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BMW : Das weiß-blaue Wunder

Bild: F.A.S.

BMW ist nicht nur die wertvollste Automarke der Welt. BMW ist auch das Paradebeispiel für den phänomenalen Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft.

          Benoit Jacob ist Franzose. Und auch sonst ein Exot in den Bayerischen Motorenwerken. Der Mann, der mit zehn Jahren, nach ersten Kritzeleien, beschlossen hat, Autos zu entwerfen, zeichnet heute Modelle für Leute, die Autos im Grunde hassen. Für Menschen, denen ein gesunder Lebensstil wichtiger ist als Pferdestärken, wie Jacob, Chefdesigner der neuen BMW-Untermarke „i“, sagt, „Für Leute mit eigenem Kopf.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          McDonalds hat McCafé als Submarke, Hugo Boss für die Jungen Hugo. Und BMW jetzt das „i“. Fünf Jahre arbeiten sie nun an ihrem Traum vom Auto für morgen. Vom Forschungszentrum im Münchner Norden brechen gerade die ersten Exemplare auf zu Testfahrten, die Hülle noch abgeklebt; der BMW „i3“, ein Auto aus Carbon, angetrieben von einem Elektromotor: „Eine Revolution“, sagt der Chef, Norbert Reithofer, der etliche Milliarden Euro aus der Konzernkasse darauf wettet. Los geht’s mit dem angeblichen Umsturz noch in diesem Jahr, das „i“-Tüpfelchen übrigens ist geklaut: Von Apple natürlich. Genauso jung, genauso cool will heute jeder sein. Und genauso profitabel, Premium halt. Der Kunde legt eine Prämie obendrauf, weil er die und nur die Marke will. Mit dem verbauten Material hat der Preis wenig zu tun - im Fall von Apple wie von BMW. Das ist der Clou. „Was wir an manchem Modellen verdienen, dürfen wir gar nicht verraten, sonst liegt die Konkurrenz jede Nacht wach“, sagt ein Aufsichtsrat. Ja, das Sieger-Gen, es wirkt. BMW triumphiert. Oder wie der Bayer sagt: „Wenn’s lauft, dann lauft’s.“

          Die Grafik zeigt, wie BMW die Konkurrenz überholt. Per Klick wird sie groß.

          Rekorde, Rekorde, Rekorde - so geht das nun schon eine ganze Weile. Mehr Autos. Mehr Umsatz. Mehr Gewinn. Mehr Arbeitsplätze. BMW ist weltweit die Nummer eins unter den Luxusautos, vor Audi und Mercedes. Der Gewinn pro Mitarbeiter ist doppelt so hoch wie bei Daimler. Am Dienstag wird Reithofer das beste Ergebnis der Firmengeschichte verkünden. Mal wieder. Keine Automarke ist heute wertvoller. BMW ist rund um den Globus ein Statussymbol, wird in der Heimat regelmäßig ausgezeichnet als beliebtester Arbeitgeber, an den Weltbörsen als der nachhaltigste Autohersteller überhaupt.

          Die Firma steht als Sinnbild für den Wiederaufstieg der deutschen Industrie: Respektiert und begehrt, hochprofitabel. Mit Wucht zertrümmert BMW die These, wonach die böse Globalisierung den Wohlstand in Deutschland zerstört: Jeder Mann am Band in Dingolfing wird das Gegenteil bestätigen. Je wilder die Chinesen auf einen BMW sind, desto fetter die Erfolgsprämie in Bayern. 2,5 Monatsgehälter erhält ein BMW-Facharbeiter dieses Jahr als Prämie. Er darf sich einmal mehr als Spitzenverdiener in der Branche fühlen.

          Der 3er, die erste Generation, vorgestellt 1975

          Was aber sind die Ingredienzien für dieses weiß-blaue Wunder „made in Germany“? Anderswo gibt es niedrigere Steuern und niedrigere Löhne, so viel steht fest. Was also ist der Trick? Woher kommt dieser BMW-Geist, von dem es heißt, er mache den Unterschied? Die Suche danach führt kreuz und quer durch die BMW-Welt, vom Stammsitz in München zum Außenposten in Kalifornien, von den Fabriken über die Manager zu den Eigentümern, allen voran der Familie Quandt, der knapp die Hälfte an dem Unternehmen gehört.

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