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Bis zu acht Prozent mehr Lohn? Die Hasardeure von der IG Metall

08.09.2008 ·  In dieser Tarifrunde möchte man nicht auf Seiten der Metallarbeitgeber stehen. Vor ihnen liegt die Aufgabe, die höchste Gewerkschaftsforderung seit 16 Jahren abzuwehren - eine Forderung, die sich nicht um Verteilungsspielräume schert und Konjunkturrisiken ausblendet.

Von Heike Göbel
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In dieser Tarifrunde möchte man nicht auf Seiten der Metallarbeitgeber stehen. Vor ihnen liegt die Aufgabe, die höchste Gewerkschaftsforderung seit 16 Jahren abzuwehren; eine Forderung, die sich nicht um Verteilungsspielräume schert und Konjunkturrisiken ausblendet. Sieben bis acht Prozent mehr Lohn hat der IG-Metall-Vorstand als Richtschnur an die Bezirke ausgegeben. Davon lassen sich nur 1,5 Prozent mit höherer Produktivität begründen. Mehr als zwei Prozentpunkte verlangt die Gewerkschaft als Inflationsausgleich. Schon hierüber lässt sich streiten, schließlich trifft die Teuerung auch die Unternehmen. Mit dem Versuch, die Inflation einzukalkulieren, laufen die Tarifparteien zudem Gefahr, sie anzuheizen. Den üppigen Rest ihrer geplanten Forderung erklärt die IG Metall schlicht mit einem "Gerechtigkeitsausgleich".

Formal handelt es sich bei dem für 2009 vorgeschlagenen Lohnkorridor lediglich um eine "Empfehlung" des Vorstands. Ein abweichender Beschluss am 23. September wäre jedoch ein Affront gegen den Gewerkschaftsvorsitzenden Berthold Huber. Mit seiner Tariftaktik ist die Gewerkschaft zuletzt bestens gefahren: Aus der Forderung von 6,5 Prozent wurden 2007 und 2008 Lohnsteigerungen von 4,1 und 1,7 Prozent plus Einmalzahlungen.

Die Gewerkschaft will den Erfolg der letzten Runde in diesem Herbst toppen

Im Nachhinein gestehen die Arbeitgeber ein, dass die Metallindustrie diesen Kostenschub dank einer außergewöhnlichen Branchenkonjunktur besser verschmerzt hat als erwartet und sogar kräftig Beschäftigung aufgebaut hat. Sie verweisen mit Recht aber auch darauf, dass man die 3,6 Millionen Metallarbeitnehmer damit schon erheblich an den guten Erträgen beteiligt habe, ein Nachholbedarf nicht erkennbar sei. Dem hält die Gewerkschaft entgegen, die Gewinne seien zweistellig gestiegen. Doch sollten Tarifverträge stets nur Mindestbedingungen regeln. Es ist Sache der Unternehmen, ihre Beschäftigten zusätzlich zu beteiligen. Gerade in der Metallindustrie zahlen sie mehrheitlich Prämien, auch um knappe Fachkräfte zu halten.

Die Gewerkschaft will den Erfolg der letzten Runde in diesem Herbst toppen. Mit einer noch höheren Forderung zu einem noch höheren Abschluss, das ist die Botschaft von Hasardeuren. Sie ignorieren, dass die Branche diesmal, wenn nicht vor dem Abschwung, so zumindest vor einer Flaute steht. Die Sorgen der Arbeitgeber werden als übliche Schwarzmalerei abgetan, obwohl der schwache Autoabsatz und schrumpfende Aufträge im Maschinenbau eine klare Sprache sprechen. Mancher Betrieb baut schon Überstunden ab und führt Arbeitszeitkonten ins Minus, um die Beschäftigung zu halten.

Huber hat die Gelegenheit vertan, die Erwartungen rechtzeitig zu dämpfen

Was geschehen kann, wenn Warnzeichen konjunktureller Wendepunkte missachtet werden, haben die Metaller 1995 erfahren, als sie in den Abschwung hinein Lohnerhöhungen von vier Prozent vereinbarten, zu denen noch Arbeitszeitverkürzung kam. Es hat eine Dekade gebraucht, um diesen Kostenschock zu verdauen und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Fahrlässig zu glauben, dies könne sich in Zeiten des Fachkräftemangels nicht wiederholen. In jedem Fall tragen geringer Qualifizierte und Zeitarbeiter nach wie vor ein hohes Arbeitsplatzrisiko. Was ist das für ein "Gerechtigkeitsausgleich", der die Arbeitsplätze der Schwächsten verspielt? Metallchef Huber hat die Gelegenheit vertan, die Erwartungen rechtzeitig zu dämpfen. Der Branche steht nun ein hoher Lohnabschluss ins Haus. Man darf gespannt sein, ob die Arbeitgeber wenigstens die Kraft finden, hinreichende Entlastungsmöglichkeiten für den Fall des Abschwungs zu vereinbaren. Ohne eine flexible Konjunkturklausel sollte es keinen Vertrag geben.

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Jahrgang 1959, verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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