20.03.2005 · Milliarden für die Bildung: Deutsche Unternehmen wollen die Einführung von Studiengebühren stützen. Neben Studienfonds sind noch weitere Förderungsmodelle notwendig - Ein Blick ins Ausland könnte helfen.
Die deutsche Wirtschaft würde die Einführung von Studiengebühren und mehr Wettbewerb an den deutschen Hochschulen mit einem Milliardenbetrag unterstützen. „Die Industrie ist bereit, Geld in die Hand zu nehmen, zum Beispiel in Form von Patenschaften für Studenten oder um Fonds aufzubauen, die diejenigen Studenten unterstützen, bei denen finanzielle Hilfe notwendig ist“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, dieser Zeitung in Berlin.
Einen konkreten Betrag wollte Thumann nicht nennen. Er wies aber darauf hin, daß die Wirtschaft mit 45 bis 46 Milliarden Euro im Jahr etwa die Hälfte der deutschen Ausgaben für Bildung und Forschung finanziere. „Wenn man davon ein paar Prozent nimmt, dann kommt man auf große Beträge.“ Bildung und Fortbildung seien die unabdingbare Voraussetzung für Innovationen und weitere Wertschöpfung am Wirtschaftsstandort Deutschland. Deshalb habe die Wirtschaft auch ein großes Interesse an diesem Thema.
Neue Finanzierungsmodelle wichtig
Die Sparkasse Leipzig hatte vorige Woche als erstes Kreditinstitut in Deutschland einen Bildungsfonds vorgestellt, der ausgewählten Hochschülern für ihre Studienfinanzierung zur Verfügung stehen soll. Für diesen Fonds will die Sparkasse von Privatanlegern 10 Millionen Euro einsammeln. Das Bundesverfassungsgericht hatte unlängst Studiengebühren, die einige Länder einführen wollen, für zulässig erklärt. Die rot-grüne Bundesregierung lehnt Studiengebühren ab. Einige CDU-geführte Länder wollen sie einführen; sie haben sich darauf verständigt, die Gebühren auf höchstens 500 Euro im Semester zu begrenzen.
„Ich gehe davon aus, daß es zu Studiengebühren und Wettbewerb unter den Universitäten kommen wird“, sagte Thumann. Deshalb sei es auch wichtig, Modelle zu entwickeln, wie bedürftige Studenten finanziell unterstützt werden könnten. Im Ausland seien solche Förderungen üblich und viel mehr verbreitet als hierzulande. Thumann wies darauf hin, daß beispielsweise 70 Prozent der Absolventen der amerikanischen Eliteuniversität Harvard von Stipendien profitiert hätten. Ein solches System müsse auch in Deutschland aufgebaut werden.
Stipendienkultur gründen
Beispielhaft nannte Thumann Patenschaften, die einzelne Unternehmen übernehmen könnten, um Studiengebühren zumindest teilweise zu finanzieren. Auch seien Modelle denkbar, nach denen ein Unternehmen einen jungen Menschen unter Vertrag nehme, ihm das Studium ganz oder teilweise bezahle, der Absolvent dann aber für eine festgelegte Mindestanzahl von Jahren dem Unternehmen zur Verfügung stehen müsse.
Förderkreise oder Fonds, die von vielen unterschiedlichen Unternehmen oder Organisationen gespeist würden, seien eine weitere Option. „Wir müssen eine Stipendienkultur in Deutschland gründen“, sagte Thumann.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
| Name | Kurs | Prozent |
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| Nasdaq 100 | 2.579,62 | −0,49% |
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