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Bildung „Tiefgreifende Änderung der Studienfinanzierung“

22.03.2005 ·  Ein Studium ist nicht für jedermann leicht finanzierbar. Nun stehen zudem Studiengebühren bevor. Die KfW-Bank will deshalb Studienkredite zu Vorzugsbedingungen vergeben. KfW-Chef Reich zum Angebot.

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Bildung ist ein zentraler Standortfaktor für Deutschland. Doch ein Studium ist nicht für jedermann leicht finanzierbar. Nun stehen zudem Studiengebühren bevor. Die staatseigene KfW-Bank will deshalb Studienkredite zu Vorzugsbedingungen vergeben. Das kommt nicht überall gut an. Zuviel staatlicher Einfluß, zuwenig Platz für private Initiative lautet der Vorwurf. Außerdem gebe es für die wirklich Bedürftigen Bafög-Ausbildungsförderung. Die deutsche Wirtschaft hat nun ihre Bereitschaft signalisiert, Studenten in Form von Patenschaften oder über Fonds zu finanzieren (F.A.Z. vom 21. März).

Herr Reich, die deutsche Wirtschaft ist bereit, Studenten zu finanzieren. Damit wird der von der KfW geplante Studienkredit überflüssig, oder?

Ganz im Gegenteil: Was wir in Deutschland zur Zeit erleben, ist eine tiefgreifende Strukturveränderung im Bereich der Studienfinanzierung. Dazu gehören unterschiedlichste Neuerungen, die sich alle gegenseitig stützen und ergänzen, aber ganz sicher nicht überflüssig machen: Studienfonds, Stipendien, Unterstützung für Studierende durch die Industrie sind da wichtige Bausteine, Kredite sind andere.

Aber Ihr Programm ist staatlich finanziert. Jetzt entsteht ein privates Angebot. Das sollte Vorrang haben und Raum bekommen, sich zu entwickeln.

Der KfW-Studienkredit funktioniert und startet völlig ohne Bürgschaften oder Zuschüsse des Bundes. Auch der Zins wird sich am Kapitalmarkt entwickeln und ist nicht subventioniert. Damit wird kein privates Angebot beeinträchtigt. Im Gegenteil, der KfW-Studienkredit unterstützt die Entwicklung vielfältiger weiterer Angebote, die ja alle seit unserer Initiative angekündigt werden: ob aus der Wirtschaft, dem Stiftungswesen oder von anderen Banken. Nicht umsonst haben die großen Wirtschaftsverbände unser Engagement so begrüßt.

Die Sparkasse Leipzig hat vergangene Woche einen Bildungsfonds vorgestellt, der von Privatanlegern 10 Millionen Euro einsammeln will. Wie unterscheidet sich Ihr Ansatz von dem der Sparkasse?

Auch regionale Angebote wird es sicher in Zukunft zunehmend geben. Sie können komplementär die spezifischen Interessen einzelner Regionen oder Universitäten zielgenau treffen. Das begrüßen und unterstützen wir. Sicherlich wird es auch Schnittstellen geben, wo unser Angebot mit Interessen oder Angeboten anderer kombiniert werden kann. Die Entwicklung steht erst am Anfang. Wir sind für alle Formen der Zusammenarbeit offen. Es muß uns allen schließlich um die Studenten, die Wissenselite der Zukunft, gehen.

Die Banken waren nicht alle begeistert, als die KfW ihren Studienkredit ankündigte. Ist das Angebot der Sparkasse Leipzig auch eine Art Mißtrauensvotum gegen die Aktivität der KfW?

Wir sind mit den Banken und Sparkassen in guten Gesprächen über den Vertrieb unseres Studienkredits. Ihnen stehen alle Optionen offen, und ich bin sicher, daß wir auf sinnvolle Art und Weise zusammenkommen. Und natürlich steht es jedem Kreditinstitut frei, eigene Produkte auf den Markt zu bringen. Was unser Angebot von allen anderen bislang bekannten unterscheiden wird, ist, daß wir Studienkredite für jeden Studenten und überall in Deutschland anbieten werden. Andere Angebote haben immer eine spezifische Ausrichtung auf fokussierte Gruppen. Wir wollen dagegen größtmögliche Chancengleichheit aller Studierenden.

Wie weit sind Ihre Pläne zum Studienkredit vorangeschritten? Wann ist mit dem Angebot zu rechnen?

Ich habe unseren Studienkredit im Januar für das Wintersemester 2005 angekündigt und bleibe dabei. Daher arbeiten wir mit Hochdruck an den Feinheiten und versuchen, die offenen Punkte - wie beispielsweise den Vertrieb - schnell zu lösen. Sobald alles fertig ist, werden wir damit an die Öffentlichkeit gehen.

Die Fragen stellte Holger Appel.

Quelle: F.A.Z., 22.03.2005, Nr. 68 / Seite 11
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