04.11.2009 · Michael Bloomberg hat sich eine weitere Amtszeit als Bürgermeister von New York erkämpft. Doch sein Vorsprung vor dem Herausforderer fiel kleiner aus als gedacht. Und eigentlich hätte er ja gar nicht antreten dürfen.
Von Roland Lindner, New YorkDer parteilose Medienmogul Michael Bloomberg bleibt für eine dritte Amtszeit Bürgermeister von New York. Der 67-Jährige konnte sich in der Nacht zum Mittwoch mit 51 zu 46 Prozent der Stimmen gegen seinen demokratischen Herausforderer William Thompson (56) durchsetzen. Bloombergs Vorsprung fiel allerdings deutlich geringer aus als erwartet - trotz eines beispiellosen Wahlkampfaufwands von rund 100 Millionen Dollar (68 Millionen Euro). Meinungsumfragen hatten ihm einen Abstand von 12 bis 16 Prozentpunkten vorausgesagt.
Eigentlich hätte er gar nicht antreten dürfen. Seit den neunziger Jahren gab es ein Gesetz, wonach für New Yorker Bürgermeister höchstens zwei Amtszeiten von jeweils vier Jahren erlaubt sind. Der derzeitige Amtsinhaber gehörte einmal zu den schärfsten Verfechtern dieser Beschränkung - bis sich seine eigene zweite Amtszeit dem Ende näherte.
Vor einem Jahr, als die Finanzkrise New York mit voller Wucht erfasste, erklärte Bloomberg seine vormalige Haltung zum Geschwätz von gestern und verkündete seine Absicht, eine weitere Amtszeit anzustreben. In diesen schwierigen Zeiten brauche New York eine erfahrene Kraft am Ruder, argumentierte er. Bloomberg drängte den Stadtrat dazu, die bisherige Amtszeitbeschränkung für ihn aufzuheben. Es war keineswegs ein astreines Manöver, aber er kam damit durch: Am gestrigen Dienstag stellte er sich den New Yorkern zur Wiederwahl. Alles andere als ein deutlicher Sieg wäre eine Sensation: Alle Meinungsumfragen sagten ihm voraus, um einen zweistelligen Prozentsatz vor seinem Herausforderer Bill Thompson zu liegen.
Die New Yorker sind mit ihm zufrieden
Die Brechstangentaktik zur Verlängerung seiner Amtszeit hat dem 67 Jahre alten Gründer und Mehrheitseigentümer des Medienimperiums Bloomberg zwar durchaus viel Kritik beschert, aber am Ende überwog wohl, dass die New Yorker mit ihm zufrieden sind. Die lokalen Zeitungen gaben unisono Wahlempfehlungen für Bloomberg ab. "Bürgermeister Bloomberg hat leicht weitere vier Jahre verdient", schrieb etwa die "New York Times".
Die meisten Menschen in New York finden Bloomberg weder charismatisch noch sonderlich sympathisch. Viele halten ihn auch wegen seines persönlichen Reichtums für abgehoben - auf der "Forbes"-Liste wird er mit einem Vermögen von 17,5 Milliarden Dollar geführt und ist damit der reichste Mensch in der Stadt. Und doch genießt er großen Respekt: Die Mehrheit der New Yorker bescheinigt ihm eine erfolgreiche Arbeit und traut ihm zu, die Stadt durch die schwierigen wirtschaftlichen Zeiten zu steuern. Als Bankenzentrum ist New York schwer von der Finanzkrise getroffen worden und hat eine Arbeitslosenquote von mehr als 10 Prozent.
Auch die Ausgangslage beim Amtsantritt von Bloomberg war alles andere als einfach. Er wurde kurz nach den Terroranschlägen im Jahr 2001 gewählt, als Nachfolger von Rudy Giuliani, der sich durch seine zupackende Art nach den Attacken Legendenstatus erworben hatte. Bloomberg musste die geschundene Stadt aufrichten und sich mit den wirtschaftlichen Nachwirkungen der Anschläge auseinandersetzen.
Handfeste Erfolge vorzuweisen
Nach und nach konnte er handfeste Erfolge vorweisen: Er stabilisierte den Haushalt der Stadt und verbesserte das marode Schulsystem. Die Verbrechensraten gingen unter seiner Führung weiter zurück, und New York gilt als eine der sichersten Großstädte Amerikas. Vereinzelte Niederlagen - etwa der vergebliche Versuch, eine Straßenmaut in der Innenstadt einzuführen, oder die gescheiterte Bewerbung von New York um die Olympischen Sommerspiele 2012 - trüben Bloombergs Bilanz nur unwesentlich.
Entsprechend schwer war die Ausgangslage im Wahlkampf für den Herausforderer Bill Thompson, den bisherigen Stadtkämmerer von New York. Das galt umso mehr, als Bloomberg seinen Wahlkampf einmal mehr aus seinem gigantischen Privatvermögen finanzierte. Der Amtsinhaber dürfte mittlerweile mehr als 100 Millionen Dollar für seine Wiederwahl ausgegeben haben, seit Monaten kann man der Flut an Bloomberg-Werbespots im Fernsehen kaum entgehen. Thompson muss dagegen mit einem viel bescheideneren Budget auskommen und erreichte deshalb in seiner Kampagne nie auch nur annähernd die Präsenz von Bloomberg. Der Herausforderer fiel außerdem vor allem mit Attacken auf, in denen er Bloomberg seinen teuren Wahlkampf sowie die Aushebelung der Amtszeitbegrenzung vorwarf. Überzeugende Antworten, wie er selbst die Stadt führen will, vermissten die New Yorker dagegen. Alles spricht deshalb dafür, dass sie Michael Bloomberg für weitere vier Jahre zum Stadtoberhaupt wählen.
Geld regiert die Welt
Albert Genser (agens1)
- 04.11.2009, 16:34 Uhr
Das Phänomen existiert auch schon in Deutschland, nur verdeckter
Romeo Klein (hot-romeo)
- 04.11.2009, 18:44 Uhr
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