06.06.2004 · Die Postbank-Aktie, die von diesem Montag an gezeichnet werden kann, kostet zwischen 31,50 und 36,50 Euro. Damit liegt die Preisspanne deutlich höher als erwartet.
Die Aktien bei dem ersten großen Börsengang in Deutschland seit Jahren werden zu einem überraschend hohen Preis angeboten: Die Postbank-Aktien, die von heute an gezeichnet werden können, kosten zwischen 31,50 und 36,50 Euro. Darauf haben sich am Sonntag nach langen Verhandlungen die Deutsche Post als Muttergesellschaft der Postbank und die Konsortialführer Deutsche Bank und Morgan Stanley verständigt. Die Preisspanne entspricht einer Gesamtbewertung der Postbank zwischen 5,1 und 6,7 Milliarden Euro.
Erklärtes Ziel der Post ist es, für die Bank an der Börse eine höhere Bewertung zu erzielen als die rund 4,8 Milliarden Euro Buchwert. In den vergangenen Tagen war der Streit zwischen Konsortialbanken und dem Verkäufer Post über die Bewertung auch öffentlich ausgetragen worden. Post-Vorstandsvorsitzender Klaus Zumwinkel hatte den Wert der Postbank vor Wochen auf „mindestens 6 Milliarden Euro“ beziffert, einen Betrag, der von Bankenseite mittlerweile als illusionär eingestuft wird. Auch bei der Post wird damit gerechnet, daß der Emissionspreis am unteren Ende der Spanne liegen wird.
Der Preisrahmen spiegele „Selbstbewußtsein und Stolz auf die Postbank“ wider, sagte Konzernsprecher Manfred Harnischfeger. Die Preisspanne sei durch Sondierungen bei institutionellen Investoren (Premarketing), intensive Marktforschung bei Privatanlegern und die Analysten-Reports untermauert, erklärte Zumwinkel. Sollte sich herausstellen, daß der Mindestpreis von 31,50 Euro nicht erzielbar ist, könnte es noch zu einer Absage des Börsengangs kommen. Als weitere Möglichkeit käme eine Verkleinerung der Tranche in Betracht.
Angebotsfrist endet am 18. Juni
Die Post will 49,9 Prozent des Postbank-Kapitals verkaufen, aber auf Dauer die Mehrheit behalten. Die Angebotsfrist endet am 18. Juni um 12 Uhr für Privatanleger und um 18 Uhr für institutionelle Investoren. Anleger können bei allen Konsortialbanken, in 1000 Postfilialen, im Internet oder telefonisch Kaufangebote für mindestens 20 Aktien abgeben. Offeriert werden 73,8 Millionen Aktien mit voller Gewinnberechtigung für 2004. Zusätzlich besteht eine Mehrzuteilungsoption von 8,2 Millionen Aktien. Es handelt sich um ein öffentliches Angebot in Deutschland. Im Ausland, auch in den Vereinigten Staaten, werden im Rahmen von Privatplazierungen nur institutionelle Anleger angesprochen.
Postbank-Vorstandsvorsitzender Wulf von Schimmelmann hatte am Wochenende berichtet, das Interesse der Privatanleger an der Emission sei bei der Vorvermarktung größer als erwartet gewesen. Wie angekündigt, werden Privatanleger, die bei der Postbank ein Wertpapierdepot unterhalten, sowie Aktionäre der Deutschen Post bei der Zuteilung bevorzugt. Mitarbeiter des Post-Konzern in Deutschland erhalten eine garantierte Zuteilung bis zu einem Gegenwert von 5270 Euro.
Aus dem am Wochenende veröffentlichten Börsenprospekt geht hervor, daß Mitarbeiter schon für 51,1 Millionen Euro Aktien bestellt haben. Der Schwerpunkt der Plazierung liegt allerdings auf den institutionellen Anlegern. Hier sei vor allem im Ausland Interesse spürbar, sagte Schimmelmann. Der Preis der Postbank-Aktie wird auf Basis der eingegangenen Bestellungen im sogenannten Bookbuildung-Verfahren am Wochenende 19,/20. Juni festgelegt. Die Erstnotierung ist für Montag, den 21. Juni vorgesehen. Der Börsenprospekt enthält, wie vorgeschrieben, eine ausführliche Darstellung der Risikofaktoren für die Entwicklung der Postbank-Aktie. Da die Kundeneinlagen das Volumen ihres Kreditgeschäfts deutlich übersteige, werde dieser Liquiditätsüberhand am Geld- und Kapitalmarkt angelegt. Deshalb sei die Postbank in besonderem Maße Zinsänderungsrisiken ausgesetzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.395,16 | +1,34% |
| Dow Jones | 12.595,80 | +1,13% |
| EUR/USD | 1,2488 | −0,42% |
| Rohöl Brent Crude | 107,07 $ | −0,18% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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