02.02.2012 · Das soziale Netzwerk weist einen Milliardengewinn aus, aber das Umsatzwachstum lässt nach. Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg wird durch den angestrebten Börsengang zum Multimilliardär, und sagt trotzdem: Geld verdienen ist bei Facebook nicht die Hauptsache.
Von Roland Lindner, New YorkDas soziale Netzwerk Facebook hat seinen mit Spannung erwarteten Börsenprospekt bei der Aufsichtsbehörde SEC eingereicht – und damit den Startschuss für den Countdown zur Premiere des Unternehmens an der Wall Street gegeben. Das Dokument liefert bislang unter Verschluss gehaltene Einblicke in das kalifornische Unternehmen, das eine der populärsten Internetseiten auf der Welt betreibt.
Facebook ist klar profitabel und baut seine Umsätze rasant aus, auch wenn sich die Wachstumsraten zuletzt etwas abgeschwächt haben. Weiter geht aus dem Dokument hervor, wie klar der 27 Jahre alte Gründer und Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg das Unternehmen kontrolliert – und wie reich er zumindest auf dem Papier mit dem Börsengang werden wird: Zuckerberg hält einen Anteil von mehr als 28 Prozent an Facebook. Bei der angepeilten Börsenbewertung für Facebook von 75 Milliarden bis 100 Milliarden Dollar würde dies bedeuten, dass Zuckerberg ein Vermögen von bis zu 28 Milliarden Dollar hätte. Nach der jüngsten „Forbes“-Liste wäre Zuckerberg damit der viertreichste Amerikaner, hinter Bill Gates, Warren Buffett und Larry Ellison.
Facebook selbst machte in dem am späten Mittwochabend vorgelegten Börsenprospekt keine Angaben zur angestrebten Bewertung. Offen blieb auch, wie viele Aktien beim Börsengang angeboten werden und ob das Unternehmen an der New York Stock Exchange oder an der Technologiebörse Nasdaq gelistet sein wird. Facebook bezifferte den geplanten Emissionserlös in dem Prospekt provisorisch auf 5 Milliarden Dollar. Der Betrag könnte sich aber ändern. Das genaue Datum für den Börsengang ist noch nicht festgelegt.
Bei anderen Börsenneulingen aus der Internetbranche wie dem Spieleanbieter Zynga und der Schnäppchenplattform Groupon hat es fast ein halbes Jahr von der Anmeldung bei der SEC bis zum Börsendebüt gedauert, Facebook könnte es aber auch schneller schaffen. Führende Konsortialbank wird Morgan Stanley sein, daneben sind noch andere Banken wie Goldman Sachs und JP Morgan Chase eingebunden.
Aus dem Börsenprospekt geht hervor, dass das im Jahr 2004 gegründete Unternehmen seit 2009 profitabel ist. Für 2011 hat Facebook einen Nettogewinn von genau einer Milliarde Dollar ausgewiesen, nach 606 Millionen Dollar und 229 Millionen Dolllar in den beiden Jahren zuvor. Seinen Umsatz konnte Facebook im vergangenen Jahr um 88 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar ausbauen. Das ist ein Zehntel des Umsatzes, den der Internetkonzern Google gerade für 2011 ausgewiesen hat. Im Schlussquartal 2011 hat Facebook seinen Umsatz um 55 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar gesteigert, der Nettogewinn erhöhte sich um 20 Prozent auf 302 Millionen Dollar.
Beobachter zeigten sich positiv überrascht von der Höhe des Gewinns, allerdings hatten manche in der Branche mit höheren Umsätzen gerechnet. So hatte das Marktforschungsinstitut Emarketer für 2011 einen Umsatz von 4,3 Milliarden Dollar erwartet. Das Umsatzwachstum hat sich außerdem in den drei Schlussmonaten 2011 gegenüber vorangegangenen Quartalen abgeschwächt. Facebook selbst führte Umstellungen im Werbegeschäft auf seiner Seite in Schlussquartalen der beiden vergangenen Jahre als Begründung an.
Facebook macht den größten Teil seines Umsatzes mit Werbung auf seiner Seite, wobei sich das Gewicht zuletzt etwas mehr in Richtung anderer Einnahmequellen verschoben hat. Dazu gehören vor allem Provisionen, die Facebook bei Transaktionen von Partnerunternehmen auf der Seite bekommt. Wichtigstes Beispiel ist Zynga. Die Zynga-Titel wie „Farmville“ oder „Mafia Wars“ werden vor allem über Facebook gespielt, und Umsätze kommen vom Verkauf virtueller Güter, und Facebook erhält davon jedes Mal einen Anteil. Im Schlussquartal 2011 stand Werbung für 83 Prozent des Umsatzes von Facebook und andere Quellen für 17 Prozent. Im ersten Quartal 2010 lag der Werbeanteil noch bei 99 Prozent.
