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Blitzstresstest für Banken : 114,7 Milliarden Kapitalbedarf

Den europäischen Banken fehlen rund 115 Milliarden Kapital Bild: dpa

Siebzig europäische Großbanken haben einen Kapitalbedarf von fast 115 Milliarden Euro. Das ergab ein Blitzstresstest der EBA. Auch sechs deutsche Institute müssen bis Jahresmitte 2012 Kapitallücken von insgesamt 13,1 Milliarden schließen.

          Die Europäische Bankenaufsicht EBA hat in einem Blitzstresstest unter siebzig europäischen Großbanken für die dreizehn getesteten deutschen Großbanken einen Kapitalbedarf von insgesamt 13,1 Milliarden Euro festgestellt. Anders als erwartet, weist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) keine Kapitalunterdeckung auf, aber die West LB.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit müssen sechs deutsche Banken – Commerzbank, Deutsche Bank, Nord LB, Helaba, West LB und DZ Bank – Pläne vorlegen, wie sie bis zur Jahresmitte 2012 ihre Kapitallücken schließen. Wie die EBA darüber hinaus am Donnerstagabend mitteilte, fehlen europäischen Großbanken insgesamt 114,7 Milliarden Euro.

          Von den deutschen Banken haben neben der LBBW auch Deka, Hypo Real Estate, HSH Nordbank, Bayern LB, Landesbank Berlin, West LB und WGZ-Bank den Test bestanden haben. Die Banken mussten statt der gesetzlich vorgeschriebenen harten Kernkapitalquote von 2,5 Prozent 9 Prozent erreichen.

          Zuvor mussten sie Staatsanleihen zum Börsenkurs vom 30. September bewerten. Verluste, die im Vergleich zu dem in der Bankbilanz entstehenden Wert entstehen, mussten sie mit dem harten Kernkapital verrechnen, zu dem die EBA – härter als es das Gesetz derzeit vorschreibt – nur Stammkapital und Gewinnrücklagen zählt.

          Im Oktober hatte die EBA für die dreizehn getesteten deutschen Banken zum Erreichen einer harten Kernkapitalquote von 9 Prozent noch einen vorläufigen Kapitalbedarf von 5,2 Milliarden Euro festgestellt. Der Kapitalbedarf ist nun auf mehr 13,1 Milliarden Euro gewachsen, weil die EBA den Bewertungsstichtag vom 30. Juni auf den 30. September verschoben und die von der Helaba und der Nord LB beschlossene, aber noch nicht erfolgte Umwandlung stiller Einlagen nicht anerkannt hat.

          Commerzbank hat den größten Bedarf

          Im dritten Quartal dieses Jahres sind die Kurse vieler Staatsanleihen, vor allem aus den Euro-Krisenländern gefallen. Die Möglichkeit, diese Kursverluste mit Kursgewinnen der gerade von deutschen Banken oft gehaltenen Bundesanleihen zu verrechnen, schränkte die EBA ein. Dies traf vor allem die Commerzbank. Sie hat mit rund 5,3 Milliarden Euro den höchsten Kapitalbedarf in der deutschen Bankenbranche.

          Die Tochterbank Eurohypo hat allein Italien 8 Milliarden Euro geliehen. Ob es die Commerzbank schafft, durch Risikoabbau und Aufnahme von privatem Kapital die Kapitallücke zu schließen, ist fraglich. Um vorbereitet zu sein, falls Staatshilfe benötigt wird, öffnet die Bundesregierung den Bankenrettungsfonds Soffin wieder. Der Aktienkurs der Commerzbank fiel am Donnerstag um 8 Prozent.

          West LB wird in drei Teile zerschlagen

          Die Deutsche Bank, der ein Kapitalbedarf von 3,2 Milliarden Euro attestiert wird, will allein durch den Abbau von Risiken die Kapitalunterdeckung beseitigen. Die beiden Landesbanken Nord LB und Helaba, die beide bisher ohne Kapitalerhöhung ihrer Träger durch die Krise gekommen sind, erhalten Hilfe von ihren staatlichen Eigentümern.

          Die Nord LB, der eine Kapitallücke von mehr als 2 Milliarden Euro bescheinigt wird, erhält Bürgschaften der Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Zudem werden stille Einlagen umgewandelt. Auch Hessen wandelt 1,9 Milliarden Euro stille Einlagen um, mit denen die Kapitallücke der Helaba von 1,5 Milliarden Euro geschlossen wird. Die DZ Bank wird ihren Kapitalbedarf von 353 Millionen Euro durch den Abbau von Wertpapieren schließen. Die West LB wird in drei Teile – darunter eine staatliche Abwicklungsbank – zerschlagen.

          Rückendeckung des Staats für Großbanken

          Unterdessen hat die umstrittene Entscheidung der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor‘s von Montag, die Kreditwürdigkeit von 15 Ländern der Währungsunion zu überprüfen, zu Konsequenzen für die systemrelevanten Banken der Währungsunion geführt. Da große Institute wie die Deutsche Bank und die Commerzbank im Notfall mit einer Rückendeckung des deutschen Staates rechnen können, würde auch ihre Kreditwürdigkeit gesenkt, sollte die Bonität des deutschen Staates herabgestuft werden.

          Folglich hat Standard & Poor‘s die Kreditwürdigkeit aller großen Banken der Währungsunion auf die Beobachtungsliste mit potentiell negativen Folgen gesetzt. Am Montag hatte die amerikanische Agentur gewarnt, sie werde im Ernstfall die Kreditwürdigkeit nahezu aller Mitgliedstaaten der Währungsunion herabstufen, sollte sich nach dem Gipfeltreffen der Regierungschefs nicht eine glaubhafte Lösung der Schuldenkrise abzeichnen.

          Auch die West LB hat überraschend Kapitalbedarf

          Die Agentur wird spätestens vier Wochen nach ihrer Entscheidung über die Bonität der Euro-Staaten auch über die Kreditwürdigkeit der Banken befinden. Sollte also Deutschland sein Spitzenrating von „AAA“ verlieren, würden konsequenterweise auch die Ratings der Deutschen Bank und der Commerzbank um eine Stufe gesenkt. Eine schlechtere Bonität kann dazu führen, dass sich die derzeit ohnehin hohen Refinanzierungskosten der Banken weiter verteuern.

          Da Standard & Poor‘s die Kreditwürdigkeit der gesamten Währungsunion überprüft, setzte die Agentur am Donnerstag auch alle Emittenten auf die Beobachtungsliste, die direkt oder indirekt durch die Kapitalkraft und Bonität der Euro-Mitgliedsländer gestützt werden.

          „AAA“ der Europäischen Union nicht mehr gesichert

          So ist jetzt also auch die Spitzenbonität „AAA“ der Europäischen Union nicht mehr gesichert, wie auch die Ratings der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Europäischen Entwicklungsbank (CEB) und sogar von Instituten wie dem Erdölbevorratungsverband oder der Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-AG. Die Bonität von EU-Ländern und Instituten außerhalb der Währungsunion bleibt unangetastet.

          Die EU-Kommission kritisierte, Standard & Poor‘s habe vernachlässigt, dass der EU-Haushalt mit seinem Sonderstatus kein Defizit aufweise und die EU keine Schulden eingehe, die Überprüfung der Bonität also nicht gerechtfertigt sei.

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