15.06.2005 · Um eine Schadenersatzklage von 50.000 Anlegern abzuwenden, zahlt das Geldinstitut JP Morgan 2,2 Milliarden Dollar - Spätfolge der Bilanzverschleierung beim amerikanischen Energiehändler Enron.
Die Investmentbank JP Morgan Chase wird an die Investoren des zusammengebrochenen Energiehändlers Enron 2,2 Milliarden Dollar zahlen. JP Morgan und andere Geldinstitute waren verstärkt unter Druck geraten, nach dem der weltgrößte Finanzkonzern Citigroup am Freitag bekannt gegeben hatte, zwei Milliarden Dollar an die Enron-Investoren zu zahlen. Die Anleger hatten der Bank in einer Sammelklage Beihilfe zum Bilanzbetrug vorgeworfen.
Ein Fehlverhalten hatte die Citigroup nicht eingeräumt. In den Fall um den spektakulären Zusammenbruch des Enron-Konzerns im Dezember 2001 war unter anderem auch die Deutsche Bank verwickelt. Es handelt sich um die vierte außergerichtliche Einigung im Fall Enron - mit dem bisher höchsten Schadenersatz. Vor der Citigroup und JP Morgan erzielten die Bank of America und Lehman Brothers außergerichtliche Vereinbarungen und zahlten zusammen 491,5 Millionen Dollar.
Nach langem Zögern
J.P. Morgan hatte nach langem Zögern in diesem Jahr bereits die Sammelklage geprellter Worldcom-Investoren mit einer außergerichtlichen Zahlung beigelegt. Damals flossen 2 Milliarden Dollar. Wie seinerzeit betonte J.P. Morgan auch jetzt im Fall Enron, geschehe dies ohne Anerkenntnis einer Schuld. J.P. Morgan handelte den Vergleich mit dem Verwaltungsrat der Universität von Kalifornien als Hauptkläger aus. Billigen muß ihn neben den beiden Parteien noch das zuständige Distrikgericht für Südtexas.
Der CEO von J.P. Morgan, William Harrison, sagte, das Institut habe hart daran gearbeitet, die Klagerisiken hinter sich zu bringen. Noch im Fall Worldcom hatten Analysten moniert, das Institut habe wegen langer Verhandlungen 630 Millionen Dollar mehr gezahlt, als wenn der Fall zügig abgeschlossen worden wäre. Die von J.P. Morgan gebildete Schadensreserve reicht nach Darstellung des Instituts auch nach dem Vergleich für die noch ausstehenden Fälle. Künftig könne allerdings eine Anpassung erforderlich werden.
Druck auf die anderen Banken wächst
Die Bank sieht sich auch nach dem Vergleich ausreichend kapitalisiert. Die jüngsten Vergleiche im Fall Enron dürften den Druck auf die noch fehlenden Einigungen in den Verfahren gegen Merrill Lynch & Co, Goldman Sachs Group, CSFB, Barclays, Royal Bank of Canada oder Royal Bank of Scotland Group erhöhen. Der führende Rechtsvertreter der Universität von Kalifornien, William Lerach, rechnet nach Darstellung des „Wall Street Journal“ damit, daß Investoren beim Zusammenbruch des Energiehandelskonzerns Enron im Jahr 2001 etwa 40 Milliarden Dollar mit Aktien und 2,5 Milliarden Dollar bei Anleihen verloren haben.
Enron brach nach einem der größten amerikanischen Bilanzskandale zusammen. Die Kläger hatten J.P. Morgan vorgeworfen, Enron bei der Fälschung von Bilanzen und der Verschleierung der Verschuldung behilflich gewesen zu sein, während auf der anderen Seite die Analysten wissentlich falsche Aktienbeurteilungen abgegeben hätten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,44 | +1,28% |
| Dow Jones | 12.592,50 | +1,11% |
| EUR/USD | 1,2504 | −0,30% |
| Rohöl Brent Crude | 107,36 $ | +0,09% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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