denen Öl von der Wasseroberfläche abgeschöpft oder verbrannt wurde. Die Säuberung der Küsten am Golf von Mexiko dauert aber noch an. Ein Teil des Öls wird unter Wasser vermutet.
Debatte über Chemikalieneinsatz
In den Vereinigten Staaten wird derzeit vor allem darüber diskutiert, wie sehr der Einsatz von Chemikalien zur Auflösung des Ölteppichs die Tierwelt im Golf schädigen könnte. Die Umweltbehörde der Vereinigten Staaten ist in Tests zu dem Ergebnis gekommen, dass das Öl-Chemikalien-Gemisch die Tierwelt nicht stärker belaste als Öl allein. Die Labortests werden aber angezweifelt.
Nach den Angaben von BP befindet sich die Quelle in einem hydrostatischen Gleichgewicht. Der schwere Schlamm halte dem Druck des Öls stand. Als nächster Schritt musste am Mittwoch entschieden werden, ob der Schlammpfropfen in der Steigleitung von oben mit Beton versiegelt wird. Endgültig wird die Ölquelle erst geschlossen, wenn durch die Entlastungsbohrungen das Bohrloch auch von unten mit Schlamm und Beton versiegelt wird. BP plant, diesen „Bottom Kill“ genannten Vorgang Mitte August zu beginnen, macht dies aber von den Wetterbedingungen im Golf von Mexiko abhängig.
Am Montag hatten neue Schätzungen das riesige Ausmaß der Katastrophe noch einmal vor Augen geführt. Nach Angaben von Forschern strömten nach dem Versinken der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 22. April insgesamt 4,9 Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko, - das sind etwa 666.400 Tonnen. Die ausgelaufene Ölmenge ist damit etwa 19 Mal größer als bei der Katastrophe der „Exxon Valdez“ im Jahr 1989 (siehe auch BP droht Strafzahlung bis zu 21 Milliarden Dollar). Niemals zuvor wurde eine schlimmere Ölpest registriert. Seit dem 15. Juli ist das Leck mit einer provisorischen Kappe abgedichtet.
Versiegelung mit „Static kill“ und „Bottom kill“
Mit den beiden Methoden „Static kill“ und „Bottom kill“ soll die rund 4000 Meter lange Leitung durch den Meeresboden von oben und von unten nun ein für alle Mal verschlossen werden.
„Static Kill“: Bohrschlamm wird von oben in das Bohrrohr gepresst. Das geschieht über zwei Leitungen von einem Schiff an der Wasseroberfläche und zwar deutlich langsamer und mit geringerem Druck als bei der bereits ohne Erfolg versuchten „TOP-KILL“-Methode, bei der während des Einpumpens von Schlamm gleichzeitig Öl nach oben drückt. Sobald genügend Schlamm in der Leitung steckt, um den Ölfluss zu stoppen, wird Zement nachgefüllt. Der Zement soll in der Leitung verhärten und sie abdichten. Das Prozedere könnte mehrere Tage in Anspruch nehmen; im günstigsten Fall geht es in rund 24 Stunden.
„Bottom Kill“: Seit fast drei Monaten arbeiten die BP-Ingenieure an zwei Entlastungsbohrungen von der Meeresoberfläche bis hin zur Ölquelle tief unter dem Meeresboden. Sobald die „Static-kill“-Methode abgeschlossen ist, sollen in der kommenden Woche die letzten Meter der ersten Entlastungsbohrung fertig gestellt werden, um dann auch von unten Schlamm und Zement in die ursprüngliche Leitung zu schicken und so zu versiegeln. Für den Fall, dass die erste Entlastungsbohrung ihr Ziel verfehlt, gibt es mit der zweiten Bohrung in wenigen Wochen eine zweite Chance. Für den „Bottom kill“ veranschlagen die Experten einige Tage bis hin zu wenigen Wochen.
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