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Bernanke in Princeton : Das Leben jenseits des Leitzinses

Bernanke in Princeton Bild: AP

Früher hat der Chef der amerikanischen Notenbank Ben Bernanke in Princeton Volkswirtschaftslehre gelehrt. Nun hat er vor Absolventen der Eliteuniversität eine launige Rede gehalten.

          Ben Bernanke hält Journalisten für ziemlich humorlose Gesellen. „Ich habe neulich wegen meiner Freistellung von der Universität nachgefragt, und der Antwortbrief fing so an: ‚Leider erhält Princeton viel mehr qualifizierte Bewerber um Professorenstellen, als wir vergeben können‘“, sagte der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank am Wochenende vor der Abschlussklasse der Eliteuniversität Princeton.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Jeder halbwegs wache amerikanische Wirtschaftsreporter weiß natürlich um die Gerüchte, Bernanke sei amtsmüde und wolle nach dem Ende seiner Amtszeit im Januar Schluss machen. Und es ist auch klar, dass sich eine Uni wie Princeton, wo Bernanke vor seinen Ruf zur Federal Reserve Volkswirtschaft gelehrt hatte, um einen Mann wie ihn reißen würde. Dennoch fügte Bernanke in seinem Redemanuskript eine Fußnote an. „Hinweis an Journalisten: Das ist ein Witz.“ Zuhörer, die von Bernankes Rede subtile Hinweise auf Karrierepläne oder Geldpolitik erwarteten, wurden also enttäuscht.

          Bernanke gab den Absolventen aber Ratschläge mit auf den Weg, die für das Leben sicher wichtiger sind als der nächste Leitzinsschritt. Zum Beispiel, dass Geld nicht das Wichtigste im Leben ist. „Ich werde euch nicht sagen, dass Geld keine Rolle spielt, weil ihr mir das sowieso nicht glauben würdet“, sagte Bernanke. „Vergesst nicht, dass Geld ein Mittel ist und nicht der Zweck,“ ermahnte der Fed-Chef die Absolventen von Princeton aber, denen in der Regel alle Karrieretüren offenstehen.

          Die wichtigste Entscheidung für das Leben sei ohnehin die Wahl des Partners, sagte Bernanke. „Als jemand, der seit 35 Jahren glücklich verheiratet ist, kann ich mir keine folgenschwerere Entscheidung für eine lebenslange Reise vorstellen als die Wahl des Reisepartners.“ Weil das ein wenig altbacken klingt, machte der in seinen öffentlichen Auftritten immer kontrolliert wirkende Bernanke den Studenten klar, dass er auch die wilderen Seiten des Lebens kennt. „Versteht mich nicht falsch: Ich bin für Schönheit, Liebesaffären und sexuelle Anziehung - wo wären Hollywood und die Werbebranche ohne das? Obwohl wichtig, sind es aber nicht die einzigen Dinge, auf die man bei der Suche nach einem Partner achten sollte.“ Bernanke trinkt offenbar auch gerne Bier. Bei der Wahl der Trinkpartner scheint er die Nase von den Karrieristen in Washington voll zu haben. Menschen mit wenig formeller Bildung, die ehrliche Arbeit machen, um ihre Familien zu ernähren, verdienten größeren Respekt als viele Leute, die als erfolgreicher gelten, sagte Bernanke. „Und es macht auch mehr Spaß, mit ihnen ein Bier zu trinken.“

          Schließlich leistete sich der Ökonom noch einen selbstkritischen Seitenhieb auf seine eigene Zunft. Danach sei die Volkswirtschaft ausgezeichnet darin, den Politikern ihre in der Vergangenheit gemachten Fehler präzise aufzuzeigen. Für die Zukunft funktioniere das leider „nicht so gut“, sagte Bernanke. Und diese Bemerkung war kein Witz.

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