16.02.2012 · Mehr als vier Monate nach dem Aufdecken des Finanzskandals bei Olympus sind mehrere frühere Spitzenmanager des japanischen Elektronikkonzerns verhaftet worden. Darunter auch Firmenpatriarch Tsuyoshi Kikukawa.
Von Carsten Germis, TokioIm Bilanzfälschungsskandal beim japanischen Medizintechnik- und Kamerahersteller Olympus sind frühere Spitzenmanager des Unternehmens verhaftet worden. Wie die Staatsanwaltschaft in Tokio am Donnerstag in Tokio mitteilte, ist der frühere Konzernchef Tsuyoshi Kikukawa als Drahtzieher des Betrugs festgenommen worden. Der Finanzskandal war vor knapp vier Monaten aufgedeckt worden. Neben Kikukawa, der zuletzt Verwaltungsratschef war, wurden auch Vizepräsident Hisashi Mori und Buchprüfer Hideo Yamada verhaftet. Die anderen vier in Haft Genommenen sind frühere Mitarbeiter von Wertpapierunternehmen, die das Management von Olympus bei dem Bilanzbetrug beraten haben sollen. Für den Verdacht, dass auch die Yakuza, wie die japanische Mafia genannt, wird, in die Bilanzbetrügereien verwickelt ist, gibt es dem Vernehmen nach keine Bestätigung.
Olympus hatte Anfang November eingeräumt, seit den 90er Jahren in seinen Bilanzen Verluste aus Finanzgeschäften in Höhe von umgerechnet mindestens rund 1,5 Milliarden Euro vertuscht zu haben. Das sei mit Hilfe undurchsichtiger Beraterhonorare und von Abschreibungen auf Firmenkäufe geschehen, brachten die Ermittlungen zutage. Ins Rollen gebracht hatte den Skandal der frühere Vorstandschef Michael Woodford im Oktober, als er seine japanischen Kollegen im Olympus-Vorstand nach Berichten in japanischen Medien aufforderte, die undurchsichtigen Zahlungen aufzuklären. Woodford war daraufhin auf Druck Kikukawas entlassen worden. Kikukawa begründete das damals damit, dass der Brite Woodford sich nicht an japanische Unternehmenskultur habe anpassen können.
Der Firmenpatriarch Kikukawa ist nach Berichten der Nachrichtenagentur Jiji, die sich auf die Ermittlungsergebnisse der Strafverfolgungsbehörden beruft, seit 1999 für den Bilanzbetrug bei Olympus verantwortlich. Das System der Vertuschungen habe er damals zunächst als für Finanzen zuständiger Topmanager von seinem Vorgänger übernommen. Der japanische Kamerahersteller hat 19 ehemalige und amtierende Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats wegen des Bilanzbetrugs auf Schadenersatz verklagt. Am 20. April soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine neue Führung des Konzerns bestimmt werden.
Bilanzfälschungsskandal Früherer Olympus-Chef verhaftet
renee gualano (rgfaz)
- 16.02.2012, 16:50 Uhr
Passt zum Japan-Bild, wurden uns "Tugenden" dieses ...
Frank Sperling (Auch-Ein-Buerger)
- 16.02.2012, 12:14 Uhr
Carsten Germis Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.
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