Home
http://www.faz.net/-gqe-wegn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Börsenkrise Amerikanische Notenbank senkt den Leitzins

22.01.2008 ·  Die amerikanische Zentralbank hat ihren Leitzins am Dienstag überraschend um 0,75 Prozentpunkte gesenkt. Die amerikanischen Währungshüter begründeten den Schritt mit schwächeren Aussichten für die Wirtschaft. Der Kursverfall an den Börsen scheint vorerst gestoppt.

Von Claus Tigges und Patrick Welter
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (7)

Die amerikanische Notenbank (Fed) hat auf die wachsende Rezessionsangst und die Kurseinbrüche an vielen Aktienbörsen rund um die Welt reagiert und den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent gesenkt. Der geldpolitische Rat der Fed beschloss die Lockerung der Geldpolitik eine Woche vor seiner planmäßigen Sitzung am 29. und 30. Januar. Es ist bereits der vierte Zinsschritt seit Mitte September. Der Zielzinssatz für Tagesgeld, mit dessen Hilfe die Währungshüter das Zinsniveau auf dem Geldmarkt steuern, liegt damit 1,75 Prozentpunkte niedriger als im Sommer.

In der schriftlichen Begründung zum Zinsbeschluss weist der geldpolitische Rat um seinen Vorsitzenden Bernanke auf die trüben Konjunkturaussichten sowie auf gestiegene Wachstumsrisiken hin. Die Lage auf den internationalen Finanzmärkten habe sich weiter verschlechtert und es sei sowohl für eine Reihe von Unternehmen als auch für Haushalte schwieriger geworden, Kredite aufzunehmen. Darüber hinaus verschärfe sich die Krise auf dem Immobilienmarkt und die Lage auf dem Arbeitsmarkt trübe sich ebenfalls ein. Trotz der Zinssenkung bestehen nach Einschätzung der Währungshüter noch beträchtliche Risiken für die amerikanische Wirtschaft. Der Rat werde die weitere Entwicklung verfolgen und, falls nötig, „rechtzeitig“ handeln, heißt es.

Kurse erholen sich etwas

Die Entscheidung zur Zinssenkung kam zwar nicht dem Zeitpunkt nach, wohl aber in ihrer Höhe überraschend. An den europäischen Börsen erholten sich die Kurse zunächst etwas von den vorangegangenen Verlusten, gerieten dann aber durch fallende Kurse an Wall Street abermals unter Druck. Der Dow Jones lag im Handelsverlauf mehr als 450 Punkte oder rund 3,7 Prozent im Minus auf 11 650 Punkten, im Tagesverlauf erholte er sich etwas.

Bernanke (siehe auch Ben Bernanke im Porträt: Der Hoffnungsträger) hatte in den vergangenen Wochen deutlich darauf hingewiesen, dass sich die Konjunkturrisiken durch die Krise auf dem Immobilienmarkt und die Spannungen im Finanzsystem erhöht hätten. Er hatte angekündigt, dass die Fed „rechtzeitig“ und mit einer „substantiellen“ Lockerung der Geldpolitik reagieren werde.

Auch die Bank von Kanada senkt den Leitzins

Die Marktakteure hatten sich daraufhin auf einen Zinsschritt um einen halben Prozentpunkt eingestellt und eine Entscheidung vor dem planmäßigen Treffen nicht ausgeschlossen. Der Beschluss fiel allerdings nicht einstimmig. Zuletzt hatte die Fed wenige Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 den Leitzins in einer außerplanmäßigen Entscheidung gesenkt. Damals noch unter der Führung Alan Greenspans, wurde der Zielzins für Tagesgeld von 3,5 auf drei Prozent verringert.

Kurz nach der Fed senkte auch die Bank von Kanada den dortigen Leitzins, allerdings nur um einen Viertelprozentpunkt auf vier Prozent. Zuvor hatte die japanische Zentralbank ihren vorsichtig optimistischen Wirtschaftsausblick beibehalten. Notenbankgouverneur Toshihiko Fukui sagte, die Notenbank ändere ihren geldpolitischen Kurs nicht von einem Tag auf den anderen. Der Rat der Zentralbank beließ den Leitzins bei 0,5 Prozent. Die Wirtschaft habe sich zuletzt zwar schlechter entwickelt, als es die Zentralbank erwartet hatte. Dies sei aber vor allem auf den durch Regulierungen verursachten Einbruch in Japan zurückzuführen, weniger auf die Verwerfungen an den Finanzmärkten. Für das kommende Fiskaljahr, das im April beginnt, erwartet die Bank unverändert ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent.

Unterdessen hat sich der amerikanische Präsident Bush mit führenden Demokraten und Republikanern aus beiden Kammern des Kongresses getroffen, um über ein Paket zur Ankurbelung der Konjunktur zu beraten. Dem Grundsatz nach herrscht offenbar Einvernehmen darüber, ein Programm im Volumen von rund 150 Milliarden Dollar aufzustellen, das sowohl Steuererstattungen als auch Investitionsanreize für Unternehmen enthalten soll.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 1

29.05.2012 17:30 Uhr
  Vortag
Dax 6.401,18 +1,23%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.395,16 +1,34%
Dow Jones 12.595,80 +1,13%
EUR/USD 1,2488 −0,42%
Rohöl Brent Crude 107,07 $ −0,18%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.