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Börsenaufsichtschefin Schapiro Die Aufseherin

18.12.2008 ·  Mary Schapiro wird die erste Frau an der Spitze der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Die designierte Vorsitzende übernimmt das Ruder in einer kritischen Phase: Die Behörde gilt immer mehr als Wachhund ohne Biss und stolperte in dieser Woche über den Betrugsfall Madoff.

Von Norbert Kuls
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Mary Schapiro kennt sich aus mit den Feinheiten des amerikanischen Wertpapierrechts. Die 53 Jahre alte Juristin hat ihre ganze Karriere in den verschiedenen Institutionen der amerikanischen Wertpapieraufsicht gemacht. Nun wird Schapiro an die Spitze der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) rücken. Der neue Präsident Barack Obama hat sie als Nachfolgerin von Christopher Cox bestimmt.

Schapiro, die erste Frau an der Spitze der Behörde, übernimmt das Ruder in einer kritischen Phase. Die SEC gilt immer mehr als Wachhund ohne Biss. Erst in dieser Woche gab der seit 2005 amtierende Cox zu, dass die SEC jahrelang Warnungen im Betrugsfall Bernard Madoff ignoriert habe. Staatsanwaltschaft und SEC werfen Madoff vor, Anleger um 50 Milliarden Dollar betrogen zu haben. Auch bei den großen Finanzbeben dieses Jahres wie der Schieflage der Wall-Street-Bank Bear Stearns machte die SEC keine gute Figur. Wenige Tage vor dem Fast-Kollaps des Wertpapierhauses, der nur durch einen Notverkauf verhindert werden konnte, hatte Cox noch gesagt, dass Bear Stearns über ausreichend Kapital verfüge. In den Anhörungen vor dem Kongress wurde Cox, selbst ehemaliger Abgeordneter des Repräsentantenhauses, regelrecht vorgeführt.

Zusammenlegung von SEC und Aufsichtbehörde für Terminmärkte?

Die SEC stand während der Krise im Schatten der Notenbank Fed, die als Bankenaufsicht fungiert, und des Finanzministeriums. Das liegt zum Teil daran, dass von den fünf großen Investmentbanken, die es am Anfang des Jahres gab, drei entweder kollabiert sind oder verkauft wurden. Die beiden noch unabhängigen Institute, Goldman Sachs und Morgan Stanley, wandelten ihren Status von einer Investmentbank in eine Geschäftsbank um. Damit fallen sie unter die Aufsicht der Fed. Die Krise hat auch eine Debatte über die Strukturen der amerikanischen Banken- und Börsenaufsicht ausgelöst. Eine Überlegung, die immer wieder diskutiert wird, sieht die Fusion der SEC mit der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) vor, der Aufsichtsbehörde für die Terminmärkte.

Die Wahl Schapiros kündigt möglicherweise schon eine Zusammenlegung der beiden Behörden an. Denn Schapiro hat ihre Karriere nach ihrem Juraabschluss an der George Washington University als Anwältin in der Strafverfolgungssparte der CFTC begonnen. Spezialgebiet: Manipulation und Handelsmethoden. Schapiro kennt aber auch die SEC.

Nach einem Intermezzo als Chefjuristin des Branchenverbandes für den Terminhandel wurde sie 1988 für sechs Jahre Mitglied der fünfköpfigen SEC-Kommission. Präsident Bill Clinton machte die parteilose Schapiro 1994 dann zur Vorsitzenden der CFTC. Diese Rolle bekleidete sie zwei Jahre, bevor sie in führender Funktion zur Aufsicht des Branchenverbandes National Association of Securities Dealers (NASD) wechselte. Dort leitete sie vor drei Jahren Ermittlungen wegen Bestechung von Kunden mit Geschenken, was zu zahlreichen Strafen bei Wertpapierhäusern führte.

Nicht alle sind von Schapiro überzeugt

Neben dem Branchenverband NASD hatte auch die New Yorker Aktienbörse Nyse lange ihre eigene Aufsicht. Nach dem Börsengang der Nyse im Jahr 2006 wurde diese Marktpolizei aber mit ihrem Pendant bei der NASD fusioniert. Diese der SEC nachgeordnete Organisation heißt Financial Industry Regulatory Authority, kurz Finra. Schapiro war seit ihrer Gründung Vorstandschefin der Finra. Auch ihre Erfahrung mit der Integration zweier Aufsichtsorganisationen könnte daher auf eine Fusion mit der Terminmarktaufsicht hindeuten.

Aber Schapiro hat auch Kritiker. „Finra hat nicht viel gegen Betrug ausgerichtet“, sagt Robert Banks vom Anwaltsverband Public Investors Arbitration Bar Association. Banks fordert eine gründliche Überholung der Regulierung. „In den vergangenen acht Jahren hatten wir keine wirksame Wertpapieraufsicht in diesem Land“, sagte Banks gegenüber dem „Wall Street Journal“. Die positiven Kommentare zur Ernennung Schapiros, die noch vom Senat bestätigt werden muss, überwiegen jedoch. Der New Yorker Senator Charles Schumer bezeichnete Schapiro als „die Art starken und erfahrenen Regulierer, den wir in diesen Zeiten brauchen“. Den amtierenden SEC-Vorsitzenden Cox, der die SEC zum Amtsantritt Obamas verlassen wird, hatte Schumer bei einer Anhörung zu Bear Stearns scharf kritisiert. „Offenbar ist etwas mit unserem Regulierungssystem nicht in Ordnung, wenn wir immer auf den letzten Drücker reagieren müssen“, hatte Schumer gefaucht.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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