15.11.2001 · Früher gehörte ein Kostüm von Jil Sander fast zur Standardausstattung vieler Geschäftsfrauen. Doch seit Sander weg ist, schwindet der Erfolg.
Zwei Jahre nach dem Ausstieg der Firmengründerin ist der Hamburger Modekonzern Jil Sander in die roten Zahlen gerutscht. Die Umsätze werden in diesem Jahr wegen der weltweiten Konjunkturkrise hinter den Erwartungen des Vorstandes zurückbleiben. Das Unternehmen rechnet mit einem Verlust vor Steuern in einer Größenordnung von sechs bis neun Millionen Euro.
„Es bleibt schwer, die Dauer der gegenwärtigen starken Kaufzurückhaltung unserer Einzelhandelskunden abzuschätzen“, heißt es in einer Mitteilung. Der italienische Prada-Konzern als Eigentümer von Jil Sander werde bis Ende des Jahres bis zu 20 Millionen Euro neues Eigenkapital zur Verfügung stellen. Jil Sander hatte bereits im August ein ausgeglichenes bis leicht negatives Ergebnis vor Steuern in Aussicht gestellt. Im ersten Halbjahr war allerdings bei einem Umsatz von 130,8 Millionen Mark noch ein Mini-Gewinn von 150.000 Mark angefallen.
Ohne Sander wenig Marktchancen
Im Jahr 2000, dem letzten Jahr, in dem die Kollektionen noch zum Teil von Jil Sander selbst entworfen wurden, hatte das Unternehmen noch 21,5 Millionen Mark vor Steuern verdient. Mit der Verlustmeldung bestätigen sich Bedenken von Aktienanalysten und Mode-Experten, die der Firma ohne die charismatische Unternehmensgründerin und ihrem typischen Design-Stil keine großen Marktchancen einräumten. Jil Sander hatte im August 1999 die Mehrheit der Stammaktien an Prada abgegeben und sich wenig später ganz aus dem Unternehmen zurückgezogen.
Prada-Chef Patrizio Bertelli, der selbst den Vorstandsvorsitz bei Jil Sander übernommen hat, wollte mit einer Mischung aus Kostensenkung und weltweiter Expansion die Marke stärken und die Ertragskraft verbessern. Dazu eröffnete er zusätzliche Jil-Sander-Geschäfte in wichtigen Metropolen der Welt. Jil Sander erzielt rund drei Viertel des Umsatzes im Ausland. Der weltweite Konjunktureinbrauch, der sich nach dem 11. September noch verschärfte, hat nun vorerst einen Strich durch diese Strategie gemacht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.396,51 | +1,43% |
| Dow Jones | 12.596,90 | +1,14% |
| EUR/USD | 1,2516 | −0,20% |
| Rohöl Brent Crude | 107,41 $ | +0,14% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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