18.07.2007 · Wenn ich tot bin, dann will ich... jedenfalls nicht unter die Erde - denken sich immer mehr Menschen und lassen lieber ihre Asche ins Meer streuen oder zu Diamanten pressen. Die klassische Erdbestattung wird indes immer teurer. Wer mit einer Versicherung vorsorgen will, sollte aber genau hinschauen. Von Lukas Weber.
Von Lukas WeberDie herkömmliche Beerdigung in Sarg oder Urne ist immer weniger gefragt. Dafür kommen alternative Formen wie die Baumbestattung in Mode. Auch wenn die Menschen konkrete Vorstellungen von ihrer letzten Ruhe haben, werden die Kosten einer Beerdigung oft deutlich unterschätzt. Andererseits steigt die Zahl derer, die sich noch zu Lebzeiten um die eigene Beisetzung kümmern und durch Geldanlagen oder entsprechende Versicherungen vorsorgen. Und die Verbraucher machen sich inzwischen Gedanken darüber, wie man am Ende sparen könnte.
Diese Tendenzen ergeben sich aus einer Serie von Umfragen im Auftrag der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas, einem Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, etwas Licht in den wenig transparenten Markt rund um die letzte Ruhe zu bringen. Wie die jüngste Studie von TNS Infratest im Auftrag von Aeternitas belegt, will nur noch rund die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) eine Beisetzung im traditionellen Erd- oder Urnengrab. Vor neun Jahren waren das immerhin 87 Prozent, seitdem sinkt die Quote. Das hat Auswirkungen auf einen ganzen Wirtschaftszweig, denn Bestatter, vor allem aber Steinmetze und Friedhofsgärtner leben überwiegend von der traditionellen Bestattung.
Vom Heißluftballon verstreuen
Sie werden sich umstellen müssen, denn moderne Formen sind jetzt schon für rund 16 Prozent (1998 rund 12 Prozent) der Befragten erste Wahl. Dazu zählen vor allem Bestattungen unter Bäumen, die mittlerweile an rund 100 Stellen in Deutschland angeboten werden, aber auch die Urnenaufbewahrung zu Hause oder eher kuriose Formen wie das Pressen der Asche zu Diamanten, das ein Schweizer Unternehmen im Programm hat. Das Verstreuen vom Heißluftballon aus ist in Deutschland nicht zulässig, wird aber im Elsass angeboten. Es hat mit dem Klassiker der Alternativen, der Seebestattung, und der anonymen Beisetzung gemein, dass sich anschließend niemand mehr um das Grab kümmern muss – indessen fehlt den Angehörigen aber ein Ort des Andenkens.
„Der Anteil derer, die das wünschen, liegt bei etwa 15 Prozent. Er hat sich in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verändert“, sagt Alexander Helbach, der Sprecher von Aeternitas, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Ergebnisse der Befragungen zeigten aber, dass sich die Wünsche der Verbraucher änderten und das Kostenbewusstsein steige.
Selbstvorsorge statt Sterbegeld
Dem steht eine wenig realistische Einschätzung der zu erwartenden Kosten gegenüber. Denn die Umfragen zeigen auch, dass die geplanten Ausgaben in vielen Fällen deutlich zu tief angesetzt sind. Immerhin wollen gut 60 Prozent der Befragten nicht mehr als 4000 Euro Gesamtausgaben für die Bestattung akzeptieren. Das dürfte häufig nicht reichen: Wie die Erhebungen der Verbraucherinitiative zeigen, kann das Grab alleine je nach Region schon deutlich teurer sein. Die Gesamtkosten einer traditionellen Beerdigung bewegen sich zwischen 3000 und 12.000 Euro, die Grabpflege nicht mitgerechnet. Den Durchschnitt gibt Aeternitas mit 5000 Euro an.
Weil die gesetzlichen Krankenkassen seit 2004 kein Sterbegeld mehr zahlen, nimmt indessen der Anteil derjenigen zu, die selbst vorsorgen. Dazu gibt es spezielle Versicherungen, die ein wenig in Verruf geraten sind, weil die Rendite im Vergleich zu anderen Anlageformen zu niedrig sei. „In vielen Fällen zu Unrecht“, sagt Helbach, die Rendite sei eben nur ein Aspekt. Wer weiß, was seine Beerdigung kosten wird, kann das Geld natürlich festverzinslich anlegen und gegen anderweitigen Zugriff seiner Erben absichern. Die Verbraucherinitiative, die ihre Aufgabe unter anderem darin sieht, die Öffentlichkeit und ihre knapp 50.000 Mitglieder zu beraten, weist aber darauf hin, dass das Geld dann im Falle einer Pflegebedürftigkeit nicht vor dem Zugriff des Staates sicher ist.
Ein einfacher Versicherungsvergleich greift zu kurz
Der Bund der Versicherten (BdV), eine Verbraucherschutzorganisation rund um Versicherungen, empfiehlt für alle, die nicht auf einen Schlag genug beiseite legen können, in erster Linie eine Risikolebensversicherung. „Eine Sterbegeldversicherung ist in der Mehrzahl der Fälle weniger günstig, weil die Beiträge deutlich höher sind.“ Ein Vorteil bestehe aber darin, dass es keine Gesundheitsprüfung gebe. Grundsätzlich rät der BdV, frühzeitig vorzusorgen. „Eine Sterbegeldversicherung kann man auch nach dem 65. Lebensjahr noch abschließen“, sagt Helbach, und die Höhe der Versicherungssumme beginne schon bei 500 Euro. Die Versicherungssumme werde auf jeden Fall ausbezahlt, im Gegensatz zur Risikolebensversicherung.
Allerdings sind die bisher angebotenen Versicherungen höchst unterschiedlich ausgestaltet. Ein Vergleich nur der Einzahlungen und Auszahlungen greife zu kurz; wichtig sei vor allem, ab wann der volle Versicherungsschutz zur Verfügung stehe. Ein weiterer Aspekt ist die Dauer der Einzahlungen in die Sterbeversicherung: laufen sie unbegrenzt bis ans Lebensende weiter, kann am Ende die Summe der Einzahlungen deutlich über der Auszahlung liegen. „Wir hatten schon solche Fälle, dass erheblich weniger ausgezahlt wurde“, heißt es dazu beim BdV. Auch Aeternitas empfiehlt deshalb immer eine individuelle Berechnung. Für seine Mitglieder hat der Verein einen umfangreichen Vergleich verschiedener Versicherungsformen und Versicherungen ausgearbeitet und wegen der günstigeren Konditionen einen Gruppenversicherungsvertrag abgeschlossen.
Damit könnte sich die Verbraucherorganisation abermals unbeliebt machen. In der Vergangenheit hatten Vergleiche der Bestattungsgebühren – mit erstaunlichen Unterschieden zwischen den Gemeinden – für Wirbel gesorgt. Die jüngste Empfehlung lautet, zur Kostendämpfung statt der üblichen Bepflanzung auf Gräbern Stauden zu wählen. Die seien nicht teuer, attraktiv und pflegeleicht.
Lukas Weber Jahrgang 1957, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend und Wirtschaft“.
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