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F.A.Z. exklusiv : Gleich drei Fertighaushersteller vor Verkauf

Der Ruf ist viel besser als früher – auch der des Fertighausbauers Bien-Zenker im hessischen Schlüchtern. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Fertighausbranche profitiert vom Boom auf dem Immobilienmarkt. Das lockt Investoren, die über gleich drei namhafte Anbieter verhandeln. Die Gespräche sind weit fortgeschritten.

          Umbruch in der momentan florierenden Fertighausbranche: Gleich drei namhafte Anbieter stehen nach Informationen der F.A.Z. vor dem Verkauf: als wohl bekanntester die früher börsennotierte Bien-Zenker, die zu den deutschen Marktführern gehört. Die Beteiligungsgesellschaft Adcuram verhandele in fortgeschrittenem Stadium über einen Verkauf ihrer Fertighaus-Gruppe mit den beiden Herstellern Bien-Zenker und Hanse Haus, ist aus Finanz- und Branchenkreisen zu hören.

          Klaus Max  Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ähnlich fortgeschritten seien Gespräche über den Konkurrenten Danwood. Der gehört dem polnischen Private-Equity-Haus Enterprise Investors und ist selbst polnisch – erzielt aber über 90 Prozent des Umsatzes in Deutschland.

          Die entsprechenden Bieterverfahren befänden sich in der zweiten Runde, sagten verschiedene Marktteilnehmer. Beide Eigentümer versuchten, noch in diesem Jahr die Verkaufsverträge zu unterzeichnen. Adcuram wolle seine beiden Anbieter im Paket veräußern und lasse sich vom Fusions- und Übernahmespezialisten Alantra beraten, Enterprise Investors habe Rothschild mandatiert. Eigner und Berater lehnten allesamt eine Stellungnahme ab.

          Schuld ist die Hausse auf dem Immobilienmarkt

          Die Branche profitiert von der Hausse auf dem Immobilienmarkt.  Fertigbauhäuser sind üblicherweise Ein- oder Zweifamilienhäuser und gewinnen in diesem Segment stetig an Bedeutung: So ging zwar in den ersten acht Monaten 2017 die Zahl der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser insgesamt um mehr als 5 Prozent zurück – die der Fertighäuser aber stieg um 8 Prozent an. Damit ist jetzt etwa jedes fünfte neu genehmigte Ein- und Zweifamilienhaus in Deutschland ein Fertighaus, der Anteil ist von 17,8 Prozent Ende des vergangenen Jahres auf zuletzt 19,6 Prozent gestiegen – ein Rekordwert, wie der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts Destatis konstatiert.

          Destatis veröffentlichte am Freitag neueste Daten, die den September berücksichtigen, und sie bestätigen den Trend. Besonders beliebt sind Fertighäuser im Süden und Südwesten Deutschlands, als Spitzenreiter nennt der BDF Baden-Württemberg mit 30,6 Prozent Marktanteil – am unteren Ende der Skala steht Niedersachsen mit 7,6 Prozent Anteil.

          Eine Zeitlang für Ikea Fertighäuser gebaut

          Adcuram hatte Bien-Zenker 2013 erworben und nahm das Unternehmen dann von der Börse. Das Unternehmen aus dem hessischen Schlüchtern hatte – vor dem Erwerb durch Adcuram – eine Zeitlang für Ikea Fertighäuser (Name: Boklok) gebaut, allerdings mit wenig Erfolg. Im Jahr 2014 erwarb Adcuram Hanse Haus, damals ein Tochterunternehmen der Bayerischen Hausbau. Hanse Haus agiert weitgehend unabhängig als Schwestergesellschaft neben Bien-Zenker. Nach dem Verkauf der Unternehmen solle auch der künftige Eigentümer die Gesellschaften unabhängig voneinander führen, ist aus dem Markt zu hören. Als Transaktionsvolumen nannte ein Branchenkenner einen Wert „in der Größenordnung von einer Viertelmilliarde Euro“. Bien-Zenker und Hanse Haus zusammen erzielten voriges Jahr etwa 260 Millionen Euro Umsatz, so jedenfalls eine Prognose aus dem August jenes Jahres.

          Danwood ist eine Besonderheit, weil die Gesellschaft die große Mehrheit seines Geschäfts hierzulande erzielt, einen dänisch anmutenden Namen führt und als Logo die dänische Flagge in Form eines Hauses führt – aber in Polen sitzt und produziert. Die Eigner hätten im Verkaufsprozess mit den niedrigen Kostenstrukturen geworben, ist zu hören. Danwood-Kunden schauen sich das Haus ihrer Wahl nicht in einem Häuserpark an, sondern erstellen es per Computer; erst später kommt ein Vertriebler vorbei, um Details zu regeln.
           
          Nach Einschätzung von Kennern wird früher oder später noch ein weiterer führender deutscher Anbieter auf den Markt kommen: die DFH (Deutsche Fertigbau Holding) mit den Marken Massa, Allkauf, Okal und Ein SteinHaus. Sie gehörte früher zum Handelskonzern Metro und wird von einem früheren Metro-Finanzvorstand geleitet.

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