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Berliner Flughafen : Ein Feuerwehrmann aus Hessen

Wilhelm Bender: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens posierte hier beim symbolischen Spatenstich im Jahr 2009 vor einer Computeranimation der neuen Landebahn in Frankfurt - die Bahn ist inzwischen längst in Betrieb. Bild: dapd

Der frühere Fraport-Chef Wilhelm Bender soll das Debakel am neuen Flughafen Berlin stoppen - doch der Favorit zaudert.

          Die „Hessen-Connection“ soll den Berliner Pannenflughafen BER retten. Auf der Suche nach einem Nachfolger für den freigestellten Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz ist der Aufsichtsrat fündig geworden: Der Frankfurter Wilhelm Bender, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Flughafengesellschaft Fraport AG, soll den Bau in absehbarer Zeit zur glücklichen Fertigstellung führen - und gleichzeitig den sicheren Betrieb im überlasteten Flughafen Tegel gewährleisten. Doch mit einer Zusage tut sich der Manager schwer, der seinen Arbeitgeber in Frankfurt nach fast 17 Jahren als dienstältester Flughafenchef in Deutschland verließ. Bis zum Wochenende habe er sich Bedenkzeit erbeten, heißt es in seinem Umfeld.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund sind sicher, mit Bender den richtigen Mann ausgewählt zu haben. Dass er schon 68Jahre alt ist und seit drei Jahren im Ruhestand, ist für sie kein Schönheitsfehler. Schon früh hatten die SPD-Politiker Matthias Platzeck, der brandenburgische Ministerpräsident, und Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister, sowie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den „Fachmann mit Erfahrung im Flugwesen“ (Platzeck) mit auf der Liste. Diese Liste, auf die sich einige Manager auch ungefragt setzten, wurde zuletzt immer kürzer. Der eine Kandidat wollte sich das Berliner Himmelfahrtskommando nicht zumuten, einem anderen waren die 355.000 Euro Jahresgehalt zu knapp.

          Das „Hämerisiko“

          So avancierte Bender zum Favoriten. Ob er bald auch Vorsitzender der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg sein wird, ist noch ungewiss. Einen Vollzeitposten mit überdurchschnittlichem „Hämerisiko“ sah seine Lebensplanung nicht vor, zumal zu Hause eine Familie fest auf ihn zählt. Im „Ruhestand“ befindet sich der vielseitige Verkehrsexperte jedoch ohnehin nicht. Vielmehr ist er als Berater für die Private-Equity-Gesellschaft Advent International unterwegs. Überdies überwacht er seit 2010 als Aufsichtsratsvorsitzender das Europa-Geschäft des kanadischen Schienen- und Anlagenkonzerns Bombardier - und die Geschäfte des Fußballklubs Eintracht Frankfurt. Erst am Dienstag dieser Woche nutzte Bender, der SPD-Mitglied ist, den Neujahrsempfang des Verbandes der Bahnindustrie in Berlin, um alte Kontakte zur Verkehrspolitik aufzufrischen. In den achtziger und neunziger Jahren bekleidete der Jurist und Volkswirt Führungspositionen bei der Deutschen Bundesbahn und der Spedition Schenker.

          Nähme Bender den eindringlichen Ruf an den Berliner Flughafen an, träfe er dort als dritter Mann auf ein hessisches Duo, das seit einigen Monaten versucht, die Baustelle voranzubringen: Schon im Sommer 2012 holten die Flughafenaufseher den Planer Horst Amann vom Frankfurter Flughafen nach Schönefeld. Der kämpft seitdem darum, einen Überblick über das Chaos am BER zu gewinnen - „fast grausam“ nannte Amann den Baustellenzustand vor wenigen Wochen. Eng an Amanns Seite steht Ramsauers Staatssekretär Rainer Bomba, fast genauso unüberhörbar ein Hesse. Amann hat versprochen, bis zum kommenden Sommer eine Bestandsaufnahme vorzulegen - und einen Plan, wie es weitergehen soll bis zum ungenannten Eröffnungstermin.

          Als zupackender Manager, der Zusagen entschlossen umsetzt, hatte sich Bender beim Frankfurter Flughafen profiliert, an dessen Spitze er seit 1993 stand. Nach einer umfassenden Sanierung des stark angeschlagenen Flughafens führte er Fraport 2001 an die Börse. Dabei verwandelte er die verschlafene FAG in einen modernen Flughafenbetreiber, der mit lukrativen Beteiligungen an ausländischen Flughäfen expandierte und zudem auf dem größten Flughafen in Deutschland auf wachsende Einnahmen in Einzelhandel und Immobilien setzte - zwei Geschäftsbereiche, die von der schwankenden Konjunktur der Luftfahrt abgekoppelt sind.

          In die Amtszeit des im hessischen Kirberg geborenen Managers fällt der Bau der neuen „Landebahn Nordwest“ ebenso wie der des neuen Flughafen-Terminals in Frankfurt. Beide Projekte im Gesamtvolumen von rund 7 Milliarden Euro, die den Anschluss zu den europäischen Flughafen-Rivalen in London und Paris sichern sollen, wurden aber wegen Verzögerungen von Amtsnachfolger Stefan Schulte offiziell eröffnet. Zu den Tiefpunkten in Benders Karriere zählt das gründlich missratene Ausbauvorhaben auf dem philippinischen Flughafen Manila, das bei Fraport zu einem Wertberichtigungsbedarf von rund 360 Millionen Euro führte.

          In Berlin würde Bender Chef von Ex-Fraport-Manager Amann werden, der seine Projekte in Frankfurt technisch zur Vollendung führte. Während Schwarz nur „Sprecher“ der Geschäftsführung war, soll Bender Chef mit Weisungsrecht werden. Der Aufsichtsrat will zudem einen weiteren Finanzvorstand installieren, so dass sich die operative Verantwortung auf mehr Schultern verteilte. Da wäre noch für einen weiteren Hessen Platz.

          Quelle: F.A.Z.

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