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Berliner Flughafen Das Aushängeschild wird zum Schandmal

 ·  Das Flughafen-Debakel in Berlin schadet dem Ruf Deutschlands. Nicht nur in der Republik entsteht das Gefühl, die Deutschen könnten große Bauten nicht mehr termingerecht abliefern – auch international wird an der Zuverlässigkeit gezweifelt.

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© dpa Vergrößern Eröffnung erneut verschoben: Der Flughafen Berlin Brandenburg

Die abermalige Verschiebung der Eröffnung des Berliner Großflughafens Berlin-Brandenburg wird zunehmend zu einer Belastung für die deutsche Industrie. Im In- und Ausland leidet der Ruf der Deutschen als gute Organisatoren und Techniker. Selbst Großprojekte, deren Bau im Plan liegt, bekommen Schwierigkeiten.

Die Messe Frankfurt, die ein zusätzliches Kongresszentrum mit Fertigstellung im Frühjahr 2014 baut, „erlebt eine spannende Diskussion mit Erstmietern“, wie der zuständige Geschäftsführer Uwe Behm bestätigt. „Es ist in der Republik das Gefühl entstanden, dass die Deutschen nicht mehr in der Lage sind, große Bauten termingerecht abzuliefern, was dazu führt, dass jedem, dem wir momentan sagen, er wäre einer der Ersten, die dort veranstalten, sagen: Dann überlegen wir uns das noch mal.“

Dämpfer für das gute Image

Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik sieht vor allem den Ruf der deutschen Industrie als Systemanbieter für Infrastrukturprojekte gefährdet. Vor allem bei dem Auf- und Ausbau neuer Millionenstädte in Asien will man die Infrastruktur zuliefern. „Da ist eine solche Entwicklung wie in Berlin eindeutig ein Dämpfer für unser gutes Image“, heißt es beim VDE.

„Deutschlands Reputation für Effizienz hat einen neuen Rückschlag erlitten“, glaubt auch die Londoner Tageszeitung „The Times“. Der Flughafen-Neubau sei „zu einer Farce“ geworden. „Der Ruf der Pünktlichkeit - Beweis der Zuverlässigkeit einer für ihre Geschicklichkeit bekannten Nation - hat Schaden genommen“, urteilt der französische „Figaro“.

Besonders bedauerlich dürfte der Imageschaden in Asien sein. Zwar interessieren sich bisher nur wenige Chinesen für die ferne Baustelle. Die wenigen, die sich öffentlich äußern, tun das aber mit einer gewissen Häme. Die Nachrichtenagentur „Zhong Xin She“ (Chinese News Service) schreibt: „Der neue Flughafen wollte ein Aushängeschild für Berlin sein, jetzt ist er fast so etwas wie ein Schandmal geworden.“

Zwergenhaft und langsam

Noch beißender sind die Kommentare in den twitter-ähnlichen Austauschdiensten namens Weibo. Ein Nutzer schreibt: „Die Sache ist ein Schlag ins Gesicht für die Deutschen.“ Für China erscheint Deutschland in Fragen öffentlicher Bauten zwergenhaft und langsam. Das fernöstliche Land baut jedes Jahr Dutzende ICE-Bahnhöfe. Allein 2011 sind in China fünf neue Flughäfen entstanden, bis 2015 sind weitere 60 Standorte geplant.

Die deutschen Industrieverbände wollen aus den Verzögerungen des Baus bisher jedoch keine generelle Rufschädigung für die Fähigkeiten deutscher Ingenieure ableiten. Sie beruhten „offensichtlich auf einer ineffizienten Projektdurchführung seitens der öffentlichen Bauträger“, betonte der Zentralverband des Deutschen Handwerks.

An den ausführenden Bauunternehmen liege die Verzögerung nicht, betonen die beiden großen Interessenverbände der Bauwirtschaft. Stattdessen hätten fehlende Planung und mangelnde Sachkompetenz auf Seiten des Auftraggebers zu diesem Chaos geführt. „Wenn zu Baubeginn von geschätzten 6.000 Einzelplänen nur rund 10 Prozent fertig waren, lässt das nur einen Schluss ziehen: Der Bauherr wusste nicht genau, was er haben wollte - außer vielleicht, dass es ein Flughafen sein sollte“, sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe.

Die öffentliche Hand habe ihre Bauherrenkompetenz durch radikale Personalkürzungen in den einzelnen Bauverwaltungen nahezu verloren. Beide Verbände sehen die Arbeit des mit der Generalplanung beauftragten Ingenieurbüros GMP sehr kritisch. Bei den technischen Anlagen insbesondere der Entrauchung scheine die Projektsteuerung völlig versagt zu haben, sagt Pakleppa.

Dass dem Generalplaner mittlerweile fristlos gekündigt wurde, wertet Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bauindustrie, dennoch als Fehler. Nun müssten sämtliche Planungen neu verhandelt werden. Unterschiedlich bewerten die beiden Branchenverbände, dass Stadt, Land und Bund den Bauauftrag nicht wie ursprünglich geplant an einen Generalunternehmer gegeben haben.

„Das Terminal hätte 1 Milliarde Euro gekostet“, sagt Knipper. Stattdessen wollten die Bauherren billiger bauen und haben das Projekt in viele kleinere Teillose aufgeschlüsselt. Parkleppa verweist allerdings auf den Bau der Elbphilharmonie in Hamburg: „Dort hat die Vergabe an einen einzigen Generalunternehmer das Problem auch nicht gelöst.“

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