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Blockupy-Proteste in Frankfurt Die Angst vor der großen Randale

Die Blockupy-Protesttage sollen Frankfurts Finanzszene lahmlegen. Sie lähmen aber auch den Einzelhandel. Ladeninhaber rechnen mit Krawall und weniger Umsatz.

© Schmitt, Felix Die Polizei hat vor der Zentrale der EZB abgesperrt. Rechts Zelte des Occupy-Camps. Die Camp-Bewohner müssen ihre Zelte am Mittwoch vorübergehend verlassen, wollen das aber nicht freiwillig tun.

Sie fürchten sich vor den alten Bildern. Vor den Vermummten, vor den Steinewerfern, vor der Randale. Davor, dass sich Geschichte wiederholt: Kaum stehen die Polizisten nicht mehr wie eine Wand vor der Bank mit dem gelben Emblem, kommen die Maskierten, reißen mit Brecheisen Steine aus dem Kaiserplatz und zerschmettern damit die gewaltigen Fensterscheiben der Bank. Rauchbomben vernebeln die Sicht, Flaschen zerspringen auf dem Straßenpflaster, ein weißer Farbbeutel zerplatzt an der Tür eines Hotels. Im März spielten sich solche Szenen in der Frankfurter Innenstadt ab, als einige der tausenden Demonstranten am Europäischen Aktionstag gegen Kapitalismus an den Bankentürmen ihren Frust und ihre Wut auslebten.

Jan Hauser Folgen:

Alexandra Muuß und andere Frankfurter Geschäftsinhaber wollen das alles nicht wieder erleben. Sie fürchten Randale und Umsatzeinbußen, wenn von Mittwoch an Tausende Demonstranten unter dem Motto „Blockupy Frankfurt“ durch die Innenstadt ziehen, um gegen das „Krisenregime“ der Europäischen Union zu demonstrieren. Vor allem wollen die „Occupy“-Aktivisten das Finanzsystem lahmlegen und blockieren. „Wären im März die Ausschreitungen nicht so extrem gewesen, hätten wir jetzt nicht Angst, dass es eskalieren könnte“, sagt Alexandra Muuß, die hier die Filiale einer Kaffeehauskette betreibt. „Aber am 31. März ist alles eskaliert.“

"Blockupy" - Frankfurter  Einzelhändler sorgen sich um die geplanten Proteste in der Innenstadt Vorsichtsmaßnahmen: Etliche Geschäfte schließen für zwei Tage. © Hoang Le, Kien Bilderstrecke 

„Blockupy“ soll die Bankenstadt bis zum Samstag lähmen: Am Donnerstag Protest auf Plätzen in der Innenstadt, am Freitag Blockade des Zugangs zur Europäischen Zentralbank, am Samstag die große Demonstration, zu der die Polizei mit 30.000 Personen rechnet. Diese Programmpunkte versprach ein breites Bündnis aus Attac, dem Erwerbslosen Forum, der Linkspartei der Jugendorganisation der Grünen und anderen. Das Frankfurter Verwaltungsgericht hatte am Montag das städtische Verbot für viele Aktionen bestätigt. Die Demonstration und ein „Rave“ am Samstag sowie eine Kundgebung am Mittwoch wurden unter Auflagen gestattet. Über Beschwerden gegen die Verbote wird noch das Verwaltungsgericht entscheiden.

Polizei rechnet mit bis zu 2000 gewaltbereiten Aktivisten

Die Demonstranten wollen indes kommen - egal, ob sie dafür den richterlichen Segen haben oder nicht. „Die Verantwortlichen für die globale Krisen- und Verarmungspolitik sollen direkt vor den Türen ihrer Entscheidungszentralen mit phantasievollen Blockaden und kreativen Formen des zivilen Ungehorsams konfrontiert werden“, schreiben sie.

