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Bericht der FAO : Vereinte Nationen warnen vor Nahrungsknappheit

Bild: F.A.Z.

In den armen Ländern mit hohem Bevölkerungswachstum steht die Landwirtschaft vor den größten Problemen. Vor allem in Asien wird auch das Wasser knapp.

          Bangladesch, Pakistan, Äthiopien - ausgerechnet in den ärmsten Ländern, die schon jetzt ihre Bevölkerung kaum ernähren können, werden Wasser- und Flächenknappheit die Landwirtschaft künftig noch stärker einschränken als bislang. Dabei müsste sich angesichts der wachsenden Bevölkerung und des erhöhten Fleischkonsums der Mittel- und Oberschichten gerade in den Entwicklungsländern die Lebensmittelerzeugung bis zum Jahr 2050 verdoppeln.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Das geht aus dem Bericht zu den weltweiten Land- und Wasserresourcen hervor, den die Landwirtschaftsorganisation FAO der Vereinten Nationen (UN) am Montag veröffentlicht hat. Als Lösungsweg empfiehlt die Organisation eine „nachhaltige Intensivierung“: Die Intensivierung der Landwirtschaft auf bestehenden Flächen könne trotz ihrer negativen Auswirkungen etwa auf die Artenvielfalt zugleich andernorts Wälder und Ökosysteme schützen, heißt es in dem Bericht.

          Schon heute 25 Prozent der Landflächen unbrauchbar

          „Die heutigen Produktionssysteme werden möglicherweise nicht einmal mehr in der Lage sein, wie bisher erwartet, die Nachfrage zu befriedigen“, warnte der FAO-Direktor Jacques Diouf . Weil die Bevölkerung zunehme, die Landwirtschaft verschwenderisch mit Ressourcen umgehe und der Klimawandel fortschreite, drohe ein Einbrechen der Versorgungssysteme. Vor allem Wasserknappheit, so heißt es in dem Bericht der FAO, werde künftig eine Beschränkung für die Landwirtschaft sein - eine größere als etwa die Flächenknappheit. Das betrifft vor allem Südostasien, Zentralafrika und die Maghreb-Staaten. Einige große Flüsse Asiens führten nur noch 5 Prozent ihrer früheren Wassermengen, und Flüsse wie der Huang He in China erreichten das Meer nicht mehr ganzjährig, Seepegel fielen weiter. Dies reduziere zugleich die Mengen an aus Wasserkraft gewinnbarem elektrischen Strom.

          Der wichtigste Beitrag zur Erhöhung der Lebensmittelerzeugung sei voraussichtlich von einer Intensivierung der Landwirtschaft auf den bestehenden Flächen erwarten, heißt es in dem Bericht. „Es ist möglich, die Produktion auszuweiten, wie es nötig ist“, schreibt die UN-Behörde weiter. Wichtigste Stellschraube sei der technische Fortschritt. In der Landwirtschaftspolitik der EU hat derzeit eher die Ökologisierung der Landwirtschaft Priorität, nicht die Erhöhung der Produktionsmengen.

          Flüchtlinge in Kenia: Wasserknappheit hat zu großer Not geführt.
          Flüchtlinge in Kenia: Wasserknappheit hat zu großer Not geführt. : Bild: Helmut Fricke

          In den von Trockenheiten am stärksten betroffenen Ländern sei ein Ausbau der künstlichen Bewässerung unerlässlich. Das Wasser müsse jedoch sparsamer und besser genutzt werden, etwa durch moderne Speichersysteme. Derzeit speisten sich noch rund 40 Prozent der Bewässerungssysteme aus Grundwasser. Die FAO geht davon aus, dass dafür bis 2050 eine Billon Dollar investiert werden müssen, und zudem rund 160 Milliarden Dollar in Anlagen zur Erhaltung der Böden. Die Versalzung landwirtschaftlicher Flächen durch intensive Nutzung ist in vielen Entwicklungsländern ein großes Problem. Schon heute seien 25 Prozent der Landflächen für die Landwirtschaft unbrauchbar, hieß es in dem Bericht.

          Produktivität in 50 Jahren verdoppelt

          Dem Klimawandel wird in dem Bericht eine zwiespältige Rolle zugeschrieben. Er verstärke die Benachteiligung der Bauern in subtropischen, tropischen und trockenen Regionen, werde aber zugleich dazu führen, dass Ackerflächen in nördlichen Regionen ausgeweitet werden können. Um die bis 2050 voraussichtlich auf 9 Milliarden Menschen steigende Weltbevölkerung ernähren zu können, müsse die Produktivität der Landwirtschaft jährlich um 1 Prozent steigen.

          Derzeit sind nach Angaben der UN knapp eine Milliarde Menschen unterernährt, davon 580 Millionen in Asien und 240 Millionen in Afrika. Rund 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs und 13,5 Prozent der Treibhausgasemissionen gingen auf das Konto der Landwirtschaft. In den vergangenen 50 Jahren führte die Intensivierung der Landwirtschaft laut FAO dazu, dass sich die Produktivität nahezu verdoppelte, obwohl die Ackerfläche nur um 12 Prozent ausgeweitet wurde.

          Quelle: F.A.Z.

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