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Bilanz zum Reisesommer : Die Deutschen mögen Spanien nicht mehr so sehr

Szenen wie diese auf Mallorca werden in Spanien seltener: Den Deutschen wird Spanien zu teuer. Bild: dpa

Urlaubsreisen haben die Deutschen in diesem Sommer so viele gebucht wie nie zuvor. Doch das beliebteste Auslandsziel Spanien profitiert davon nicht. Deutsche Reisemanager haben dafür eine bemerkenswerte Begründung.

          Als die Hochsaison nahte, war es vielen Urlaubern zu teuer geworden: Nach Spanien, in das beliebteste Auslandsreiseziel der Deutschen, reisten in diesem Jahr wohl weniger Erholungsuchende aus der Bundesrepublik – und das obwohl die Reisewirtschaft insgesamt ein weiteres Rekordjahr zu melden hat. „Die Buchungszahlen für Spanien liegen unter dem Vorjahresniveau. Das hat auch mit der Preispolitik der Hoteliers dort zu tun“, sagte Norbert Fiebig der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV) zum Auftakt der Verbandstagung im italienischen Reggio di Calabria.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unterkunftsbetreiber auf Mallorca, Teneriffa und anderswo in Spanien hatten die Preise erhöht. Ermutigt wurden sie von den Gästerekorden der Vergangenheit, als Urlauber seltener Ferien in Ägypten und in der Türkei buchten. Doch 2018 haben es die Herbergen nach Ansicht der Branche übertrieben. Der Düsseldorfer Reiseveranstalter Alltours hatte schon zu Wochenbeginn mitgeteilt, fast 7 Prozent weniger Spanien-Reisen verkauft zu haben als im Vorjahr.

          Ägypten und Tunesien preiswerter

          Die „deutlichen Preiserhöhungen der Hoteliers“ hatte Alltours-Chef Willi Verhuven als Grund genannt. „Diese konnten im zurückliegenden Sommer nicht mehr mit den günstigen Hotelangeboten in Ägypten und Tunesien konkurrieren." Auch der Reisekonzern Thomas Cook hatte die Senkung seiner Jahresprognose unter anderem damit begründet, dass es gemessen an der aktuellen Nachfrage in Spanien Überkapazitäten gegeben habe.

          Insgesamt ist die deutsche Reisebranche mit dem Geschäft zufrieden. „Das Jahr ist hervorragend gelaufen", sagte DRV-Präsident Fiebig. Obwohl die Saison statistisch erst Ende Oktober abläuft, ist sicher, dass in Reisebüros und über Reisekonzerne deutlich mehr verkauft wurde als 2017. Nach Angaben der Marktforscher der GfK wurde allein in Reisebüros schon bis Ende September 4 Prozent mehr Reisen vermittelt als in der Gesamtsaison des Vorjahres. Da der Anteil der Online-Buchungen seit Jahren wächst, dürfte das Wachstum insgesamt größer sein. Der DRV rechnet damit, dass 2 Milliarden Euro mehr für Urlaube ausgegeben wurden. 2017 hatten Reiseveranstalter Touren im Wert von fast 34 Milliarden Euro verkauft.

          Niveau aus der Zeit vor den Krisenjahren

          „Das Wachstum war getrieben durch eine höhere Nachfrage, nicht durch höhere Preise“, sagt Fiebig. Denn vor denen nahm mancher Urlauber Reißaus und suchte Alternativen zu Spanien. Die Türkei und Ägypten haben laut DRV 2018 bei den Gästezahlen aus Deutschland in etwa das Niveau aus der Zeit von vor den Krisenjahren erreicht. Für die Türkei sieht der Verband ein Buchungsplus von rund 60 Prozent. Auch für das benachbarte Griechenland sind die Buchungen um 20 Prozent gestiegen.

          Für Reisen im Winter setzt sich der Trend fort. Die zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln seien zwar unverändert das beliebteste Auslandsziel deutscher Urlauber im Winter. Bislang machte die Branche dort ein Viertel ihres Winterumsatzes. „Allerdings können die Kanarischen Inseln zurzeit noch nicht an die Besucher- und Umsatzzahlen des vergangenen Winters anknüpfen“, sagte Fiebig.

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