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Veröffentlicht: 28.12.2012, 11:41 Uhr

Benzinpreise 2012 „Das teuerste Tankjahr aller Zeiten“

Der ADAC hat das Jahr 2012 als das „teuerste Tankjahr aller Zeiten“ bezeichnet. Der Autoclub macht hohe Ölpreise, aber auch das Gewinnstreben der Konzerne dafür verantwortlich. Das Kartellamt glaubt, dass 2013 die Spritpreise wieder sinken werden.

© ddp Viel zahlen an der Tankstelle: 2012 war für die Verbraucher laut ADAC das teuerste Tankjahr aller Zeiten.

Die Autofahrer haben nach Angaben des ADAC in diesem Jahr so viel für Sprit bezahlen müssen wie noch nie. „Das jetzt zu Ende gehende Jahr ist das mit Abstand teuerste Tankjahr aller Zeiten“, sagte Meyer in München der Nachrichtenagentur dapd. Dazu beigetragen hätten die hohen Rohölnotierungen, die die Spritpreise schon im März und April auf bis dahin nicht gekannte Rekordmarken getrieben hätten.

„Aber es waren auch die Mineralölkonzerne, die insbesondere im August und September 2012 mit ihrem Gewinnstreben dafür gesorgt haben, dass Benzin und Diesel so teuer waren nie zuvor“, fügte der ADAC-Präsident hinzu. Im September erreichte Super E10 Höchstpreise von mehr als 1,70 Euro pro Liter. Diesel kostete zwischenzeitlich rund 1,55 Euro.

Bis auf das Jahr 2009, als die Kraftstoffpreise wegen der Wirtschaftskrise niedriger waren als im Jahr zuvor, sei Benzin seit 1998 jedes Jahr im Durchschnitt teurer geworden, sagte Meyer.

Bundeskartellamt: Preise werden im kommenden Jahr sinken

Nach Einschätzung des Bundeskartellamts werden die Benzinpreise im kommenden Jahr nach Einführung der neuen Spritpreis-Meldestelle sinken. „Ich habe die Hoffnung, dass das im Ergebnis einen positiven Einfluss auf das Preisniveau haben wird“, sagte der Präsident des Amtes, Andreas Mundt, der  „Süddeutschen Zeitung“. Anfang November hatte der Bundestag grünes Licht für die Einführung der sogenannten Markttransparenzstelle gegeben.

Nach Einschätzung Mundts kann die noch ausstehende Verordnung im ersten Quartal 2013 verabschiedet werden. Die Meldetstelle solle so schnell wie möglich eingeführt werden. Die Daten würden dann den Kunden angeboten und sollen über Computer, über Smartphone oder Navigationsgeräte im Auto abrufbar sein. Gespräche mit möglichen Betreibern gebe es bereits: „Das Interesse ist riesig. Wir eröffnen da auch ein neues Geschäftsfeld“, sagte Mundt.

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Die Benzinpreise waren in diesem Jahr nicht nur so hoch wie noch nie, sie änderten sich auch täglich um beträchtliche Spannen. Im laufenden Jahr gab es an 361 Tagen eine Preissenkung und eine Preiserhöhung, teilte der Tankstellenkonzern Aral am Donnerstag in Bochum mit. Auch das Ausmaß der Preisveränderungen ist so ausgeprägt wie noch nie; es lag bei 4,3 Cent je Liter - im Durchschnitt. „Ohne die Erhöhungsversuche hätte das Tankstellengeschäft nicht kostendeckend betrieben werden können“, heißt es in der Aral-Mitteilung.

Der Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin der meistgetankten Sorte E5 betrug im Aral-Netz 1,643 Euro, für Diesel 1,49 Euro. Als einen Grund für die hohen Preise nennt Aral den hohen Rohölpreis. In Dollar war Rohöl im vergangenen Jahr im Durchschnitt kaum teurer als im Jahr zuvor. Umgerechnet kostete ein Barrel (159 Liter) jedoch 87 Euro und damit acht Euro mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie.

Energie-Informationsdienst: Konzerne konnten Gewinnmargen ausbauen

Nach Berechnungen des Hamburger Energie-Informationsdienstes EID konnten die Konzerne in diesem Jahr zudem ihre Gewinnmargen ausbauen. Sie verdienten mit Verarbeitung und Vertrieb 10 bis 15 Euro je Tonne. Das wäre für die gesamte deutsche Mineralölindustrie ein
Vorsteuergewinn von 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro und damit laut EID das beste Ergebnis seit 2008. Das hört sich viel an, ist aber nicht besonders üppig verglichen mit den Gewinnen beim Aufsuchen und der Förderung von Öl oder in der deutschen Chemieindustrie. Je Liter Benzin beträgt der Gewinn ein bis zwei Cent.

Das Auf und Ab der Tankstellenpreise hat einen extrem hektischen Rhythmus erreicht, der sich kaum noch steigern kann. Noch vor zehn Jahren gab es lediglich an 73 Tagen Preiserhöhungen, also ein bis zwei Mal pro Woche. Die Branche erklärt das mit einem intensiven Wettbewerb, Kritiker sprechen von einer Verwirrungstaktik der Mineralölkonzerne zur Gewinnmaximierung. Von vielen Autofahrern werden die häufigen Preisveränderungen als Ärgernis empfunden.

Quelle: DAPD/DPA

 

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