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Bildung Schulen für die Eliten

15.06.2008 ·  Angela Merkel möchte unser Land zur Bildungsrepublik machen. Aber wie wichtig ist es, ein hohes durchschnittliches Bildungsniveau zu erreichen? Wir dürfen nicht vergessen: Unsere Spitze muss Spitze bleiben; Durchschnitt kann jeder.

Von Winand von Petersdorff
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Niemand wundert sich mehr, dass Angela Merkel Deutschland zur Bildungsrepublik machen will. Nur mit guter Bildung bleibe das Land Gewinner der Globalisierung, sagt die Kanzlerin. Wer möchte schon gegen diesen klaren Satz aufbegehren? Für die gute Sache nimmt man sogar in Kauf, dass es im Oktober einen nationalen Gipfel in dieser hochwichtigen Angelegenheit geben wird.

Anlass zu schweren Sorgen liefern ja längst Pisa, Timss und andere internationale Schulvergleiche, die aus deutscher Sicht mit dem immer gleichen Ergebnis enden: Unsere Schüler brauchen sich auf die Abschlusszeugnisse, die sie gerade in diesen Tagen ausgehändigt bekommen, nichts einzubilden. Die Sprösslinge anderer Nationen wissen mehr und können mehr nach ihren Schulbesuchen.

Wirtschaft und Politik schlagen Alarm

Die öffentliche Verarbeitung von publizierten Bildungsvergleichen ist weitgehend ritualisiert. Wirtschaft und Politik schlagen Alarm und sehen den Standort Deutschland in die Grütze gehen. Das mag allerdings vorschnell sein.

Pisa gibt ebenso wie der Mathematiktest Timss Auskunft über das durchschnittliche Schulniveau eines Landes. Die Autoren der Studien verbreiten stets, dass der Wohlstand wachse, wenn mit gezielten Investitionen das durchschnittliche Bildungsniveau wachse. Aber stimmt das wirklich?

Der Durchschnitt sage nichts über die Verteilung, lautet eine Binsenweisheit der Statistik. Er sagt in den konkreten Fällen nicht, wie viele besonders gute Schüler ein Land hervorgebracht hat.

Was ist für die Wirtschaftskraft eines Landes wichtiger, lautet die zwingende Folgefrage: ein hohes durchschnittliches Bildungsniveau zu erreichen oder die international leistungsstärksten Schüler hervorzubringen? Eine akademische Frage ist das keineswegs. Es geht vielmehr um die Effizienz von Bildungsinvestitionen, um die Rendite des Humankapitals.

Wir leben mit Budgetrestriktionen

Es spricht eine ganze Menge dafür, dass vor allem die Bildungseliten ein Land voran- und nach oben bringen. Die wirtschaftliche Dynamik und die beständig herausragenden Forschungsergebnisse der Vereinigten Staaten, eines echten Pisa-Loosers, sind ein eindrucksvoller Beleg für diese Vermutung, die jüngst zwei amerikanische Wissenschaftler in der Zeitschrift „Nature“ formuliert haben. In Vergleichstests von Spitzenschülern schneiden die Amerikaner oft am besten ab und die Deutschen ebenfalls ziemlich gut.

Wären die Zustände paradiesisch, würde man den einfachen Rat erteilen, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen: das allgemeine Bildungsniveau erhöhen und die Elitenförderung von Schülern ausbauen. So ist unsere Welt aber nicht. Wir leben mit leeren öffentlichen Kassen, mit Budgetrestriktionen. Der Euro kann nur einmal ausgegeben werden.

Unsere Spitze muss Spitze bleiben

In einigen Bundesländern wächst inzwischen die Sorge, dass die durch die desaströsen Pisa-Ergebnisse veränderte Schulpolitik dazu führt, die leistungsstarken Schulen zugunsten von Einheitsschulen auszutrocknen.

Gute Einheitsschulen mögen ihre Verdienste darin haben, den Kindern aus bildungsfernen Familien den Aufstieg zu erleichtern. Das ist ein großes Problem in Deutschland. Doch werden wir damit auch reicher?

Die andere Herausforderung lautet, dass unsere Spitze Spitze bleiben muss, wenn wir an unserem Wohlstand hängen und neue Wohlstandsquellen erschließen wollen. Durchschnitt, das lehrt die Erfahrung, kann schließlich jeder.

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Jahrgang 1963, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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