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Bio-Lebensmittel : Ökobauern in Not

Die neue Generation sind die ideologiefreien Pragmatiker. Sie sind oft gut ausgebildet worden an Fachhochschulen und Universitäten und haben kühl rechnen gelernt. Auch dank hoher Subventionen war das Ergebnis oft, dass Ökolandbau für sie lohnt. Diese Gruppe wird empfindlich, wenn die konventionelle Konkurrenz wirtschaftlich davonzieht. Sie verliert auch schnell die Toleranz mit ihren Anbauverbänden, wenn diese es nicht schaffen, ihr Getreide in guten Mengen zu guten Preisen abzusetzen.

Und sie sehen neues Unheil auf sich zukommen: die ausländische Konkurrenz. Seit Jahren steigt der Anteil der in Deutschland vermarkteten Bioware aus dem Ausland. Die Importe beschränken sich nicht auf tropische Früchte und exotische Gemüsesorten. Selbst Ackerfrüchte, die in Deutschland ihren Traditionsstandort haben, werden zum Teil importiert. „Ich ärgere mich, dass hier immer noch Ökokartoffeln aus Ägypten verkauft werden statt aus Deutschland“, sagt Jan Plagge. „Unsere haben eine viel bessere Klima- und Wasserbilanz als die aus dem Wüstensand.“

Immer mehr kommt aus dem Ausland

Aber so einfach ist das nicht: Die Supermarktkette Alnatura kauft für einige Wochen im Jahr in Ägypten bei einem Bauern, der nach den strengen Richtlinien des Demeter-Verbandes wirtschaftet und 2003 für sein Engagement den Alternativen Nobelpreis bekommen hat. Soll sie den Mann auslisten?

Größere Gefahr noch wächst im Osten Europas. Polen hat seine Agrarflächen im Ökolandbau binnen zehn Jahren versechsfacht auf rund 600.000 Hektar (Deutschland bewirtschaftet 1 Million Hektar) und zielt eindeutig auf den größten Markt in Europa: Deutschland. Das Baltikum hat seine Ökoanbaufläche binnen einer Dekade verdreifacht. In Kasachstan blüht der Weizen für deutsche Ökomühlen, Litauen hat sich auf Erbsen für Deutschland spezialisiert.

„Diese Situation wird sich bei zahlreichen Produkten durch Importe aus Übersee verschärfen“, heißt es in einer Studie der Universität Bonn für die Grünen: „Erkennbar sind entsprechende Entwicklungen in Argentinien, Äthiopien, Australien, Brasilien, China, Indien und Peru. Diese Länder haben sich auf den deutschen Markt ausgerichtet“, schreiben die Autoren. Ihre eigenen Heimatmärkte würden dagegen nicht für die Aufnahme von Bioware entwickelt.

Die Entwicklung schlägt sich in den Zahlen nieder: Der Importanteil beim Getreide steigt, meldet der Agrarmarkt-Informationsdienst in einer frischen Studie, der Anteil bei Bioweizen liegt bei 25 Prozent. Auch bei Produkten aus der Molkerei oder bei Schweinefleisch sind ausländische Erzeuger erfolgreich.

Kritik an den Kunden

Sie gewinnen, weil sie oft billiger sind als hiesige Ökobauern. Spätestens seit Aldi und Lidl Bioware in ihre Regale aufgenommen haben, ist der Preiskampf entbrannt. „Ich habe Öko aufgegeben, als die Discounter Kartoffeln ins Sortiment genommen haben“, sagt Bauer Schulten-Baumer. Der Preis-Wettbewerb mit dem Ausland könnte sogar noch schwerer werden, vor allem für die handarbeitsintensiven Gemüse- und Obsthöfe, wenn der Mindestlohn ausnahmslos exekutiert wird.

Eine Biobäuerin macht in einem Internet-Forum eine ganz eigene Rechnung auf. Sie ist weniger von der Politik als von den Kunden enttäuscht, die den wirklich nötigen Preis für regionale Bioprodukte nicht zu bezahlen bereit sind: „Wir sind als Biobetrieb von Zuschüssen abhängig, etwa dreimal so hoch wie bei konventionellen Bauern. Damit subventionieren wir dann über billige Lebensmittel das gute Gewissen unserer reichen Kunden, die mit dicken SUVs bei uns vorfahren und im Hofladen einkaufen.“

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