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Bestechungsverdacht am Rhein : Sparkasse ohne Glamour

Wenn's ums Geld geht: Franjo und Verona Pooth Bild:

Der Ausflug der Stadtsparkasse in die Welt des Glamour hat bittere Folgen: Die Kredite an den Unternehmer Franjo Pooth kostet das Institut Ruf und Vorstand. Im Raum stehen auch Bestechungsvorwürfe. Doch jetzt soll Schluss sein mit Schickimicki-Bonus in Düsseldorf.

          Eine tief im Beamtenmilieu verwurzelte Sparkasse steht eigentlich nicht im Verdacht, das Geldhaus der Wahl zu sein für die Schönen und die Reichen. Und so müsste es überraschen, wenn der Verwaltungsratsvorsitzende eines öffentlich-rechtlichen Instituts empört ausruft: „Wir sind keine Glamourbank!“ In Düsseldorf war diese Klarstellung von Oberbürgermeister Joachim Erwin dringend nötig. Denn rheinabwärts hat es die dortige Stadtsparkasse mehrmals auf die Seite eins der „Bild“ geschafft – freilich nur mit großzügiger Unterstützung des Promi-Paares Verona (geborene Feldbusch) und Franjo Pooth.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Luxus-Hochzeit von Franjo und Verona im Wiener Stephansdom, Feten beim Edelitaliener, kostspielige Geschenke auf Kredit, Golfspiel an der Seite von Verona – und immer mittendrin: Heinz-Martin Humme, Typ biederer Bankkaufmann. Aber der 56 Jahre alte Sparkassenchef lebt unter den Schönen und Reichen, wohnt im selben Stadtteil wie die Pooths, in Meerbusch-Büderich, jener Gemeinde mit der höchsten Anzahl von Einkommensmillionären in Nordrhein-Westfalen.

          Nähe zur rheinischen Schickeria

          Nun ist Humme die Nähe zur rheinischen Schickeria zum Verhängnis geworden: Am Mittwochabend wurde er wegen des Vorwurfs der Untreue seines Amtes enthoben. Und weil Hummes Geldhaus mittlerweile allzu viele Society-Schlagzeilen produziert hat, war es dem Oberbürgermeister so wichtig, ein Zeichen gegen den Glamourfaktor der Stadtsparkasse zu setzen. „Wir sind auch eine Bank für den Handwerksbetrieb“, sagte Erwin.

          Immer mittendrin: der suspendierte Sparkassenchef Heinz-Martin Humme
          Immer mittendrin: der suspendierte Sparkassenchef Heinz-Martin Humme : Bild: dpa

          Der CDU-Politiker ist Verwaltungsratsvorsitzender des Geldinstituts, das vor kurzem noch mit Franjo Pooth als visionärem Mittelständler geworben hatte, bevor Pooths Firma „Maxfield“ Insolvenz beantragen musste. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf beschäftigt die Frage, wie Franjo Pooth immer neue Kredite bekommen konnte, obwohl seine Firma, die mit MP3-Playern handelte, schon länger Probleme hatte. 9,2 Millionen Euro flossen aus der Sparkasse in die Existenzgründung von Veronas Vorzeige-Ehemann.

          Razzia im feinen Medienhafen

          Trotz der Amtsenthebung von Humme und eines weiteren Vorstands: In der „Wohlfühlstadt Düsseldorf“, wie Erwin gern zu sagen pflegt, bleibt die Stadtsparkasse das Thema schlechthin. Am Donnerstag durchsuchten Beamte der Staatsanwaltschaft nicht nur Pooths Geschäftsräume im feinen Medienhafen, sondern auch die Sparkassenbüros an der Berliner Allee. „2000 Mitarbeiter arbeiten einwandfrei, aber die Machenschaften Einzelner mit B-Promis bringen die ganze Bank in Verruf“, sagt ein Sprecher der Stadtsparkasse.

          Die Machenschaften muss die Staatsanwaltschaft aufklären. Gegen den suspendierten Sparkassenchef wird ermittelt, weil im Zusammenhang mit der Pooth-Pleite bekannt wurde, dass der Vorstandsvorsitzende sowie weitere leitende Sparkassen-Mitarbeiter Flachbildschirme und teure Geschenke von „Maxfield“ erhielten. Und gegen Franjo Pooth ist ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Bestechung im geschäftlichen Verkehr eingeleitet worden.

          Oberbürgermeister als Aufklärer

          In der Rolle des Aufklärers übt sich auch noch der Oberbürgermeister. Erwin deutete an, dass weitere Vorwürfe aufgetaucht seien. „Man hat das Gefühl, dass man die Sparkasse als Zahlstelle betrachtet hat“, sagte Erwin. Er selbst hatte Humme 2003 von der Commerzbank zur Stadtsparkasse geholt. Jetzt spricht er von einem „zerstörten Vertrauensverhältnis“.

          Glaubt man der Boulevardpresse, dann ist das Vertrauensverhältnis von Verona und Franjo intakt, trotz der 14 Millionen Euro Schulden, die aufgelaufen sein sollen. Wenn es bei den Pooths künftig um Geld geht, dann muss wohl Verona dafür herhalten. Da trifft es sich gut, dass sie bei RTL II soeben in einer neuen Staffel als „Engel im Einsatz“ zu sehen ist, beim Homeshopping-Sender HSE24 ihre Kosmetikprodukte verkaufen kann und obendrein in einem Fernsehspot für Marmelade wirbt.

          Quelle: F.A.Z.

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