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Bildungspolitik Mehr Schulvielfalt

 ·  Einen Teil ihres Erfolgs verdanken Privatschulen der Unzufriedenheit mit den Staatsschulen. Trotz unzähliger Reformen hat sich dort seit Jahrzehnten nur wenig geändert. Von mehr Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Schulen könnten indes die meisten Schüler profitieren. Doch wie setzt man den in Gang?

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Solche Schulgründungen erhitzen die Gemüter: Zum neuen Schuljahr hat nahe Frankfurt die Strothoff International School eröffnet. Dort werden in kleinen Klassen durchschnittlich zwölf Schüler unterrichtet. Diese exklusive Betreuung durch international erfahrene Lehrer gibt es nicht umsonst: Jeder Schüler muss im Jahr ein Schulgeld von 15.000 bis knapp 19.000 Euro entrichten.

Die Gründung einer solchen Schule ist vielen ein weiterer Beleg für die These, dass private Schulen die Gesellschaft spalten, weil sich nur Reiche ihren Besuch leisten können. Nun sind die meisten Privatschulen freilich günstiger als die Strothoff Schule. Auch reicht es für die Spaltung der Gesellschaft nicht aus, wenn acht Prozent aller Schüler eine allgemeinbildende Privatschule besuchen. In Frankfurt zum Beispiel gibt es allerdings schon 15 Prozent Privatschüler. Wenn man dann noch bedenkt, dass in Umfragen die Mehrheit der Eltern – aus allen Schichten – angibt, dass sie ihre Kinder am liebsten auf eine Privatschule schicken würde, viele es sich aber nur schwer leisten können, dann verläuft zumindest schon ein Riss durch die Gesellschaft.

Auf der kleinen Seite dieses Risses findet man die privaten Schulen, allerdings nur einen Teil, denn die Hälfte aller Privatschulen sind kirchliche Schulen, die in der Regel nur ein geringes Schulgeld verlangen. Diejenigen Privatschulen, die richtig Geld kosten, haben sich stark gewandelt. Galten sie früher als Orte, wo lernfaule Kinder reicher Eltern auf jeden Fall einen Abschluss bekamen, so reicht ihre Klientel heute bis tief in die bildungsbürgerliche Mittelschicht hinein – und die erwartet einiges für ihr Geld.

Unzufriedenheit mit den Staatsschulen

Aus Unzufriedenheit mit den Staatsschulen sind diese Eltern grundsätzlich bereit, für ein aus ihrer Sicht besseres privates Angebot jeden Monat einige hundert Euro je Kind zu zahlen. Solche Summen bringt aber auch ein einigermaßen gut verdienender Mittelschichtshaushalt nur mit Mühe auf. Deshalb müssen die freien Schulen überzeugen. Das tun sie, indem sie auf individuelle Förderung, neue Lehr- und Lernmethoden, Zweisprachigkeit und künstlerische Entfaltung setzen. Sicherlich werden sie nicht jedes Versprechen einlösen. Doch traut man ihnen zu, dass sie so manchen neuen Weg weisen können.

Einen Teil ihres Erfolgs verdanken sie der verbreiteten Unzufriedenheit mit den Staatsschulen. Auch Schulforscher üben starke Kritik an den Staatsschulen. Sie bemängeln, dass sich trotz unzähliger Reformen an der Art des Unterrichts seit Jahrzehnten nur wenig geändert habe. Dass der Ruf der Staatsschulen nicht völlig ramponiert ist, verdanken sie den Lehrern, die über pädagogisches Talent verfügen und trotz fehlender systematischer Leistungsanreize viel Engagement zeigen. Solche Lehrer gibt es einige; doch zeigen Untersuchungen von Psychologen, dass das Risiko eines Schülers, an einen unmotivierten oder gar frustrierten Lehrer zu geraten, viel größer ist.

Die Nachfrager sollten subventioniert werden - nicht die Anbieter

Auch wenn es nicht nur gute Privatschulen und schlechte Staatsschulen gibt, so wäre es doch zu wünschen, dass mehr Kinder von der Kreativität privater Schulen profitieren könnten. Und noch mehr: Die allermeisten Schüler gewönnen, wenn es unter allen Schulen – staatlichen und privaten – einen Wettbewerb der Ideen gäbe. Dieser Wettbewerb kommt allerdings nur in Gang, wenn sich arme wie reiche Schüler den Besuch jeder Schule leisten können. Daher sollten die Nachfrager und nicht die Anbieter subventioniert werden. Dann kann es sich keine Schule mehr leisten, in den Augen ihrer Nutzer schlecht abzuschneiden. Die Bedeutung des Staates als Bildungsanbieter schrumpfte in einem solchen System. Doch würde er Bildungsstandards für alle Schulen setzen und deren Erreichung überwachen.

Eine nachfrageorientierte Schulfinanzierung ist in den Niederlanden und in Schweden längst etabliert. Dort zahlt der Staat für jeden Schüler eine bestimmte Summe. Dieses Geld wandert dann mit den Schülern zu den von ihnen gewählten – privaten oder staatlichen – Schulen. Bildungsökonomen sind überzeugt, dass in einem solchen System die Schülerleistungen besser sind. In empirischen Studien zeigen sie, dass davon alle Kinder profitieren und ganz besonders die aus bildungsfernen Schichten.

Oft erhoben wird der Einwand, Bildung dürfe keine dem freien Wettbewerb überlassene Marktware sein. Das ist sie aber in einem System der Nachfragesubventionierung nicht. Schließlich gibt es zum einen die Schulpflicht, also eine Nachfragepflicht, und zum anderen eine sehr weitreichende staatliche Finanzierung.

Mancher wird kritisieren, dass dann überehrgeizige Eltern das Schulangebot bestimmten. Doch wer, wenn nicht die Eltern, sollte die „richtige“ Entscheidung treffen? Der Staat? Der durfte lange genug sein Können beweisen – und überzeugte nicht. Außerdem werden sich manche Eltern entspannen, wenn sie nicht mehr befürchten müssen, dass ihre Kinder eine Schule ihrer zweiten oder dritten Wahl besuchen müssen. Für Entspannung sorgte auch, wenn niemand mehr das Gefühl hätte, sich eine bessere Schule nicht leisten zu können.

Alle gewönnen, wenn
es zwischen staatlichen und privaten Schulen mehr Wettbewerb gäbe.

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Jahrgang 1966, Redakteurin in der Wirtschaft

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