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Bildungsökonom Wößmann : „Mehr Ausgaben je Schüler bringen nichts“

Der Bildungsökonom Ludger Wößmann entfachte mit seinen Thesen zum deutschen Schul- und Bildungssystem so manche Debatten. Bild: Ullstein

Der Bildungsökonom Ludger Wößmann vertritt provokante Thesen. Alle Parteien können sich an ihm reiben. Nun hat er einen Wissenschaftspreis gewonnen. Ein Porträt.

          Er spricht freundlich, der Professor mit dem kurzen blonden Bart, doch seine Worte zerschießen ganz brutal oft gehörte Politikerversprechen. Mehr Geld für die Schulen? Kleinere Klassengrößen? „Das hat herzlich wenig Effekt auf die Qualität der Bildungsergebnisse“, sagt Ludger Wößmann. Sein hartes Urteil hat er aus großen internationalen Studien abgeleitet. Der Münchner Bildungsökonom, der am Ifo-Institut arbeitet, will mit empirischen Forschungsarbeiten und internationalen Vergleichen herausfinden, welches Bildungssystem wirklich zu besseren Schülerleistungen führt.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Zwei Haupterkenntnisse für ihn: Es sei wichtig, dass die Schulen in Deutschland mehr Autonomie und Freiheit bekommen, damit es mehr Wettbewerb gibt; gleichzeitig müssen aber die Schülerleistungen durch landes- oder bundesweit gleiche Abschlussprüfungen kontrolliert werden. „Ein höherer Anteil von Schulen in freier Trägerschaft, also mehr Wettbewerb, führt zu besseren Bildungsergebnissen, das zeigen internationale Vergleichstests“, betont Wößmann. Seit dem Pisa-Schock zur Jahrtausendwende haben sich einige Ergebnisse verbessert, auch wenn es zuletzt einen kleinen Rückschlag gab.

          „Wir sind weit entfernt von der Weltspitze“

          Er wolle die Lage nicht schwarzmalen, sagt Wößmann. Doch wirklich zufrieden könne man nicht sein mit dem deutschen Schul- und Bildungssystem. „Wir sind weit entfernt von der Weltspitze – da liegen die Ostasiaten bei TIMMS immer ganz vorne – und wir sind auch nicht an der europäischen Spitze“, betont der 44-Jahre alte Münchner Professor, der seit 2004 das Ifo-Zentrum für Bildungsökonomik leitet und mehrfach als Gastforscher in Amerika arbeitet.

          Wößmann zählt international zur Spitze der bildungsökonomischen Forschung und mischt sich auch immer wieder kritisch in die deutschen politischen Debatten ein, etwa als es um das Thema Studiengebühren, um ein Zentralabitur, berufliche Bildung oder die Qualifikation der Flüchtlinge und Migranten ging.

          Nun bekommt er dafür eine Auszeichnung, den renommierten Gustav-Stolper-Preis der deutschen Wirtschaftswissenschaftler. Das gab der Verein für Socialpolitik (VfS), der Zusammenschluss deutschsprachiger Ökonomen, am Montag auf seiner Jahrestagung in Wien bekannt. Mit dem Stolper-Preis, benannt nach dem Wissenschaftler und Journalisten Gustav Stolper, werden Ökonomen geehrt, die sich um die öffentliche Diskussion über wirtschaftliche Probleme und Zusammenhänge verdient gemacht haben. „Im Vordergrund steht dabei immer die wissenschaftliche Evidenz seiner Forschungsergebnisse“, lobt Achim Wambach, der Vorsitzende des Volkswirtevereins.

          Bildung ist essentiell für den Wohlstand

          Mit mehreren Forschungsprojekten hat sich Wößmann hervorgetan. „Ich will erforschen, wie wichtig Bildung für den wirtschaftlichen Erfolg des Einzelnen und ganzer Gesellschaften ist“, sagt er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Wien. In großangelegten internationalen Vergleichsstudien hat er gezeigt, dass ein sehr enger Zusammenhang zwischen mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen und dem Wohlstand in einem Land besteht.

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