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Bestseller : Assauers Verleger

Oliver Kuhn (links) und Christian Jund Bild: Riva Verlag

Rudi Assauers Schicksal bewegt die Nation. Sein Buch erklomm nach nur zweieinhalb Tagen im Verkauf die Bestseller-Listen. Das hat noch kaum ein Titel geschafft. Den Verlegern ist ein echter Coup gelungen. Vor einem Jahr ließ Rudi Assauer sie zu sich kommen.

          Das Schicksal von Rudi Assauer bewegt die Nation. Der ehemalige -Schalke-Manager hat Alzheimer - und seit zwei Wochen leiden alle mit ihm. Was zuvor nur den engsten Vertrauten bekannt war, weiß nun ganz Deutschland - dank einer großen PR-Kampagne für seine Biographie „Wie ausgewechselt. Verblassende Erinnerungen an mein Leben“. Der Coup ist den Verlegern Christian Jund und Oliver Kuhn von der Münchner Verlagsgruppe gelungen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Die Medien so zu koordinieren war harte Arbeit“, sagt Jund stolz. „Bild“ titelte mehrfach hintereinander mit dem erkrankten Fußball-Macho, der „Stern“ druckte Auszüge aus dem Buch, und das ZDF brachte eine „37 Grad“-Reportage, die sich 2,5 Millionen Zuschauer anschauten. Prompt erklomm das Buch die Bestseller-Listen, nach nur zweieinhalb Tagen im Verkauf. Das hat noch kaum ein Titel geschafft. Die ersten 85.000 Exemplare sind verkauft.

          Ein Riesenerfolg für den 43 Jahre alten Quereinsteiger Jund, gehört er doch längst nicht zu den Traditionsverlegern: Er hat kein Abitur („Das dauerte mir zu lange“), begann mit 16 Jahren eine Banklehre, brach das BWL-Fernstudium ab und verdiente sein Geld als selbständiger Börsenhändler. Sechs Tage die Woche hockte er allein in einem winzigen Büro vor drei Monitoren. Es war die Zeit, als die New Economy die Börsenkurse beflügelte. An seinem besten Tag verdiente Jund 75.000 Euro. Da war er 25 Jahre alt und wohnte noch bei den Eltern. Bald aber kamen ihm erste Zweifel: „Ich wollte etwas arbeiten, was richtig Spaß macht.“

          Die Verlagsidee hatte er 1994, als er Literatur über die Candlestick-Technik, eine Chart-Darstellungsform, suchte. Kein einziges Buch gab es dazu auf dem deutschen Markt. „Das wollte ich ändern.“ Drei Jahre später gründete er den Finanzbuch-Verlag. Sein erstes Buch, „Was Gewinner von Verlierern unterscheidet“ von Brendan Moynihan, verkaufte sich 15.000 Mal. Schnell entwickelte er ein Händchen für gute Storys und große Titel. Für Medienunternehmer Rupert Murdoch und Star-Investor George Soros brachte er die deutschen Übersetzungen auf den Markt. Er expandiert als Verleger, kauft 2007 dem Süddeutschen Verlag drei Verlage ab (Redline, MVG und MI) und startet mit Lifestyle-Titeln im Riva-Verlag.

          Rudi Assauer im Jahr 2005

          Torwart-Titan Oliver Kahn („Ich. Erfolg kommt von innen“) und Rapper Bushido retten ihn durch die Krise im Jahr 2009. In dem Jahr holt er den „Playboy“-Chefreporter Oliver Kuhn als Partner ins Haus, einen erfahrenen Autor von süffigen Titeln wie „Bumsen, Bügeln, Bergsteigen“. Dieser setzt konsequent auf junge Männer („Werden vom Sachbuch vernachlässigt“) als Zielgruppe. Mit Erfolg, wie der Hells Angels-Bestseller „Falscher Engel“ und die Bücher zu der Pro7-Serie „How I met your mother“ nahelegen. „BroCode“ und „Playbook“ haben sich bisher 600.000 Mal verkauft - und sind damit der Hit der Verlagsgruppe, die 12,5 Millionen Euro im Jahr einnimmt.

          Ob die Assauer-Biographie das übertreffen kann? Auf jeden Fall hat sich die Hartnäckigkeit von Jund und Kuhn ausgezahlt: „Die Geschichte vom Rudi wollen wir seit drei Jahren machen“, erzählt Jund. Anfangs hieß es immer wieder, da geht nichts. Doch sie gaben nicht auf. Vor einem Jahr dann ließ Assauer sie zu sich kommen. Da wusste noch niemand von der Krankheit. Sie mussten eine Schweigeverpflichtung unterschreiben, dann erzählte Assauer von seiner Demenz - und dass er sie zum Thema eines Buches machen wollte. „Da wussten wir, das schlägt ein.“

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