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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Börsenhändler Dirk Müller Mister Dax erklärt uns die Welt

 ·  Seit 16 Jahren ist Dirk Müller Börsenhändler in Frankfurt. Der Mann unter der Kurstafel gibt dem Dax ein Gesicht. So wurde er berühmt. Jetzt hat er auch noch ein Buch geschrieben - und vertritt darin allerlei ungewöhnliche Thesen.

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Es ist ein besonderer Tag für Dirk Müller. Seine Buchpremiere steht an. Am Abend wird er vor Publikum in einer Buchhandlung sein Werk präsentieren. Vor seinem Auftritt treffen wir ihn zum Mittagessen. Müller hat sich für das Argentinische Steakhaus Buffalo in der Frankfurter Kaiserhofstraße entschieden. Das ist nicht weit weg von der Börse, seinem Arbeitsplatz. Im Buffalo ist es mit der Bestellung einfach: natürlich argentinisches Rinderfilet. Mit Pommes frites. Müller mag es deftig.

Müller ist - das kann man ohne Übertreibung sagen - Deutschlands bekanntester Börsenhändler. Er ist der am häufigsten fotografierte Kursmakler an der Frankfurter Börse. Ein Medienstar. Immer für ein Foto vor der Dax-Tafel zu haben. Immer bereit für ein Statement im Börsenfernsehen. Es gibt wohl kaum noch eine Zeitung auf diesem Globus, die sein Bild noch nicht gedruckt hat. Im Ausland nennen sie ihn "Dirk of the Dax".

Müsste er jetzt nicht an der Börse sein? Für seinen Arbeitgeber, MWB Fairtrade, mit Aktien handeln? "Ich habe eine Woche Urlaub", sagt Müller. Er will sich voll auf die Buchpräsentation konzentrieren. Dann klingelt sein Handy. Der Verlag meldet sich. "Das ist ja geil", ruft Müller. Als er auflegt, berichtet er, dass der Verlag schon das Müller-Buch nachdrucken müsse. So gefragt sei es. Dann schiebt er schnell nach, dass dies gerade natürlich kein geplanter Anruf passend zum Lunch-Interview gewesen sei. Ganz zufällig alles. Na ja.

Börsenhändler Dirk Müller: Mister Dax erklärt uns die Welt

„Ich bin ein Börsenmakler mit einer frechen Schnauze“

Jedenfalls ist das mit der Schreiberei ein neues Geschäft für ihn: "Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals ein Buch auf die Reihe bekomme." Müller gibt sich kumpelhaft, er ist ein Typ, der stets munter drauflos erzählt. Müller über Müller: "Ich bin ein Börsenmakler mit einer frechen Schnauze."

Der 40-Jährige stammt aus einem kleinen Ort im Badischen, wo er immer noch lebt. Seine Frau hat dort einen Friseursalon. Sie ist es auch, die ihn frisiert und schick macht für die TV-Auftritte. Nach dem Abitur hat Müller eine Banklehre absolviert, bei der Deutschen Bank in Mannheim. Die Börse faszinierte ihn schon als Schüler. Kein Wunder, dass er später Kursmakler wurde und an der Börse nun Käufer und Verkäufer "von gebrauchten Wertpapieren zusammenbringt", wie er sagt.

Inzwischen läuft das Geschäft fast nur noch über Computer. Dementsprechend langweilig ist heutzutage auch der Handel auf dem Frankfurter Parkett geworden. Zwar mache ihm die Arbeit immer noch Spaß, versichert Müller, doch viel mehr Freude habe er daran, Hintergrundgespräche zu führen, Vorträge zu halten, "das große Bild der Wirtschaft zu malen". Immer wieder das eigene Bild in der Zeitung zu sehen, "darüber freut man sich doch auch".

Alle Leute wollen von ihm wissen, wie es mit den Aktien so weitergeht

Seine Börsen-Prominenz habe dazu geführt, dass alle Leute von ihm ständig wissen wollten, wie es mit den Aktienkursen weitergehe. Und mit der Wirtschaft überhaupt. Gerade in diesen turbulenten Finanzkrisenzeiten. Aus dem Kursmakler Müller wurde so der Wirtschaftserklärer Müller. Und irgendwie habe sich das mit dem Buch ergeben: Der Titel: "Crashkurs - Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance?" Müller sagt, er habe einfach aufgeschrieben, was er denkt. Auf 256 Seiten. Er wolle die Folgen der Finanzkrise schildern, und zwar so, "dass es auch jeder versteht". Er habe sich hingesetzt, viel recherchiert und sich mit einem "gesunden Menschenverstand" den Problemen gewidmet.

Nach dem Lunch, später am Abend, wird er dann in einer Frankfurter Buchhandlung aus seinem Buch vorlesen und den Zuhörern sagen, dass es ein Interesse gebe in Politik und Wirtschaft, den Menschen nicht die Wahrheit über die Finanzwelt zu erzählen. "Wir werden ruhiggestellt mit bestimmten Informationen." Die Finanzwelt werde von einer "Finanz- und Machthydra" kontrolliert.

Und so schreibt Müller, wie die Arbeitslosenzahlen manipuliert werden. Regierung und Industrie hätten schließlich Angst davor, den Bürgern die Wahrheit zu sagen. Und er schreibt, wie die Inflation heruntergerechnet wird. Er wettert gegen Globalisierung ("Wir transferieren unseren Wohlstand nach Asien") und gegen Experten - allen voran Wirtschaftweise, die nicht mal eine Rezession haben kommen sehen, obwohl sie schon längst da war. Und: "Hinter Geld stehen nur leere Versprechungen."

Ungewöhnliche Thesen für einen, der von der Börse kommt

Seine Thesen sind ziemlich ungewöhnlich für einen, der von der Börse kommt. Doch Müller ficht das nicht an. Er wehrt sich auch gegen den Vorwurf, Aktienkurse runterzureden, nur weil er den Leuten empfiehlt, derzeit keine Aktien zu kaufen.

Auf seinem Buchcover steht: "Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen." Diesen Anspruch erfüllt er nicht. Das Buch bleibt oberflächlich. Erst wenn das Schlimmste ausgestanden ist an den Börsen, so Müller, dann solle man wieder zuschlagen. Doch wann das ist? So genau will sich Müller nicht festlegen, wirbt aber für seine neue Internetseite mit aktuellen Infos. Einer seiner Ratschläge lautet: "Breiten Sie die Flügel aus und nutzen Sie die steife Brise, die gerade durch unser Finanzzeitalter weht."

Am Ende des Lunches erzählt Müller noch, wie es um die Planung eines weiteren Buches bestellt ist. Es werde so bald wohl kein zweites Buch geben, lässt er durchblicken. Mit dem ersten Werk habe er schon genug Arbeit gehabt.

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Von Johannes Pennekamp

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