11.01.2004 · Eine Betriebsrente à la Commerzbank ist ein Auslaufmodell. Viele Firmen können sich das nicht mehr leisten. Arbeitnehmer müssen selbst vorsorgen.
Von Thomas SchmittVerwirrend: Die Commerzbank will sie nicht mehr, Gerling kürzt sie, und Opel führt die Betriebsrente wieder ein. Große Konzerne versicherten in den vergangenen Tagen, daß sie gar nicht daran dächten, dem Beispiel der Commerzbank zu folgen. Die Geschäftsbank löste eine Welle der Empörung aus, weil sie die von ihr allein finanzierte Betriebsrente zum Jahresende 2004 gekündigt hat. Der Grund: Solche Systeme sind teuer und gelten als Zeitbomben, weil sie oft an die letzten Gehälter der Mitarbeiter vor der Rente gekoppelt sind. Da diese heute niemand kennt, bürden sich die Firmen unkalkulierbare Lasten auf, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besonders arg drücken.
Wohlgemerkt: Kündigungen und Kürzungen berühren nicht die Betriebsrenten, die schon regelmäßig an ehemalige Mitarbeiter gezahlt werden. Es betrifft auch nicht jene Ansprüche, die Angestellte bisher gesammelt haben - die gelten bei der Commerzbank wie auch anderswo als weitgehend sicher. Betriebsrenten zu kürzen oder abzuschaffen, das geht nur für die Zukunft.
Vorsorgelücke für Ältere kleiner
Eine neue Vorsorgelücke tut sich also auf für alle, die fest mit einer bestimmten Rente aus dem Betrieb kalkulieren. Für ältere Arbeitnehmer ist das Loch kleiner, weil sie schon viele Ansprüche gesammelt haben. Für junge Leute ist es größer, da sie wenig oder nichts auf dem Rentenkonto haben. Grund zur Panik besteht aber nicht. Es verschieben sich zwar die Lasten: Ein Teil der Zusatzrente vom Arbeitgeber fällt weg. Arbeitnehmer müssen selbst sparen, damit der Ruhestand sorglos verläuft. Oder sie nehmen in Kauf, daß im Alter ein paar hundert Euro weniger da sind. Doch die Basis steht ja: die gesetzliche Rente, Versicherungen und sonstige Rücklagen. Für optimal hält Jürgen Kropp vom Dr. Lutz Beratungsinstitut für Altersversorgung GmbH dabei folgende Aufteilung: Zwei Drittel der Alterseinkünfte entfallen auf die gesetzliche, drei bis sechs Prozent macht die Zusatzversorgung über die Riester-Rente aus, zehn bis 15 Prozent kommen aus der betrieblichen Ecke und fünf bis zehn Prozent aus privaten Ersparnissen.
Gleichwohl wirft die Debatte wichtige Fragen für jeden Arbeitnehmer auf. Denn Altersvorsorgeexperten wie Kropp oder der Hamburger Rechtsanwalt Heinz-Wilhelm Vogel halten den Paukenschlag der Commerzbank keineswegs für einen Einzelfall, sondern eher für die "Spitze des Eisbergs", wie es der Münchner Vermögensberater Michael Huber ausdrückt. Kropp sagt sogar: "Ich verstehe die Aufregung gar nicht. Was die Commerzbank angekündigt hat, ist in vielen Unternehmen und Branchen doch schon passiert - mit dem Betriebsrat zusammen."
Banken und Versicherungen haben die Entwicklung verschlafen
Nur Banken und Versicherungen hätten die Entwicklung offenbar verschlafen. Hinzu kommt, daß Großunternehmen besonders großzügig Betriebsrenten gewährten. In kleinen und mittelgroßen Gesellschaften ist dies weniger üblich. Zu beobachten sei ein schleichender Prozeß, sagen die Experten. Entweder werden die Betriebsrenten deutlich reduziert oder ganz abgeschafft. Viele neue Mitarbeiter in Unternehmen sind davon zum Beispiel betroffen. Der Trend geht weg von der reinen Finanzierung durch den Arbeitgeber durch eine Direktzusage hin zu anderen Vorsorgeformen, die am Ende zu einer Teilung der Lasten oder einer reinen Finanzierung durch den Arbeitnehmer führen.
Für letzteres gibt es seit Anfang 2002 neue gesetzliche Grundlagen. Neben der privaten Eigenvorsorge (Riester-Rente) und der gesetzlichen Rente ist die betriebliche Altersvorsorge das dritte Standbein für den Ruhestand. Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf eine Form der "Entgeltumwandlung": Entweder eine Direktzusage, wie die Betriebsrente der Commerzbank, oder Unterstützungskasse, Direktversicherung, Pensionskasse sowie Pensionsfonds.
Vorsorgesysteme lohnen sich allemal
Selbst wenn der Arbeitgeber nichts mehr oder wenig dazugibt, lohnen sich diese Vorsorgesysteme allemal, betonen die Experten. Und was noch wichtiger ist: Es führt kein Weg an ihnen vorbei - vor allem für junge Leute. Denn die sind doppelt und dreifach gekniffen. Ihre gesetzliche Rente wird in jedem Fall längst nicht so komfortabel ausfallen wie bei Eltern und Großeltern. Dafür sorgt die Bevölkerungsentwicklung.
Junge Leute konnten bisher wenig Ansprüche sammeln, und der Arbeitgeber zahlt oft schon weniger oder gar nichts für sie. Schließlich fehlt in jungen Jahren oft das Geld und der Wille, auf Urlaub und manches Hobby zu verzichten. Ist erst einmal eine Familie gegründet, steigt zwar das Bewußtsein und der Wille zur Altersvorsorge, doch oft nicht die Fähigkeit. Vorsorgeexperte Kropp rät: Schon 20- bis 30jährige Arbeitnehmer sollten jeden Monat einen kleinen Betrag zurücklegen. Mindestens 50 Euro. Und die 40 Jahre alten? "Sie müssen die eigene Altersversorgung mehrheitlich selbst aufbauen."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.393,92 | +1,25% |
| Dow Jones | 12.587,30 | +1,06% |
| EUR/USD | 1,2504 | −0,30% |
| Rohöl Brent Crude | 107,36 $ | +0,09% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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