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Beschimpft die Kirchen nicht! : Christen entlasten den Sozialstaat.

Bild: dpa

Das ist gut und spart Geld.

          Eine freistehende Badewanne als Symbol hat gereicht, um die Limburg-Debatte überschwappen zu lassen zu einem Angriff gegen die Kirchen und deren angeblichen Reichtum: Verschwendung, wohin das Auge blickt!, so der Tenor der Empörten. Und der Bürger, der wehrlose Tropf, zahlt mal wieder die Zeche. Dabei ist die Gegenwehr einfach: Wer nichts mit der Kirche zu tun haben will, dem steht es frei auszutreten (und sonntags auszuschlafen). Das tun mehr Menschen, Katholiken wie Protestanten, als den Pfarrern lieb ist, auch wenn sich die wenigsten Abtrünnigen zu den monetären Motiven für diesen Schritt bekennen. Jedenfalls haben diese Leute dann ihre Ruhe von der Kirchensteuer. „Ja, ja, aber auch Nichtmitglieder zahlen trotzdem für die Kirche“, melden sich nun die einschlägigen „Kirchenkritiker“ (diese Tätigkeit übrigens war selten einträglicher als in diesen Tagen). Auf verschlungenen Wegen schustere der Staat den Kirchen das Geld der Steuerzahler zu, lautet der Vorwurf.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gewiss: Der Staat zieht die Kirchensteuer ein, dadurch sparen die Kirchen Geld. Aber würden die Finanzämter sonst überflüssig? Oder zumindest um die insinuierten Milliarden billiger, wenn die Kirchen eine parallele Organisation aufziehen? Kaum. Eher handelt es sich hier um einen echten Synergieeffekt. Da die Empörung umso höher schlägt, je höher sich das kirchliche Vermögen auftürmt, wird addiert, was sich addieren lässt. Und so zählt zum vermeintlichen Reichtum alles, was im Laufe eines Jahres die Kirchenkassen erreicht. Wie viel davon wieder abfließt – egal, die Ausgaben werden erst mal unterschlagen: Umsatz gleich Gewinn. Hauptsache, die Zahlen haben viele Nullen. Mit bloßem Auge zu erkennen ist die Absicht, wenn als größter Posten der Staatsgelder die Kindertageseinrichtungen ausgewiesen werden. Die Milliarden, die an die Kirchen dafür fließen, sind erstens kein Geschenk, sondern Entgelt für eine erbrachte Leistung, die Kinderbetreuung nämlich, und landen – zweitens – nicht auf dem Festgeldkonto und schon gar nicht in den Kirchenkellern bei den anderen Schätzen, sondern finanzieren das Gehalt von Erziehern. Reich werden die auch nicht, das nur nebenbei bemerkt.

          Kirche hat sich Wettbewerb zu stellen

          Richtig ist: Der Staat bezuschusst die Kinderbetreuung, und zwar nicht zu knapp. Für Kinder von Christen wie Nichtchristen übrigens. In den Genuss kommen kirchliche Träger wie kommerzielle Einrichtungen. So oder ähnlich verhält es mit Pflegebedürftigen, Alten, Kranken. Auch dort sind die Kirchen, wie viele andere, engagiert. Weitgehend religionsfrei sind Tierheime, Sportplätze, Freibäder. Der Steuerzahler ist auch hier mit dabei. Sind Katzen, Fußballtrainer, Bademeister deswegen reich?

          Zu klären wäre also: Welche Leistungen des Sozialstaates sind sinnvoll, welche unsinnig, überflüssig, überteuert? Da fiele einem einiges an Streichmasse ein. Von den Aufgaben, die bleiben, ist zu entscheiden: Wer soll die Arbeit erledigen? Der Staat, private Anbieter oder die Kirche? Im Zweifel doch, wer es am besten und effizientesten kann. Diesem Wettbewerb hat sich die Kirche zu stellen. Ein Beispiel: In einer Kleinstadt im Frankfurter Umland fehlen Krippenplätze für Kleinkinder. Die Eltern murren, der Bürgermeister muss handeln. Die Kirchengemeinde stellt den Baugrund, die Stadt finanziert Steine und Mörtel. Für die laufenden Kosten müssen die Eltern herhalten. Die Kirche wird Träger der Einrichtung, kümmert sich um Einstellung des Personals sowie unangenehme organisatorische Fragen. Zum Betriebsausflug fährt der Pfarrer mit, die Kinder singen Adventslieder. Weitere Übergriffe christlicher Agitatoren sind nicht bekannt, die Klientel des Kindergartens ist bunt gemischt, von Nationalität wie Religion. Was daran ist also verwerflich? Der Grund, warum Kämmerer und Bürgermeister solche Modelle lieben, hat weniger mit weltanschaulichen Präferenzen zu tun als mit der Tatsache, dass sie sich so Geld und Ärger sparen. Wer profitiert, ist der Steuerzahler (und hoffentlich die gut versorgten Kinder).

          Nun lässt sich nicht bestreiten, dass die Kirchen, katholische wie evangelische, zu einem erheblichen wirtschaftlichen Faktor im Land geworden sind. Caritas und Diakonie beschäftigen zusammen eine Million hauptamtlicher Mitarbeiter und nochmal doppelt so viele ehrenamtliche; die werden am wenigsten reich. Wie alle Organisationen dieser Größe arbeiten die Kirchen nicht immer effizient, vermutlich dulden sie sogar mehr Schlendrian als anderswo: Eine christliche Kirche als Arbeitgeber tut sich schwerer, „underperformer“ auszusortieren als ein Dax-Konzern oder eine Investmentbank. Dilettanten oder Versager ließen sich in den kirchlichen Sozialkonzernen wahrscheinlich finden, darum aber geht es in der Wutwelle nicht: Die Kirche soll sich zurückziehen in ihren heiligen Winkel, das ist die bittere Botschaft. Katholiken-Bashing sei weniger gefährlich als Islamkritik, beschwert sich ein Leser der Sonntagszeitung: „Es macht nachdenklich, dass die Einführung von islamischem Religionsunterricht in einigen Bundesländern als besonderer Erfolg gerühmt wird, während man gleichzeitig den christlichen Religionsunterricht in Frage stellt.“

          Georg Meck ist evangelisch und Mitglied im Kirchenvorstand.

          Quelle: F.A.S.

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