Mitarbeiter der Banken sollen nicht an ihren Arbeitsplatz kommen, damit die Demonstranten in den „alltäglichen kapitalistischen Normalbetrieb“ eingreifen und ihn blockieren können. Die Polizei rechnet mit bis zu 2000 gewaltbereiten Aktivisten.

Polizei empfiehlt Bankmitarbeitern Freizeitkleidung

Das alles nehmen auch die Menschen in den Bankentürmen wahr. „Wir tun das Nötige, um die kritischen Funktionen aufrechtzuerhalten und um die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Besucher aufrechtzuerhalten“, sagt ein Sprecher der Europäischen Zentralbank, an deren Gebäude im März ein Demonstrant ein Verkehrsschild warf. Schon am Dienstag bauten Polizisten vor der EZB Absperrgitter auf; direkt neben dem Haus der Notenbank campieren seit Oktober zwei, drei Dutzend Menschen im „Occupy“-Lager. Dieses soll am Mittwochvormittag für die Zeit der „Blockupy“-Tage geräumt werden, womit die Proteste beginnen und eskalieren könnten. Wie sich die Banken darauf vorbereiten, teilen EZB und Deutsche Bank nicht mit. Aber alle beobachten die Situation genau.

Die Polizei empfiehlt Bankmitarbeitern, Freizeitkleidung zu tragen. Die Helaba legt Mitarbeitern nahe, sich frei zu nehmen oder zu Hause zu arbeiten. Die KfW rechnet damit, dass weniger als ein Fünftel die Frankfurter Büros betreten. Die Commerzbank schließt zwei Hochhäuser nahe der EZB von Donnerstag bis Sonntag komplett, die Frankfurter Verkehrsgesellschaft riegelt Bahnstationen im Bankengebiet ab und eine nahe Schule schickt ihre Kinder am Mittwoch früher nach Hause.

Viele Schaufenster werden vernagelt

In der Goethestraße werden Ladenbesitzer am Mittwochnachmittag beginnen, ihre Schaufenster hinter dicken Holzbrettern zu verbergen - als ob ein Hurrican im Ansturm ist. An die Tür zu ihrer Boutique hat Brigitte von Boltenstern einen Zettel geklebt, dass der Laden am Freitag und Samstag geschlossen bleibe. „Keiner geht eine Tasche kaufen, um einen Stein auf den Kopf zu bekommen“, sagt sie. Selbst wenn sie ihr Geschäft öffnen würde, rechnet sie nicht damit, dass viele Kunden in dem Trubel einkaufen - sie lässt zum Schutz Holzwände hochziehen. Im benachbarten Schmuckgeschäft liegen Ketten, Ringe und Teller dagegen weiter nur hinter einer Fensterscheibe: Inhaber Doris Buchner wartet wie viele andere ab, was passiert, um dann zu reagieren.

Schneider Klaus Müller hätte in den kommenden Tagen viele Kunden zum Maßnehmen in seinem Laden erwartet. Aber an den Protesttagen wollte er keinem anbieten, zu kommen. Stattdessen besuchte er am Dienstag Kunden im Umland. „Es geht um die Chaoten, denen die Demonstranten eine Plattform bieten“, sagt er. Wenn der Protest so komme, wie von denen angekündigt, dann würden auch bald die Einzelhändler auf die Straße gehen, sagt er.

Vor Wochen haben die Geschäftsinhaber ihren Protest in einem Brief dem Ordnungsdezernenten der Stadt überreicht, ohne wieder etwas gehört zu haben. „Ich bin unruhig, weil ich nicht weiß, was passieren wird“, sagt Alexandra Muuß, während sie vor ihr Café geht. „Wir stehen direkt neben der Commerzbank, ich kann meinen Standort ja nicht ändern.“ Sie will ihr Geschäft mitsamt Terrasse jeden Tag öffnen - auch wenn sie mit einem um zwei Drittel geringeren Umsatz rechnet. Aber vielleicht trinken ja auch die Demonstranten zwischendurch mal einen Kaffee.

Quelle: F.A.Z.

 
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