16.08.2005 · Amerikanische Unternehmen geben derzeit an der Wall Street Milliarden für ihre eigenen Aktien aus. Ein starkes Gewinnwachstum und hohe Barreserven machen die Rückkäufe möglich. Für die Aktionäre ist das nicht nur positiv.
Angesichts starken Gewinnwachstums und hoher Barreserven kaufen zahlreiche amerikanische Unternehmen verstärkt eigene Aktien zurück. Nach Angaben des Finanzinformationsdienstes Thomson Financial haben amerikanische Konzerne in der ersten Hälfte dieses Jahres Aktienrückkaufprogramme im Wert von 137,9 Milliarden Dollar angekündigt. Sollte sich dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, würden die Aktienrückkäufe den Rekord des vergangenen Jahres übertreffen. 2004 hatten Unternehmen Rückkäufe im Umfang von 238,5 Milliarden Dollar avisiert.
Anfang August hatte der Medienkonzern Time Warner geplante Aktienrückkäufe im Wert von 5 Milliarden Dollar bekanntgeben. Das ist manchen Investoren allerdings noch nicht genug. Der Finanzier Carl Icahn will mit einer Gruppe von Hedge-Fonds Time Warner dazu bringen, 20 Milliarden Dollar für eigene Aktien auszugeben, um der schleppenden Aktienkursentwicklung Auftrieb zu geben. Mit dem Kauf eigener Aktien versuchen Unternehmen den Aktienkurs zu stützen, da sich die Zahl der umlaufenden Aktien reduziert. Andererseits fließt allerdings Geld aus dem Unternehmen ab, weshalb die Kurssteigerung nicht sicher ist.
„Die Schatztruhen sind ziemlich beeindruckend“
Auch der Computerhersteller Dell hatte bereits Anfang März den Rückkauf von Aktien im Wert von 10 Milliarden Dollar avisiert. In der vergangenen Woche hat der Konzern verkündet, in diesem Quartal weitere 1,2 Milliarden Dollar für die eigenen Papiere ausgeben zu wollen. Auch Ölkonzerne wollen den Umfang ihrer Rückkaufpläne in der zweiten Jahreshälfte noch steigern. "Die Unternehmensgewinne haben im vergangenen Quartal die Erwartungen übertroffen", stellt Richard Peterson fest, Marktstratege bei Thomson Financial.
"Der schiere Umfang in den Schatztruhen der Unternehmen ist ziemlich beeindruckend", findet Peterson. Grundsätzlich gilt es als positiv, wenn Unternehmen Geld, das sie nicht für Investitionen benötigen, ihren Aktionären zurückgeben. Ein Auskehren der Barmittel ist aber auch das Eingeständnis des Vorstandes, daß er gegenwärtig keine geeigneten Wachstumschancen sieht.
Signal der Überbewertung
Mit einem Aktienrückkaufprogramm geht zudem das Signal des Managements einher, daß es die Aktie des eigenen Unternehmens für unterbewertet hält. Zumindest tendenziell sollte dieses Signal und die Nachfrage des Unternehmens den Kurs stützen - auch wenn das in der Praxis schwer nachprüfbar ist. Eine Erhöhung der Dividende spüren die Aktionäre dagegen unmittelbar. Allerdings müssen die Aktionäre in Deutschland ihre Dividenden, sobald ihr Sparerfreibetrag ausgeschöpft ist, zur Hälfe mit ihrem Einkommensteuersatz versteuern. Mögliche Kursgewinne durch das Aktienrückkaufprogramm sind dagegen nach der Spekulationsfrist steuerfrei.
Werden die von den Unternehmen zurückgekauften Aktien eingezogen, hat dies für den Anleger den positiven Effekt, daß sich sein Anteil am Unternehmen erhöht und damit auch sein Anteil am Gewinn. Die Eigenkapitalrentabilität steigt. Das war zum Beispiel das Motiv von Vorstandssprecher Josef Ackermann, als die Deutsche Bank im Jahr 2004 ein Aktienrückkaufprogramm gestartet hat. Ackermann ist inzwischen das Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern im ersten Halbjahr übertroffen, auch weil sich der Gewinn der Deutschen Bank auf inzwischen weniger Aktien verteilt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.395,16 | +1,34% |
| Dow Jones | 12.595,80 | +1,13% |
| EUR/USD | 1,2488 | −0,42% |
| Rohöl Brent Crude | 107,07 $ | −0,18% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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