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Berufsimage Das Comeback der Lehrer

23.02.2009 ·  Auf einmal ist der schlechte Ruf dahin. Gerade galten die Lehrer in den aufgeheizten Bildungsdebatten noch als schlecht ausgebildet, überaltert, selten engagiert und häufig überfordert. Jetzt ist das ganz anders. Die Länder prügeln sich um neue Lehrer. Denn die Kollegien sind alt und guter Nachwuchs ist rar.

Von Inge Kloepfer
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Auf einmal ist der schlechte Ruf dahin. Gerade galten die Lehrer in den aufgeheizten Bildungsdebatten noch als schlecht ausgebildet, überaltert, selten engagiert und häufig überfordert. Jetzt ist das ganz anders. Die Bundesländer liefern sich um die Pädagogen eine handfeste Abwerbeschlacht - und polieren zugleich das Ansehen eines ganzen Berufsstandes auf.

"Sehr guten Morgen, Herr Lehrer!", lautet die Aufschrift der Plakate, mit denen das Land Baden-Württemberg neue Pädagogen ins Ländle locken will. Berlin bietet Junglehrern gar ein deutlich gesteigertes Gehalt - 1200 Euro brutto mehr im Monat -, wenn sie sich für die Hauptstadt entscheiden. Und die Politiker ergehen sich in Lobeshymnen darüber, was Lehrer leisten.

Der wichtigste Grund dafür: Deutschland gehen die Pädagogen aus. Die Kollegien sind überaltert, das Durchschnittsalter der Lehrer liegt weit über dem anderer Berufe. Hunderttausende werden in den nächsten Jahren pensioniert. Absehbar war das schon lange, doch wenig wurde unternommen. Heute sind die Lehrer daher gefragt wie selten. Der Bieterwettbewerb der Länder hat gerade erst begonnen.

Der Beruf erlebt einen Imagewandel

Das lässt ihr Ansehen auch in der Gesellschaft steigen. "Der Lehrerberuf erlebt derzeit einen Imagewandel", sagt etwa Peter Ferres. Er muss es wissen: Er arbeitete zwanzig Jahre lang als Investmentbanker, bevor er beschloss, sein Leben zu ändern und Lehrer zu werden. Während deutsche Freunde noch vor kurzem - in den Boomzeiten der Finanzindustrie - seiner Entscheidung verständnislos gegenüberstanden, zollt man ihm heute Respekt. Denn das Image der Investmentbanker erlebt gerade einen Niedergang, das der Lehrer steigt in ungekannte Höhen.

Die Pädagogen feiern ein Comeback - nachdem ihr Ruf in den vergangenen Jahren eher gelitten hatte. Die Öffentlichkeit attestierte ihnen das, was die Klischees seit Jahren hergeben: faul oder überfordert, zu alt oder schlecht ausgebildet, häufig krank oder gerne frühpensioniert - alles auf Kosten des Steuerzahlers.

Ganz falsch lag dieses Urteil nicht. Überflieger sind die deutschen Lehrer nie gewesen. Das waren immer andere: die Banker, die Berater, die Wirtschaftsbosse, lange auch die Ärzte. Weil in Deutschland so gut wie jeder Lehrer werden kann, der über eine Hochschulreife verfügt, wurden es nie die Besten eines Jahrgangs, sondern eher die Schlechteren. Das zeigt eine Studie des Münchener Bildungsökonomen Ludger Wößmann, die der F.A.S. vorliegt.

Bisher war es wenig attraktiv, Lehrer zu werden

Wößmann hat erstmals die Noten der Lehrer mit denen anderer Berufsgruppen verglichen Sein Fazit: "Nur Gymnasiallehrer haben einen Abiturdurchschnitt, der so gut ist wie der von anderen Uni-Absolventen. Lehrer für Grundschulen und für die Sekundarstufe I hingegen waren deutlich schlechter im Abitur." Sie erreichen noch nicht einmal die Abiturnoten des durchschnittlichen Fachhochschulstudenten. Während in anderen Ländern aufgrund strenger Zulassungsbeschränkungen nur die Jahrgangsbesten die Chance haben, Lehrer zu werden, tummeln sich in Deutschlands Bildungssystem die Anti-Eliten.

