Die Lage bei Research in Motion (RIM) spitzt sich zu. Der kanadische Hersteller des Blackberry-Handys überraschte die Finanzmärkte mit einer Warnung vor einem Quartalsverlust. Gleichzeitig teilte RIM mit, Banken für seine erstmals im März angekündigte „strategische Überprüfung“ angeheuert zu haben - üblicherweise ein Signal, dass ein Unternehmen offen für einen Verkauf ist. RIM selbst nannte als Optionen im Rahmen dieser Überprüfung Partnerschaften, die Lizenzierung seiner Produkte sowie strategische Alternativen für das Geschäftsmodell.
Der seit Januar amtierende Vorstandsvorsitzende Thorsten Heins kündigte außerdem eine weitere „signifikante“ Personalreduzierung an, ohne Details zu nennen. RIM hat erst im vergangenen Jahr einen Abbau von 2000 Stellen eingeleitet. Zuletzt hatte das Unternehmen rund 16500 Mitarbeiter. Auch wenn die Ankündigungen eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Verkauf des Unternehmens nahelegen, rutschte der Aktienkurs von RIM am Mittwoch im Handelsverlauf um 10 Prozent ab. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten drei Viertel an Wert verloren.
RIM war mit seinem Blackberry ein Pionier im Geschäft mit internetfähigen Handys oder Smartphones, hatte aber zuletzt neben dem iPhone von Apple sowie Geräten mit dem Betriebssystem Android von Google einen immer schwereren Stand. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts IDC stürzte der Marktanteil von RIM auf dem globalen Smartphone-Markt im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr von 13,6 auf 6,4 Prozent ab. Das iPhone verbesserte sich in diesem Zeitraum von 18,3 auf 23 Prozent, Android-Geräte legten von 36,1 auf 59 Prozent zu. Das iPhone und Android-Smartphones besetzen damit derzeit zusammen mehr als 80 Prozent des Marktes.
Schon mit seinem jüngsten Quartalsbericht im März zeigte sich RIM in desolater Verfassung und wies einen Verlust aus - unter anderem wegen einer Abschreibung auf Blackberry-Bestände. RIM meldete damals außerdem einen starken Umsatzrückgang um 25 Prozent. Die Aussichten für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2012/13, das am 2. Juni zu Ende gehen wird, sind ebenfalls trübe: RIM sagt jetzt einen Verlust im operativen Geschäft voraus; Analysten hatten bislang mit einem positiven Ergebnis gerechnet. Das Unternehmen führte niedrigere Verkaufsvolumina sowie den harten Preiswettbewerb zur Begründung an.
Die Banken J.P. Morgan Securities und RBC Capital Markets sollen RIM nun helfen, eine Zukunftsstrategie zu entwerfen. Thorsten Heins hat im März zugegeben, dass RIM „substantielle Veränderungen“ nötig habe. Der aus Deutschland stammende frühere Siemens-Manager hat seit seinem Antritt mehr Veränderungswillen demonstriert als seine Vorgänger, die langjährigen Ko-Vorstandsvorsitzenden Mike Lazaridis und Jim Balsillie. Heins kündigte im März an, RIM wieder stärker auf die traditionelle Blackberry-Stammkundschaft in Unternehmen zu konzentrieren und dafür im Endverbrauchermarkt nach Partnern zu suchen. Er wollte schon damals einen Verkauf nicht ausschließen - aber mit der bevorzugten Option, unabhängig zu bleiben. Er beruft sich dabei auf den größten Hoffnungsträger des Unternehmens, das kommende Betriebssystem Blackberry 10. Geräte dieser nächsten Generation sollen bis Ende dieses Jahres auf den Markt kommen.
Nach Meinung von Analysten ist es für das angeschlagene Unternehmen nicht leicht, einen Käufer zu finden. Vor einigen Monaten gab es Berichte über ein Interesses des Software-Konzerns Microsoft und des Online-Händlers Amazon.com an RIM, die sich aber nie erhärteten. Auch die Namen asiatischer Elektronikkonzerne wie Lenovo kursierten. In den vergangenen Tagen wurde auch über das gerade an die Börse gegangene Internetunternehmen Facebook als RIM-Käufer spekuliert, zumal das soziale Netzwerk Pläne für ein eigenes Smartphone verfolgen soll.
Liegt es jetzt an den Firmen oder vielmehr an den Managern?
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 31.05.2012, 01:51 Uhr
Oh Gott
Felix Andersen (prospektor)
- 30.05.2012, 20:11 Uhr