Allgemein ist Zynga für Facebook ein enorm wichtiger Geschäftspartner. 12 Prozent des gesamten Facebook-Umsatzes kommen von Zynga, und diese Abhängigkeit wird im Börsenprospekt auch als einer der Risikofaktoren genannt. Zynga bringt nicht nur Geld mit Provisionen, sondern ist auch ein wichtiger Werbekunde und schaltet auf der Facebook-Seite viele Anzeigen für seine Spiele.
Facebook hatte Ende vergangenen Jahres 845 Millionen aktive Mitglieder, die mindestens einmal im Monat auf der Seite sind. Das Unternehmen konterte Spekulationen, wonach die Nutzerzahlen in reiferen Märkten wie Amerika nicht mehr wachsen. So habe sich die Zahl der Mitglieder in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 161 Millionen erhöht.
Facebook unterstrich, dass es gerade in Deutschland noch Nachholbedarf gibt: Hierzulande seien nur zwischen 20 und 30 Prozent der Internetnutzer bei Facebook. In den Vereinigten Staaten und Großbritannien seien es dagegen 60 Prozent, und in manchen Ländern wie der Türkei sogar 80 Prozent.
Bei den Risikofaktoren wies Facebook unter anderem auf die starke Konkurrenz hin, die eine Bedrohung für das Geschäft werden könnte. Facebook hob dabei Google und sein sozialens Netzwerk Google+ hervor. Google+ wurde im vergangenen Juni gestartet und hat nach Angaben des Unternehmens mittlerweile 90 Millionen Mitglieder. Facebook unterstrich auch die Gefahr, an Popularität zu verlieren und wies darauf hin, dass andere einst erfolgreiche soziale Netzwerke eine teils dramatische Abwanderung von Nutzern erlebt haben. Dieses Schicksal erlitt zum Beispiel Myspace, einer der Pioniere bei sozialen Netzwerken, der dann aber von Facebook entthront wurde.
Facebook wies auch selbst auf die mögliche Gefahr von Kontroversen um Datenschutz hin, die das Ansehen beschädigen könnten. Dem Unternehmen wird immer wieder vorgeworfen, zu sorglos mit den Daten seiner Mitglieder umzugehen, mit dem Ziel, diese Informationen zu nutzen, um maßgeschneiderte Werbung auf seiner Seite zu zeigen.
Der Börsenprospekt enthält auch einen Brief von Mark Zuckerberg, in dem er über seine Vision für Facebook schreibt und dabei sehr große Worte wählt. „Facebook wurde ursprünglich nicht geschaffen, um ein Unternehmen zu sein. Es wurde gebaut, um eine soziale Mission zu erfüllen – die Welt offener und vernetzter zu machen.“ Zuckerberg sagte weiter, ihm gehe es nicht um das Geld, sondern darum, den Nutzern bessere Dienste zu bieten. „Wir wachen morgens nicht mit dem hauptsächlichen Ziel auf, Geld zu verdienen.“
Zuckerberg ist laut Börsenprospekt der mit Abstand wichtigste Aktionär von Facebook. Hinter ihm folgen die Wagniskapitalgesellschaft Accel Partners mit 11,4 Prozent, Ko-Gründer Dustin Moskovitz mit 7,6 Prozent und die russische Internetholding DST Global Limited mit 5,4 Prozent. Der deutschstämmige Investor Peter Thiel, der zu den ersten Geldgebern von Facebook gehört, hält 2,5 Prozent.
Jenseits seines Anteils hat Mark Zuckerberg im vergangenen Jahr auch ein Gehaltspaket bekommen, dessen Wert in dem Prospekt auf knapp 1,5 Millionen Dollar beziffert wurde. Davon waren 483.333 Dollar Grundgehalt in bar, dazu gab es einen Bonus von 220.500 Dollar. Weitere knapp 784.000 Dollar fielen entfielen auf andere Gehaltsbestandteile, der Großteil davon auf „persönliche Nutzung von Flugzeugen, die in Zusammenhang mit seinem umfangreichen Sicherheitsprogramm gemietet wurden, und in denen Familie und Freunde im Laufe des Jahres 2011 geflogen sind.“
"Geld verdienen"
Harry Pastorius (ookk)
- 02.02.2012, 12:17 Uhr
Der erhoffte Emissionswert ist völlig absurd.
Hubert Matig (humatik)
- 02.02.2012, 10:54 Uhr
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