Wenig verblüffend sind daher auch die Ergebnisse einer Studie des Erziehungswissenschaftlers Udo Rauin: Für jeden vierten Lehrer ist sein Studium eine Notlösung, weil er an den Zulassungsbeschränkungen in anderen Fächern gescheitert ist. Für ambitionierte junge Menschen ist es offensichtlich wenig attraktiv, Lehrer zu werden. Die Ausbildung ist zu stark formalisiert. Der Beruf bietet weder Autonomie noch Aufstiegsmöglichkeiten. Dem Image der Lehrer war das über all die Jahre nicht zuträglich.

Noch eines trägt zum schlechten Image bei: Der Arbeitseinsatz der deutschen Lehrer ist wenig sichtbar und häufig beliebig. Ob sich einer engagiert oder nicht, bleibt ihm überlassen. Leistung wird nicht gemessen, Erfolg ebenso wenig. Transparenz gibt es nicht. Gute Lehrer werden ökonomisch nicht belohnt, schlechte nicht bestraft. Das alles prägte über Jahre die öffentliche Meinung: Lehrer, so wurde gemutmaßt, arbeiteten weniger als jeder andere Angestellte. Für ihre Reputation ist das fatal.

„Use your head, teach“

Dass das nicht so sein muss, zeigen andere Länder. "In Finnland zum Beispiel will jeder Lehrer werden", sagt Wößmann. "Und das trotz vergleichsweise geringer Bezahlung. Doch haben die Lehrer dort in der Bevölkerung einen ganz anderen Stand." Ex-Banker Ferres weiß aus eigener Erfahrung: "In England hat der Lehrerberuf einen viel besseren Ruf", sagt er. "Dort ist es eine ehrbare Sache, die Seite zu wechseln." Überall werde um die Besten geworben - selbst in der U-Bahn-Station "Banks", an der die hochbezahlten Angestellten der Finanzmetropole ein- und aussteigen: "Use your head, teach!", steht auf den Plakaten.

Das Comeback der Lehrer in Deutschland wird erst durch den Mangel befördert. Doch wie groß dieser ist, weiß keiner ganz genau. Die letzten Daten und Prognosen sind zu alt. Und die Länder unternehmen keinerlei Anstrengungen, aktuelles Material gemeinsam bereitzustellen. Deshalb hat der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm eigene Berechnungen angestellt: Er geht davon aus, dass jedes Jahr 22000 bis 23000 neue Lehrer gebraucht werden. Es gibt zwar im Prinzip genügend Lehramtsstudenten, um diesen Bedarf zu decken. "Allerdings passt dieses Angebot mit Blick auf die Fächer überhaupt nicht zur Nachfrage", sagt Klemm.

Genau da liegt der entscheidende Punkt. Deutsch- und Geschichtslehrer gibt es zu viele, während in den naturwissenschaftlichen Fächern, in Mathematik und Latein Mangel herrscht. Auf diese vor allem zielt der Abwerbewettbewerb. Die Bundesländer nutzen viele Mittel, um zu kämpfen. Sie können den Bewerbern eine Verbeamtung versprechen, auch noch in höherem Alter. Sie können Arbeitszeiten unterschiedlich regeln und neuerdings - seit der Föderalismusreform - auch die Gehälter. Und sie machen reichlich Gebrauch davon.

Verbesserung der Qualität? Das steht auf einem anderen Blatt

Denn seit den Pisa-Studien wissen sie, welchen Sprengstoff öffentliche Bildungsdebatten bieten. Seit im Jahr 2000 klar wurde, dass das deutsche Schulsystem im internationalen Vergleich neben reichlich Mittelmaß auch eine hohe Zahl an Risikoschülern hervorbringt, haben sich die Länder mit Reformen überschlagen. Dabei wurde immer erst über die Schulen und ihre Struktur gesprochen, über Ganztagsmodelle, Klassenstärken und individuelle Förderung.

Dass die schönste Bildungsoffensive aber ohne jene, die das Wissen an die Kinder und Jugendlichen bringen, nicht geht, hat so manches Bundesland jetzt endlich begriffen. Insofern wurde es Zeit, dass die Lehrer in der öffentlichen Meinung an Bedeutung gewinnen. "Allerdings wird derzeit ausschließlich über die Zahlen auf der Angebots- und Nachfrageseite gesprochen", sagt Wößmann. "Ob damit eine Verbesserung der Qualität der Lehrer und ihrer Methoden einhergeht, ist noch überhaupt nicht gesagt."

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Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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