03.11.2008 · Wie auch in Deutschland zauderten in Amerika zunächst viele Banken, wegen der Finanzkrise staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Jetzt wandelt sich die Stimmung: Berichten zufolge haben nun bis zu 1800 Institute Interesse an Kapitalspritzen vom Finanzministerium.
Von Claus TiggesIn den Vereinigten Staaten wächst offenbar das Interesse von Banken, Spar- und Darlehenskassen, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich vom Finanzministerium eine Kapitalspritze verabreichen zu lassen. Berichten zufolge könnten sich bis zu 1800 Finanzinstitute bei der Regierung darum bewerben, mittels einer staatlichen Beteiligung die notwendige Rekapitalisierung voranzutreiben. Nach Angaben des Finanzministeriums in Washington haben schon Hunderte von Banken ihre Bewerbung eingereicht oder ihre Absicht bekundet, dies bis zum Stichtag am 14. November zu tun.
Finanzminister Henry Paulson und seine Mitarbeiter sind noch damit beschäftigt, die Voraussetzungen für eine Beteiligung zu formulieren, die in Einzelfällen bis zu 25 Milliarden Dollar betragen kann. Zunächst hatten viele Banken zurückhaltend reagiert, weil sie befürchteten, als schwach und angeschlagen zu gelten, wenn sie die staatliche Hilfe in Anspruch nähmen. Doch hat sich die Stimmung nun gewandelt. Offenbar wollen jetzt möglichst viele zum Zuge kommen, weil der Eindruck entstanden ist, dass das Finanzministerium sich nur an den stärksten Banken beteiligen wird. „Wir wollen, dass die Märkte wissen, dass wir zu den Überlebenden zählen werden“, sagte Roy Whitehead von der in Seattle ansässigen Washington Federal.
125 Milliarden Dollar alleine für neun Großbanken
Für das Beteiligungsprogramm, das der Regierung einen Anteil an künftigen Gewinnen der Banken sichert, stehen insgesamt 250 Milliarden Dollar aus dem 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket zur Verfügung, das Regierung und Kongress Anfang Oktober beschlossen haben. Die Hälfte der Summe, 125 Milliarden Dollar, erhalten neun führende amerikanische Großbanken, darunter die Bank of America, Citigroup, J.P. Morgan Chase und Wells Fargo.
Einige Beobachter bezweifeln gleichwohl, dass die 250 Milliarden Dollar ausreichen werden, zumal das Finanzministerium inzwischen mitgeteilt hat, dass sich auch Versicherungsunternehmen um eine Kapitalspritze bewerben können. Finanzminister Paulson bleibt derweil dabei, dass sich die Rettungsaktion letztlich nicht zu Lasten des Steuerzahlers gehen wird. „Es ist keine Ausgabe, es ist eine Investition. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es die Steuerzahler etwas kosten wird“, sagt Paulson.
„Goldene Fallschirme“ für Manager sind bis auf weiteres unzulässig
Banken, die an dem Rettungsplan teilnehmen, müssen sich unter anderem auf eine Begrenzung der Vorstandsgehälter verpflichten. Hohe Abfindungspakete für Manager, sogenannte „goldene Fallschirme“, sind bis auf weiteres nicht zulässig. Die Regierung verbindet mit den Kapitalhilfen die Hoffnung, dass die ins Stocken geratene Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher wieder in Schwung kommt. Darüber hinaus käme es ihr aber nicht ungelegen, wenn auch die als notwendig erachtete Konsolidierung der Kreditwirtschaft durch Fusionen und Übernahmen vorangebracht würde.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.394,44 | +1,28% |
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