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Bohrinsel „Elgin“ : Unfall auf Erdgas-Plattform in der Nordsee

Undatierte Aufnahme der Elgin-Gasplattform des französischen Energiekonzerns Total Bild: dpa

Nach einem Unfall auf einer Erdgas-Förderplattform in der Nordsee strömt Gaskondensat unkontrolliert ins Meer. Die Küstenwache hat eine Sperrzone eingerichtet. Eine Entlastungsbohrung wird erwogen. Doch das könnte ziemlich lange dauern.

          Nach einem Unfall auf einer Erdgas-Förderplattform in der Nordsee haben Energiekonzerne vor der schottischen Ostküste Hunderte von Mitarbeitern in Sicherheit gebracht. Schon am Sonntag war auf der Bohrplattform „Elgin“ des französischen Konzerns Total ein Gasleck entstanden. Das Unternehmen zog daraufhin alle 238 Mitarbeiter ab. Die Plattform befindet sich rund 240 Kilometer östlich der schottischen Küstenstadt Aberdeen in der Nordsee. Nach Angaben von Total wurde bei dem Betriebsunfall niemand verletzt. Am Dienstag teilte auch der britisch-niederländische Konzern Shell mit, große Teile seines Personals von zwei benachbarten Bohrplattformen abgezogen zu haben. Als „Sicherheitsvorkehrung“ seien 120 Mitarbeiter an Land gebracht worden. Die Küstenwache hat rund um die leckgeschlagene Plattform eine Sperrzone für Flugzeuge und Schiffe eingerichtet.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Das bei dem Unfall entstandene Gasleck war am Dienstag weiterhin außer Kontrolle. Nach Angaben von Total wird möglicherweise ein halbes Jahr vergehen, bis es geschlossen werden kann. Der Vorfall weckt Erinnerungen an den folgenschweren Unfall auf der Plattform „Deepwater Horizon“ des britischen Konzerns BP vor zwei Jahren im Golf von Mexiko. Der Aktienkurs von Total brach am Dienstag an der Pariser Börse zeitweise um mehr als 7 Prozent ein. Der Betriebsunfall dürfte abermals Diskussionen über die Sicherheitsstandards in der Öl- und Gasbranche anheizen. Schon im vergangenen Jahr ist in der Nordsee aus einer undichten Pipeline von Shell tagelang Rohöl ins Meer geflossen.

          Umweltauswirkungen geringer als bei Rohöl

          Ein Sprecher der schottischen Regierung sprach am Dienstag von einem „ernsten Zwischenfall“. Es sei aber „nicht mit starken Umweltbelastungen“ zu rechnen. Laut Total strömt sogenanntes Gaskondensat aus. Das flüssige Gemisch sei brennbar und explosiv. Auf der Wasseroberfläche habe sich ein sichtbarer Film gebildet, der am Montag mehrere Quadratkilometer bedeckt habe und seither größer geworden sei. Allerdings seien die Umweltauswirkungen geringer, als wenn Rohöl austrete. Das Kondensat verflüchtige sich leichter als Rohöl, hieß es zur Begründung.

          Die Ursache des Unfalls war ein unkontrollierter Gasausstoß in einem Bohrloch. Fachleute sprechen von einem „Blow out“. Ein solcher Betriebsunfall war vor zwei Jahren auch die Ursache für die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko, die zur größten Ölpest in der Geschichte der Vereinigten Staaten geführt hat. Normalerweise werden solche „Blow outs“ durch eine Reihe von Sicherheitsventilen am Bohrloch verhindert. Das Abdichten solcher Lecks ist oft schwierig und langwierig.

          Total erwägt nun nach eigenen Angaben, eine sogenannte Entlastungsbohrung vorzunehmen, durch die das Gasgemisch sicher abgeleitet werden kann. Dies würde aber voraussichtlich rund sechs Monate dauern, sagte ein Sprecher des französischen Unternehmens. Auch BP setzte im Golf von Mexiko auf diese Methode. Möglicherweise erschöpfe sich der Fluss des Kondensats aber auch rasch von alleine, teilte Total mit.

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