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Beschäftigung : Die alte Platte

Bild: F.A.Z.

Das Rekordjahr am Arbeitsmarkt lässt Träume von der Vollbeschäftigung blühen. Tatsächlich hat der deutsche Arbeitsmarkt die Krisenjahre in Europa in einer zuvor nicht für möglich gehaltenen Art und Weise überstanden. Doch man kann die Erfolge in Bayern und Baden-Württemberg nicht auf das gesamte Land ausrollen.

          Politiker legen, gerade in Wahlkampfzeiten, gerne die alte Platte von der „Vollbeschäftigung“ auf. Der damalige Wirtschaftsminister Michael Glos sah das Land schon im Frühjahr 2008 „auf dem besten Weg“ in die Vollbeschäftigung, sein Nachnachfolger Rainer Brüderle wähnte die Nation zwei Jahre und eine Finanzkrise später sogar auf der liberalen „Schnellstraße“ ins Glück. Hamburgs erster Bürger Olaf Scholz (SPD) peilte als Arbeitsminister der Großen Koalition die Vollbeschäftigung ebenso an wie sein sozialdemokratischer Parteifreund und ehemaliger Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier mit seinem längst in der Versenkung verschwunden „Plan D“. Kein Wunder, dass Union und FDP nun nach einem weiteren Rekordjahr am Arbeitsmarkt die Chance wittern, mit den süßen Schlagerklängen die Wählerschaft im Herbst aufs Neue zu betören.

          Es stimmt ja: Der deutsche Arbeitsmarkt hat die Krisenjahre in Europa in einer zuvor nicht für möglich gehaltenen Art und Weise überstanden. Die Arbeitslosigkeit ist gegen den kontinentalen Trend gesunken und die Erwerbstätigkeit hat im abgelaufenen Jahr mit 41,5 Millionen ihren bislang höchsten Stand erreicht. Vor allem im Süden erscheint Massenarbeitslosigkeit nur noch wie ein dunkler Schatten der Vergangenheit. Längst ist die Suche nach den passenden Fachkräften zur vordringlichsten Aufgabe der Personalverantwortlichen vieler dortiger Unternehmen geworden. Nach gängiger Definition herrscht in Bayern und Baden-Württemberg mit Arbeitslosenquoten unter 4 Prozent schon lange Vollbeschäftigung.

          Bild: F.A.Z.

          Bremen, das Ruhrgebiet sowie weite Teile Ostdeutschlands sind davon jedoch noch meilenweit entfernt. Den Anschein zu erwecken, man könne das süddeutsche Arbeitsmarktmärchen auf das gesamte Land ausrollen, wäre deshalb unredlich. In Regionen ohne starke Branchen und ordentliches Wachstum entstehen schlichtweg weniger Arbeitsplätze. Zudem leiden gerade Städte unter einem hohen Anteil verfestigter Dauerarbeitslosigkeit. Wer viele Jahre raus aus dem Beruf ist, wird den Sprung aus eigener Kraft auch bei bester Arbeitsmarktlage vermutlich kaum schaffen. Arbeitslosigkeit erledigt sich eben nicht von selbst, wenn es nur genügend offene Stellen gibt. Entscheidend ist, dass die Profile von Stellen und Bewerbern auch zusammenpassen. Gerade in einem enger werdenden Markt wird es darauf ankommen, das vorhandene Potential so gut wie möglich zu nutzen. Wer dies schafft, der hat das Zeug zum echten Schlagerstar.

          Sven Astheimer

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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          Quelle: F.A.Z.

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