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BMW-Erbe Ein Quandt für die BHF

 ·  Stefan Quandt trägt zwar einen bekannten Namen, auf der Straße bleibt er bislang aber unerkannt. Doch seine Rolle ändert sich. Jetzt steigt der BMW-Erbe bei der BHF-Bank ein. Der Kauf könnte für ihn zu einer Schlüsseltransaktion werden.

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Stefan Quandt. Der Nachname hallt nach. Menschen, die ihn zuvor nicht kannten, mögen bei einer Begegnung ins Grübeln kommen: Kommt er vielleicht aus der Familie, die wegen ihrer Beteiligung am Autohersteller BMW so reich ist? Seine Mutter Johanna, das hat er einmal zum Besten gegeben, würde auf eine solche Frage gerne schelmisch antworten: „Schön wär’s!“ Doch es ist wahr.

Und wahr ist auch, dass die Quandts trotz aller Bekanntheit ihres Namens unbekannt genug geblieben sind, um auf der Straße unerkannt zu bleiben. Das ist ein unschätzbarer Vorteil, den zum Beispiel Ferdinand Piëch nicht hat. Der Kontrast ist spannend: Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen ist das einprägsame Gesicht von VW und seinem Tochterunternehmen Porsche. Wenn Piëch nur flüstert, dröhnt es manchen in den Ohren, so gefährlich können seine Worte werden. Stefan Quandt ist da ganz anders. Man kennt ihn nicht, er ist auch nur stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von BMW, und er hält BMW nicht für ein Familienunternehmen. Zudem spricht er deutlich, wird deshalb aber inhaltlich nicht laut. Nur einmal im Jahr nutzt er seine Rede zur Verleihung des Herbert-Quandt-Medienpreises, um etwa der Politik oder anderen Akteuren der Gesellschaft die Leviten zu lesen. Das hört dann ein illustrer Kreis wohlmeinender Gäste, die der Familie verbunden sind, in sommerlicher Stimmung.

241 Millionen Euro Dividende für seine BMW-Anteile

Die Unternehmenswelt der Quandts aber erschüttern diese Worte nicht. Auch so etwas kann bei Piëch anders sein; mancher hat es schon erlebt. Quandt hingegen, und das mag den Mann an der Spitze des Massenherstellers aus Wolfsburg ein wenig wurmen, verdient mehr Geld als Piëch. Im Frühjahr zahlte BMW auf seine Aktien eine Dividende von 241 Millionen Euro. Nicht nur Piëch, keiner hat in Deutschland in diesem Jahr mehr Dividende bekommen als der heute 46 Jahre alte Quandt. Das alles weiß man, irgendwie - und doch setzt es sich nicht recht im Bewusstsein der Öffentlichkeit fest.

Quandt ist das mehr als recht. Der Sprecher der Familie würde nach eigenem Bekunden zwar gerne mehr Interviews mit ihm vereinbaren, trägt in dieser Hinsicht aber das schwere Los, regelmäßig Absagen weiterleiten zu müssen. Andere mögen die Öffentlichkeit suchen; Quandt erledigt in dieser Hinsicht allenfalls das Nötigste. Dann legt er solide Auftritte hin, denen die gute internationale Ausbildung und sorgfältige Erziehung des Wirtschaftsingenieurs jederzeit anzumerken ist. Danach aber tritt er sofort zur Seite, überlässt anderen die Bühne und macht Konversation im kleinen Kreis. So war es in all den vergangenen Jahren. Und doch verändert Stefan Quandt derzeit etwas an seiner Rolle.

Der Auftrag des Vaters

Quandt war zwar immer schon mehr oder weniger erfolgreich selbst als Unternehmer tätig. Doch seit einiger Zeit füllt er diese Rolle sichtbarer aus als früher. Sein Sprecher bestätigt diesen Eindruck: Schließlich sei es der Auftrag des Vaters gewesen, nicht nur das Vermögen aus der von ihm aufgebauten BMW-Beteiligung zu verwalten, sondern unternehmerisch zu agieren. Quandts Schwester Susanne Klatten hat diesen Schritt hin zu mehr unternehmerischem Profil schon früher vollzogen, als sie sich zum Umbau und Teilverkauf des einstigen Dax-Konzerns Altana entschied und danach kräftig in zahlreiche andere Unternehmen zu investieren begann. Für Stefan Quandt könnte nun der Kauf der BHF-Bank, an der er bald durchgerechnet mit einem hohen einstelligen Prozentsatz beteiligt sein wird, zu einer solchen Schlüsseltransaktion werden - wenn die Bafin dem soeben verkündeten Verkauf der Tochtergesellschaft der Deutschen Bank an ein Konsortium um die Beteiligungsgesellschaft RHJI zustimmt. Denn Quandts bisherige Unternehmensbeteiligungen haben nicht die Prominenz, um eine solche Rolle zu spielen. Die Beteiligungsgesellschaft Aqton etwa kennt kein Mensch, auch wenn darin inzwischen die BMW-Anteile geparkt sind, zudem die Beteiligungen an Datacard und Gemalto. Auch der Name von Quandts Logistikunternehmen Logwin sagt nur wenigen etwas.

Mit der Frankfurter BHF-Bank, die der Bad Homburger Familie Quandt schon sehr lange geschäftlich verbunden ist, wäre das anders. Wie zu hören ist, reizt es Quandt, die Bank in ihrer Strategie als Partner von Unternehmern und vermögenden Privatkunden zu begleiten - in einer Kultur, in der auch in der Bank die Prinzipien eines ehrbaren Kaufmanns stets beachtet werden. Als solcher hat sich Quandt zuletzt im Planinsolvenzverfahren seines Beteiligungsunternehmens Solarwatt AG in Dresden verhalten - und dafür viel Lob bekommen. Sollte die Bafin grünes Licht geben, kann er beweisen, wie sich ein Quandt solides Bankgeschäft vorstellt. Man würde es gerne sehen - und dann gerne auch mehr von ihm hören.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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