17.12.2009 · Trotz teils harscher Kritik von Kongressabgeordneten hat der Bankenausschuss des Senats sich für eine zweite Amtszeit des Notenbankchefs Ben Bernanke ausgesprochen. Die Zustimmung durch den Kongress gilt nur noch als Formsache. Der mächtigste Notenbanker der Welt steht vor immensen Aufgaben.
Vielleicht war die Kür zur „Person des Jahres“ 2009 des amerikanischen Nachrichtenmagazins „Time“ ja ein Trost. Von allen Seiten hatte Notenbankchef Ben Bernanke inmitten der Wirtschafts- und Finanzkrise Prügel bezogen: Politiker klagten, die Federal Reserve habe als Bankenwächterin versagt, andere kritisierten, es seien Finanzinstitutionen gerettet worden, die es nicht verdienten. Aller Schelte zum Trotz: Eine zweite Amtszeit Bernankes gilt als sicher. Am Donnerstag hat der Bankenausschuss des Senats zugestimmt, eine ebensolche Entscheidung der gesamten Kongresskammer ist jetzt nur noch Formsache.
Denn längst ist nicht allein in der Fachwelt anerkannt, dass die Herkulesarbeit des mächtigsten Notenbankers der Welt im Kampf gegen die schlimmste Finanzkrise seit der Großen Depression durchaus Wirkung tat. „Er hat nicht nur die amerikanische Geldpolitik neu geformt, er stand an der Spitze der Bemühungen, die Weltwirtschaft zu retten“, schreibt das „Time“-Magazin in seiner Würdigung. Einen „Guten Banker“ nennt das renommierte und einflussreiche Blatt den graubärtigen Akademiker mit der sanften Art, der sich auf dem Höhepunkt der Krise aus Zeitnot vor allem von Müsliriegeln ernährt haben soll.
Billionen für die wankende Wirtschaft
Der einstige Princeton-Professor und seine Fed pumpten Billionen in die wankende Wirtschaft, drückten den Leitzins auf knapp über Null, ersannen neue Mechanismen, Kreditmärkte in Schockstarre wiederzuleben, retteten auch obskure Zocker wie den krisengeschüttelten Versicherungsgiganten AIG und liehen, liehen, liehen. „Mit allen Mitteln“, umschreibt der Kolumnist des „Wall Street Journal“, David Wessel, Bernankes Ansatz.
Mit Jeff Merkley kündigte am Mittwoch der erste Senator der Demokratischen Partei an, gegen Bernanke votieren zu wollen. „Für zu lange Zeit haben die Finanzaufsichtsbehörden ihre Augen vor den Signalen einer kommenden Finanzkrise verschlossen“, begründete Merkley. Auch Bernanke habe versäumt, die nötigen Schritte zur Verhinderung der Krise zu unternehmen. Auch Senator John McCain erklärte, er neige einem negativen Votum zu. Der frühere Präsidentschaftskandidat sagte, er würde entweder denehemaligen Fed-Chairman Paul Volcker oder den Stanford-Professor John Taylor als Kandidaten bevorzugen. Neben McCain hatten drei weitere republikanische Senatoren ein ablehnendes Votum angekündigt.
Nicht wenige Abgeordnete wollen die Fed-Entscheidungen künftig von einer Kongressbehörde prüfen lassen. Ein aufgebrachter Senator sah die AIG-Rettung sogar als triftigen Grund, Bernanke „nach Princeton zurückzuschicken“. Als hätte er nicht schon genug am Bein, wehrt sich der Fed-Chef, der in diesem Jahr schon 13 Mal im Kongress Rede und Antwort stand, wacker gegen alle Versuche, die Unabhängigkeit der Federal Reserve zu beschneiden.
Und der Job des Mannes aus South Carolina, der 2006 noch von Präsident George W. Bush an die Spitze der Fed geholt worden war und als einer der führenden Experten über die Große Depression der 30er Jahre gilt, wird angesichts der begonnenen Erholung nicht leichter - im Gegenteil.
Jetzt kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an
Gegen das, was die Zentralbank beim Zurückfahren ihrer Hilfsmaßnahmen nun zu schultern hat, schien das Öffnen aller geldpolitischen Schleusentore wie der leichtere Teil des Mammutwerks. Denn verstolpert Bernanke das Timing, fährt er die Maßnahmen zu früh zurück, droht er die gerade begonnene Erholung abzuwürgen. Lässt er andererseits die Zügel zu lange zu locker, droht womöglich durch zu viel billiges Geld eine neuerliche Blase - mit den bekannten Folgen.
„Der Markt sieht die Fed, als ob sie einen An-Aus-Schalter kontrolliert“, schreibt Zentralbank-Kenner Jon Hilsenrath im „Wall Street Journal“. „Herr Bernanke hingegen schaut auf ein Armaturenbrett mit vielen verschiedenen Drehknöpfen.“
Die Nachfrage nach Notkrediten der Fed nahm bereits merklich ab, eine Reihe von Maßnahmen laufen in den nächsten Monaten ohnehin aus. Der Fed-Chef sucht Befürchtungen zu dämpfen, die Zentralbank könnte überfordert sein. „Wir müssen diese Programme abwickeln, und wir habe eine Reihe von Möglichkeiten, das zu tun“, versicherte Bernanke unlängst. Im Mittelpunkt dabei: Allmählich die Unmengen Liquidität aus dem Finanzsystem zu schöpfen, um der Inflationsgefahr zu begegnen.
Alle Welt starrt auf den Leitzins
Alle Welt starrt jetzt auf den Leitzins. Die Inflation scheint bislang im Griff, was der Fed Spielraum schafft, mit einer Anhebung zu warten. Derzeit rechnet kaum jemand damit, dass der Offenmarktausschuss vor der zweiten Hälfte nächsten Jahres an der Zinsschraube drehen wird (Fed signalisiert anhaltend niedrige Zinsen). Ausschließen mag das aber niemand, sollte die größte Volkswirtschaft der Welt schneller auf die Füße kommen als gedacht. Allererste Zeichen sehen vielversprechend aus: Der Häusermarkt scheint sich zu stabilisieren, der Einzelhandel auch, die große Sorge bleibt jedoch die Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote dürfte 2010 wohl kaum unter neun Prozent rutschen.
Bernanke weiß, dass sich die Aufgaben nicht auf das Absaugen von Geld und Anheben der Leitzinsen beschränken. Dass es Finanzinstitutionen gibt, deren Größe einen Zusammenbruch verbieten, „ist eines der größten Probleme in diesem Land“, sagte er der „Time“. Und er sorgt sich sehr über das Billionen-Defizit der Vereinigten Staaten. Angst vor Konflikten hat er trotz seiner sanften Art scheinbar nicht. „Der Job der Fed ist, das Richtige zu tun, das langfristige Interesse der Wirtschaft ins Zentrum zu rücken“, sagt er. „Und das heißt manchmal, unpopulär zu sein.“
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.396,51 | +1,43% |
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| Rohöl Brent Crude | 107,41 $ | +0,14% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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