15.01.2008 · BMW verkauft in Amerika so viele Autos wie noch nie, die Vereinigten Staaten haben Deutschland als größten Absatzmarkt abgelöst. Trotz Dollarschwäche und Rabattschlacht wollen die Münchener weiter wachsen.
BMW verkauft in Amerika so viele Autos wie noch nie, die Vereinigten Staaten haben Deutschland als größten Absatzmarkt abgelöst. Trotz Dollarschwäche und Rabattschlacht wollen die Münchener weiter wachsen. Die F.A.Z. sprach mit BMW-Vertriebsvorstand Stefan Krause.
Herr Krause, BMW hat in Amerika einen neuen Absatzrekord erzielt. Aber müssten Sie wegen der angespannten Dollarlage nicht froh sein über jeden Kunden, der keinen BMW kauft?
Nein, überhaupt nicht. Unser Amerika-Geschäft ist nach wie vor profitabel, wenn auch nicht mehr so profitabel wie früher. Der schwache Dollar hat natürlich unsere Ergebnisqualität beeinträchtigt, aber selbst zu den augenblicklichen Tageskursen noch nicht in dem Maße, dass wir Verlust machen würden.
Volkswagen macht hohe Verluste. Auch Audi ist nur an der Gewinnschwelle.
Wir sind im Vergleich zu Volkswagen mit unseren Modellen in einer anderen Preisregion unterwegs. Hinzu kommt, dass wir als größter europäischer Importeur Kostendegressionseffekte nutzen können.
Der Euro kostet bereits 1,48 Dollar. Wo liegt die Schmerzgrenze für Ihre Importe?
Wir sind von der Schmerzgrenze noch ein gutes Stück entfernt.
Ihre Ertragsrechnung wird auch durch die zunehmenden Rabatte belastet.
BMW hat im vergangenen Jahr die Rabatte deutlich verringert. Wir sehen auch für unser Geschäft nicht den negativen Trend. Denn das Premiumsegment in den Vereinigten Staaten bietet das größte Wachstumspotential in der Welt. Derzeit beträgt der Premiumanteil hier nur 12 Prozent, in Deutschland liegt er bei 30 Prozent.
Trotzdem ist auf der Detroit Motor Show zu hören, dass BMW hohe Rabatte auf die 5er-Reihe gewährt.
Wir geben keine Barrabatte, sondern fahren hier eine disziplinierte Leasingstrategie: BMW investiert in höhere Restwerte seiner Fahrzeugflotten, um attraktive Leasingkonditionen mit niedrigen Monatsraten bieten zu können. Wenn das Fahrzeug am Ende der Laufzeit in den Markt zurückkommt, kann der höhere Restwert den Ausgaben für den Rabatt gegenübergestellt werden. Dann sieht die Rechnung für den Kunden und uns viel besser aus.
Wie viele BMW werden in Amerika derzeit finanziert?
Unser Leasinganteil liegt bei mehr als 50 Prozent. Bei der Siebener-Reihe ist er noch sehr viel größer, beim Mini deutlich niedriger.
Und wie hoch sind die Kreditausfallraten Ihrer amerikanischen Kunden?
Die sind sehr niedrig. Wir haben hier nicht die Subprime-Klientel, die für die amerikanische Krise anfällig ist.
Die deutschen Hersteller versuchen Amerikas Autofahrern nun Dieselfahrzeuge zu verkaufen. Kann das angesichts der großen Vorurteile gutgehen?
Das Dieselthema ist für uns Deutsche sehr wichtig. Wir sind zuversichtlich, die amerikanischen Kunden zu überzeugen, dass moderne Dieseltechnologie nichts mehr mit ihrer früheren Wahrnehmung zu tun hat. Diesel ist heute sparsam, kraftvoll und sauber. Und wir haben mehr als 20 Jahre Erfahrung mit der Entwicklung dynamischer und gleichzeitig effizienter Dieselmotoren. Das wird uns gegenüber den amerikanischen und japanischen Herstellern einen klaren Wettbewerbsvorsprung verschaffen.
Noch ist Lexus in Amerika die Nummer eins.
Stimmt, das ist noch so. Lexus verdankt diese Position vor allem seinen Sports Utility Vehicles. Im vergangenen Jahr hat BMW aber schon mehr Personenwagen in Amerika verkauft als Lexus. Mit mehr als 290.000 verkauften Autos sind wir größter europäischer Importeur und zweitgrößter insgesamt. Unser Ziel ist es, auch in Amerika die Nummer eins im Premiumsegment zu werden.
Um das zu erreichen, baut BMW die Kapazität in seinem amerikanischen Werk aus. Gleichzeitig werden in Deutschland 8000 Stellen gestrichen . . .
. . . Diese Zahl haben wir nie bestätigt. Wir werden vor allem mehrere tausend Zeitarbeitskräfte weniger beschäftigen. Daneben werden wir über Fluktuation und Altersteilzeitregelungen Stellen abbauen. Eine dramatische Aktion zur Kürzung der Stammbelegschaft in Deutschland ist das nicht. BMW will im Dollarraum weiter wachsen und baut deshalb die Kapazität in Spartanburg aus. Sie können aber nicht von einer Arbeitsplatzverlagerung sprechen. Denn BMW wird auch in Deutschland weiter wachsen.
Aber das Potential ist für BMW in Amerika größer?
Ja. Und um nicht in eine noch größere Schieflage von Absatz und Produktion zu geraten, müssen wir im Dollarraum die Produktion erhöhen. Dennoch wird der größte Teil des Produktionsvolumens weiterhin aus deutschen Werken kommen. Es gilt nach wie vor nur unser alter Grundsatz: Die Produktion folgt dem Markt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.395,16 | +1,34% |
| Dow Jones | 12.595,80 | +1,13% |
| EUR/USD | 1,2488 | −0,42% |
| Rohöl Brent Crude | 107,07 $ | −0,18% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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