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Steuergeld-Verschwendung : Teuer, teurer, Staatsoper

Wer keine Karte bekommt, muss draußen bleiben. Ein Gratiskonzert wird auf eine Leinwand vor der Staatsoper übertragen. Aber auch sonst sind die Karten knapp. Bild: dpa

Der Umbau der Staatsoper in Berlin war teurer als geplant. Das wäre nicht so tragisch, wenn jetzt alles besser wäre. Es ist ein Paradebeispiel für die Verschwendung von Steuergeld. Ein Kommentar.

          Der Bund der Steuerzahler bringt jährlich sein „Schwarzbuch“ der öffentlichen Verschwendung heraus. Die Autoren listen Brücken auf, die ins Nichts führen, Neubauten, in denen die Toiletten fehlen, Gutachten, die zu teuer waren. Das alles ist nicht schön. Aber es sind Pleiten, Pech und Pannen, die überall passieren. Über die Frage, wie sich Steuergelder grundsätzlich effizienter einsetzen lassen, verrät das nichts.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Wo die Probleme wirklich liegen, lässt sich exemplarisch am Beispiel der Berliner Staatsoper Unter den Linden zeigen. Nach siebenjährigem Umbau wurde das Haus vorigen Dienstag wieder eröffnet. Gestern, als der Vorverkauf für den Rest der Saison begann, brach das Kartensystem im Internet unter dem Ansturm zusammen. Es ist wie bei der Hamburger Elbphilharmonie: Jetzt, wo das Gebäude nach Pech und Pannen endlich fertig ist, sind alle glücklich.

          Nur Weniges hat sich verbessert

          Mit der „Elphi“ hat die Staatsoper die immense Kostensteigerung gemein. Statt der ursprünglich veranschlagten 239 Millionen Euro gab die öffentliche Hand nun 400 Millionen Euro aus. Das lag an allzu optimistischen Berechnungen, übermäßig ambitionierten Bauplanungen, Unwägbarkeiten im Berliner Untergrund. Auch das ist nicht das eigentliche Problem.

          Die viel spannendere Frage lautet: Hat man mit dem vielen Geld irgendetwas erreicht? Die klare Antwort auf diese Frage lautet: nein. Okay, die Akustik ist durch die aufwendig aufgesetzte „Nachhallgalerie“ jetzt auf natürlichem Wege so gut, wie sie es vorher mit elektronischer Verstärkung war. Die zuletzt altersschwache Bühnentechnik soll, wenn im Dezember alles fertig ist, wieder funktionieren. Ansonsten ist der Zuschauerraum für ein Opernhaus dieser Liga nach wie vor viel zu klein, die Sicht von vielen Plätzen viel zu schlecht, die Frage nach der Rolle der Lindenoper im Reigen der Berliner Musiktheater ungeklärt.

          Ein größerer Zuschauerraum wäre nötig

          Fast nirgends auf der Welt spielt ein so teures Ensemble vor so wenigen Zuschauern. Auch nach dem Umbau hat das Haus nur etwas mehr als 1300 Plätze. In München oder Mailand, Wien oder Paris schauen mindestens 2000 Leute zu. Das hat gravierende Folgen für die Rentabilität. Mit zuletzt knapp 280 Euro (im auch nicht viel kleineren Ausweichquartier) ist der Zuschuss pro verkaufter Karte mit weitem Abstand der höchste in Deutschland. Das ist keine nebensächliche Frage. Kultursubventionen werden auch für Zugänglichkeit bezahlt. Eine öffentliche Kunstproduktion, die aus Platzmangel kaum jemand sehen kann, verfehlt ihren Zweck.

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          Für das Problem hätte es zwei Lösungen gegeben. Die eine war fast schon beschlossene Sache: Man wollte in das historische Gebäude Unter den Linden einen völlig neuen Zuschauerraum einbauen, mit deutlich mehr Plätzen, viel besserer Sicht und durchgreifend anderer Akustik. Dafür hätte sich der finanzielle Aufwand gelohnt. Eine große Koalition von Westberliner Preußen-Fans und Ostberliner DDR-Nostalgikern verhinderte das. Sie wollte den stalinistischen Kreiskulturhaus-Saal aus den fünfziger Jahren erhalten, den viele irrtümlich für friderizianisches Rokoko hielten.

          Die andere Lösung hätte sich am Pariser Vorbild orientiert. Im Westteil der Stadt befindet sich die Deutsche Oper. Sie ist groß, modern, erfüllt alle Anforderungen – wird aber von einem Ensemble bespielt, das trotz seines jüngsten Aufschwungs an das Renommee der Staatsoper nicht heranreicht. Hier hätte man das große Repertoire zeigen können wie an der Pariser Bastille. Die Lindenoper wäre dann wie in Frankreich das Palais Garnier das Haus für kleinere Besetzungen gewesen. Dafür hätte eine weit kostengünstigere Renovierung ausgereicht.

          Die Politik hat sich beides nicht getraut, aus Rücksicht auf Befindlichkeiten von Zuschauern, Künstlern, Wählern. Sie hat sich für das Unvernünftige entschieden. Das darf demokratische Politik. Aber dafür muss sie sich kritisieren lassen, nicht nur für lässliche Pannen.

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