21.02.2008 · Umweltminister Sigmar Gabriel hat die Pläne zur Erhöhung der Biospritquote erstmal auf Eis gelegt. Sein Zaudern ist verständlich. Die gesamte Bioenergie ist mit zu vielen grünen Illusionen verbunden, und zwar in allen Parteien.
Von Konrad MrusekUmweltminister Sigmar Gabriel hat ein gutes Gehör für die Nordkurve, also für Leute mit schmalem Portemonnaie. Die Ohren spitzt der Sozialdemokrat meist dann, wenn irgendwo gewählt wird - wie am Sonntag in Hamburg. Das erklärt sein jetziges Zaudern beim Biokraftstoff. Die im Klimapaket der Regierung geplante höhere Beimischung zum Benzin kommt erst, wenn klar ist, wie viele ältere Fahrzeuge das teurere Super Plus brauchen, weil ihre Motoren die doppelte Dosis Ethanol nicht vertragen.
Erst sagte die Industrie, das sei nur knapp ein Prozent der Autos, doch nun sind sich die Manager nicht mehr so sicher, ob es nicht vielleicht doch deutlich mehr sind. Ende März will der Verband die Zahlen nennen. Für die Industrie geht es um Schadensersatz, für Gabriel um politische Haftung. Insofern ist sein Zaudern verständlich, und ihm daraus, wie es die Union tut, einen Vorwurf zu machen ist fadenscheinig.
Der Fall lehrt etwas anderes: Die gesamte Bioenergie ist mit zu vielen grünen Illusionen verbunden, und zwar in allen Parteien. Diese sollte man schleunigst abstreifen, sonst führt Klimapolitik in ein Umweltdebakel.