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Bohrinsel in der Nordsee Gasleck setzt Total-Konzern unter Druck

Weil die Lage nicht unter Kontrolle ist, wenden sich Anleger ab. Sie ziehen Parallelen zur Katastrophe von BP. Fachleute halten das für übertrieben.

© AFP Vergrößern Experten warnen vor einer Explosion, da auf der evakuierten Plattform noch immer Erdgas abgefackelt wird.

Der Austritt von Gas auf der Nordsee-Plattform Elgin Franklin hat sich auch am Mittwoch ungehindert fortgesetzt. Ein Sprecher des französischen Öl- und Gaskonzerns Total bezeichnete die Lage als ernst, aber „stabil“, da sich die Menge des ausgetretenen Gases sowie Kondensats nicht verändert habe. Die undichten Stellen konnten weiterhin nicht näher lokalisiert werden. Total ist sich aber sicher, dass das Gas oberhalb des Wasserspiegels in der Nähe des Bohrlochkopfes austritt. Aufgrund von Explosionsgefahr können sich derzeit keine Arbeiter der Bohrinsel nähern.

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Weil das Gas nun schon seit vier Tagen ungehindert in die Atmosphäre entweicht und Kondensat das Meer verschmutzt, stand Total auch an der Börse weiter unter Druck. Nach dem Kursverlust von rund 6 Prozent am Dienstag gab das Papier am Mittwochmorgen zeitweise um weitere 3 Prozent nach, um sich später auf einem Minus von einem Prozent einzupendeln. Damit hat das größte Unternehmen Frankreichs seit Wochenbeginn rund 7 Milliarden Euro an Wert verloren. Die Analysten des Brokerhauses Kepler Capital Markets senkten ihre Aktienempfehlung von „kaufen“ auf „halten“, denn es sei keine schnelle Lösung in Sicht. Ein Total-Fachmann hatte eine Dauer von sechs Monaten genannt, wenn eine Entlastungsbohrung nötig werden sollte. „Hilfsoperationen werden kompliziert sein, denn aufgrund des ausgetretenen Gases wird jeder menschliche Eingriff oder auch jede Aktion von einem nahegelegenen Schiff aus sehr schwierig sein“, schrieb Kepler-Analyst Bertrand Hodee.

© reuters Vergrößern Plattform „Elgin“: Gasleck in der Nordsee

Die Kurse für die Derivate der Kreditausfallversicherungen (CDS) stiegen für Total und andere Ölkonzerne – ebenso wie die Gaspreise in Großbritannien am Mittwoch Druck nach oben verzeichneten.

Es gab aber auch etliche Stimmen an den Finanzmärkten, die diese Abstrafung durch die Anleger für übertrieben hielten. Die Ratingagentur Fitch unterstrich, dass das Leck in keiner Weise mit der Katastrophe von BP im Golf von Mexiko vor zwei Jahren zu vergleichen sei. Weil es sich nicht um ein Ölleck unter dem Meeresspiegel, sondern um austretendes Gas an der Oberfläche handele, seien die Umweltauswirkungen „weit geringer“.

„Total wird wahrscheinlich sein AA-Kreditrating behalten, denn es hat mehr als genug liquide Mittel, um die anfallenden Kosten zu decken“, schrieb Fitch. Im Fall einer von der Ratingagentur aber nicht erwarteten Stilllegung des Öl- und Gasfeldes Elgin müsste Total direkte Kosten von 2,6 Milliarden Euro tragen und seine Partner mit weiteren 3,1 Milliarden Euro entschädigen, schätzt Fitch. Total hält an dem Reservoir Anteile von 46 Prozent. Zu den übrigen Anteilseignern gehören Eni (21 Prozent), BG (14 Prozent) und Eon Ruhrgas (5 Prozent).

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Total unterstrich, dass sich die Umweltschäden in engen Grenzen hielten, weil das leichte Gaskondensat auf der Meeresoberfläche schnell verdunste. Es würde auch nicht die 240 Kilometer entfernte Küste erreichen. Umweltschützer kritisierten jedoch die Bohrungen in großen Meerestiefen, weil diese kaum zu kontrollieren seien. Frederic Hauge von der norwegischen Umweltschutzgruppe Bellona bezog sich auf den auch in der Ölindustrie verbreiteten Ausdruck von den „Bohrlöchern der Hölle“, die niemand im Griff habe. Im Reservoir Elgin steht das Rohgas in der Tat unter sehr hohem Druck und liegt in sehr großen Tiefen von fünf bis sechs Kilometern. Die Gasplattform ist erst vor zehn Jahren eröffnet worden und gilt als eine der modernsten der Welt. Der hohe Ölpreis ermöglicht es den Konzernen, immer tiefer in den Meeresboden vorzudringen. Total sieht sich als Spezialist solcher Bohrungen.

Infografik / Karte / Gasleck an der Plattform Elgin-Franklin © F.A.Z. Vergrößern

Auch wenn der französische Konzern im vergangenen Jahr neue Funde in Französisch-Guyana, Bolivien und Aserbaidschan machte, ist die Nordsee neben der Küste vor Westafrika weiterhin ein Hauptfördergebiet für die Franzosen. Trotz langsam schwindender Vorkommen investiert Total kräftig und erwartet, von 2017 an größter Produzent in der Nordsee zu sein.

Zum einen verlängert Total die Lebensdauer älterer Plattformen wie beim benachbarten Standort Alwyn. Als dort 1987 die Förderung begann, glaubte Total an eine Lebensdauer von rund zwanzig Jahren. Heute rechnet man mit weiteren 15 Jahren. Zum anderen nimmt das französische Unternehmen neue Felder in Angriff wie im Fall von Laggan und Tormore westlich der Shetland-Inseln. Diese beiden Felder sollen einen wichtigen Beitrag für die geplanten Produktionssteigerungen der kommenden Jahre leisten, zumal sie als ergiebig gelten. Nachdem Total Chevron und ENI Anteile abkaufte, halten die Franzosen heute 80 Prozent an Laggan und Tormore.

Die Elgin-Plattform

Die Elgin-Plattform ist eine Förderplattform, die rund 240 Kilometer östlich von Aberdeen in der Nordsee vor Schottland liegt. Das Meer ist dort nur knapp 100 Meter tief. Sie ging 2001 in Betrieb und hat ein Gewicht von mehr als 40 000 Tonnen. Die Insel ist von der Grundfläche dreieckig und auf jeder Seite gut 100 Meter lang.

Von der Plattform des französischen Total-Konzerns aus werden sechs Gasquellen in der näheren Umgebung koordiniert. Zum Teil wird in bis zu fünf Kilometer Tiefe unter dem Meeresgrund gebohrt. Die Förderprodukte wie Gas und Gaskondensat werden auf der zentralen Förderinsel Elgin PUQ gesammelt und chemisch behandelt. Flüssigkeiten werden von dort über eine von dem britischen Ölkonzern BP betriebene Pipeline nach Kinneil in Schottland gebracht. Gase werde in einer Pipeline ins englische Norfolk transportiert. Auf der Plattform werden täglich 230 000 Barrel Öläquivalent umgeschlagen.

Quelle: chs./FAZ.NET

 
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