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Algorithmen über Bücher : Der Bestseller-Code

  • -Aktualisiert am

Bestsellerautorin J.K. Rowling: Langer Anlauf bis zur Akzeptanz Bild: dpa

Ein Computer erkennt, ob ein Buch ein Erfolg wird. Sex ist weniger wichtig, Liebe dagegen sehr. Und Hunde sind besser als Katzen.

          Edinburgh, 1996. Zwölf Verlage haben das Romandebüt der alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin bereits abgelehnt, doch sie gibt nicht auf. Irgendwann erbarmt sich doch noch einer. Startauflage: 500 Exemplare.

          Was die Geschichte bemerkenswert macht, ist weniger die Fähigkeit der Autorin, Absagen zu ignorieren. Es ist das Fehlurteil der Verlage. Die Frau heißt Joanne K. Rowling. Ihr Buch „Harry Potter und der Stein der Weisen“ wurde der Start einer der erfolgreichsten Fantasy-Reihen aller Zeiten. Das Vermögen der 51-Jährigen wird auf 600 bis 800 Millionen Pfund geschätzt.

          Rowlings viele Absagen werfen Fragen auf. Und nicht nur ihre. John Grisham („Die Firma“) wurde mindestens 16 Mal abgelehnt, William Golding („Herr der Fliegen“) sogar 21 Mal. Wie viele junge Rowlings, Grishams und Goldings sind da draußen unterwegs – und geben irgendwann auf? Wie viele Milliarden rauschen an den Verlagsunternehmen vorbei, weil sie kommerzielle Potentiale übersehen? Lässt sich das verhindern? Und aus Sicht der Autoren: Gibt es ein Rezept, um mehr Bücher zu verkaufen? Zumindest auf die dritte und vierte Frage könnte es nun eine Antwort geben.

          Eine Maschine spuckt den kommenden Bestseller aus

          Eine Britin und ein Amerikaner haben herausgefunden, was all die vielverkauften Bücher gemeinsam haben. „The Bestseller Code“ lautet der Titel des bisher nur auf Englisch erhältlichen Werks von Jodie Archer und Matthew L. Jockers. Unterzeile: „Was wäre, wenn eine Maschine den nächsten Blockbuster-Roman entdeckte?“ Ja, was?

          Zur Vorbereitung dieses Artikels gab es eine kleine Twitterumfrage, in der die Frage wiederholt wurde: „Glauben Sie, dass ein Computer erkennen kann, ob ein Buch ein kommerzieller Erfolg wird?“ 306 Nutzer nahmen teil. Weniger als die Hälfte meinte: „Warum nicht?“ 21 Prozent wählten die Antwort „Vielleicht in zehn Jahren“, und 33 Prozent waren sicher: „Nein, niemals.“

          Hat den Da Vinci-Code entschlüsselt und weiß, wie man Bestseller schreibt: Dan Brown
          Hat den Da Vinci-Code entschlüsselt und weiß, wie man Bestseller schreibt: Dan Brown : Bild: Reuters

          Als deutscher Leser, zumal während der Frankfurter Buchmesse, kann man die Skepsis verstehen. Maschinen können Supermarktkassierer und Banker ersetzen, denkt man. Aber wo, wenn nicht in der Buchproduktion, ist das kreative, nicht programmierbare Genie des Menschen gefragt?

          Die Frage klingt gut. Irgendwie nobel. Allerdings sind die beiden Code-Knacker selbst vom Fach. Jodie Archer war Lektorin für den Penguin-Verlag, ehe sie in Stanford über Bestseller promovierte. Matthew Jockers ist Englischprofessor an der Universität von Nebraska-Lincoln und Leiter des dortigen „Data Mining“-Labors. Knapp 5000 Romane aus 30 Jahren haben die beiden durch ihr Analyseprogramm gejagt und für jedes Werk die Wahrscheinlichkeit errechnet, in der „New York Times Bestseller List“ zu landen. Das bekannteste Buch-Ranking der Welt zeigt jede Woche die bestverkauften Romane (und Sachbücher) Amerikas. Die angegebene Trefferquote des Computers ist imposant: 80 Prozent. Das heißt, das Programm hat einen Text, der auf der Liste stand, in acht von zehn Fällen richtig als „Bestseller“ entschlüsselt – und umgekehrt einen Text, der dort nie auftauchte, als „Nicht-Bestseller“ erkannt.

          Wenn einer der Verlage, die J.K. Rowling rausgeworfen haben, damals schon diese Software gehabt hätte, dann wäre vermutlich anders entschieden – oder noch mal gründlicher gelesen worden.

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