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Bilanzen Schlamperei am Neuen Markt

 ·  Konzerne sind verpflichtet, der Deutschen Börse ihre Jahresabschlüsse vorzulegen. Einige lassen die Fristen ungerührt verstreichen.

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Man wird das Gefühl nicht los, dass manches Unternehmen am Neuen Markt die Börse tatsächlich als Spielwiese betrachtet. Von schlechten Geschäftskonzepten, Betrugsvorwürfen und Größenwahn ganz abgesehen, halten einige Konzerne nicht einmal mehr die formalen Benimmregeln ein.

So wie es sich gehört, dass sich Menschen auf welche Art auch immer begrüßen, gehört es sich, dass börsennotierte Unternehmen Geschäftsberichte und den Lagebericht publizieren, um die Aktionäre zu informieren. Ein solches Exemplar mit Zahlen und Analysen muss an die Deutsche Börse gehen. Die hat in ihren Richtlinien schon eine großzügige Frist von drei Monaten eingeräumt. Doch weder Kabel New Media, noch mb Software sahen sich imstande, das am 31. März beendete Geschäftsjahr 2000/2001 in schriftlicher Form an die Deutsche Börse zu übermitteln.

Schlamperei, mangelnder Respekt

Was sind die Gründe für das Verhalten? Schlamperei einerseits, mangelnder Respekt vor der Institution Börse andererseits. Aber vielleicht war es zumindest im Fall Kabel New Media auch so, dass man dort schon ahnte, was folgen würde, es aber nicht auszusprechen wagte. Immerhin hielt Konzernchef Peter Kabel noch im März und April an dem Ziel fest, bis zum Jahresende ein Breakeven- Ergebnis zu erreichen - heraus kam die Zahlungsunfähigkeit.

Teldafax von der Börse ausgeschlossen

Die Deutsche Börse hat nun ein Sanktionsverfahren gegen beide Unternehmen eingeleitet. Sobald die Berichte eintrudeln, wird über die Strafe entschieden. Die Telekommunikationsgesellschaft Teldafax wurde am Donnerstag aufgrund des selben Vergehens vom Neuen Markt ausgeschlossen. Der zahlungsunfähige Konzern folgt damit dem Internetzugangsanbieter Gigabell, der im Februar 2001 wegen einer ähnlichen Regelverletzung vom Neuen Markt entfernt worden war. Teldafax hat sich dabei selbst aufgegeben. Insolvenzverwalter Bernd Reuss sagte, die Gesellschaft werde sich gegen den Beschluss der Börse nicht wehren. Andere kommen glimpflicher davon: Der Rechtehändler EM.TV muss wegen der Fristüberschreitung 60.000 Euro Strafe zahlen.

Verhalten ist ein Stimmungsbarometer

Man kann sich die Stimmung vorstellen, die in den Finanzabteilungen der angeschlagenen Konzerne herrschen muss, wenn selbst lange Zeit bekannte Termine nicht eingehalten werden: Sie ist auf dem Nullpunkt - selbigem nähern sich auch die Aktienkurse.

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