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Veröffentlicht: 12.05.2017, 20:09 Uhr

Sogenannte Bekenntnisschulen Hunderte Millionen Steuergeld für ein Unikum im Westen

In Nordrhein-Westfalen gibt in jeder dritten Grundschule die Kirche den Takt vor – obwohl der Staat alles bezahlt. Wie kann das sein?

von und
© dpa Leere Grundschule in Gelsenkirchen: NRWs Bildungseinrichtungen sind oft noch religiös geführt

Nordrhein-Westfalen bezahlt immer noch Hunderte Millionen Euro jährlich für staatliche Grundschulen, die Kinder wegen ihrer Konfession ablehnen können. Es geht dabei nicht um Schulen in kirchlicher Trägerschaft, sondern die „öffentlichen Bekenntnisschulen“ – die es nur noch in diesem Bundesland und in Teilen Niedersachsens gibt. Fast jede dritte nordrhein-westfälische Grundschule ist eine solche staatliche konfessionelle Einrichtung. Der Staat finanziert sie zu 100 Prozent. Aber die Kirche, meist die katholische, gibt die Haltung vor: den Kindern wie den Lehrern. Das Lehrpersonal muss im Grundsatz die entsprechende Konfession aufweisen.

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Das Land bezahlt die Lehrer, die Kommunen bauen und unterhalten die Schulen. Wie das Schulministerium auf F.A.Z.-Anfrage mitteilte, veranschlagt es im Schnitt jährlich um die 50.000 Euro Kosten je Vollzeit-Lehrerstelle an Grundschulen, für das kommende Schuljahr insgesamt etwa 2 Milliarden Euro. Ein Sprecher nannte keinen Betrag für die Bekenntnisschulen, bestätigte aber, man könne ihn etwa proportional zur Zahl der Schulen errechnen. Auf dieser Grundlage fließen vom Land größenordnungsmäßig 650 bis 700 Millionen Euro. Dazu kommt der Beitrag der Kommunen, für den keine verlässlichen Zahlen vorliegen. Fest steht: Die Kirchen zahlen keinen Euro.

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Von gut 2800 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen sind im laufenden Schuljahr laut amtlichen Daten 826 katholische Bekenntnisschulen, 89 evangelische, zwei jüdische, eine mennonitische. Die Kinder werden laut Landesverfassung „nach den Grundsätzen des betreffenden Bekenntnisses unterrichtet und erzogen“. Die Lehrer müssen nach dem Schulgesetz bereit sein, sie in eben diesem Sinne zu unterrichten und erziehen. Schulleiter haben dieselbe Konfession aufzuweisen. Die anderen Lehrer eigentlich auch, aber bei ihnen sind Ausnahmen „zur Sicherung des Unterrichts“ zulässig. Die regulären Schulen („Gemeinschaftsschulen“) sollen nur lehren, offen für christliche und andere religiöse Bekenntnisse und Weltanschauungen zu sein.

In evangelischen Grundschulen haben nur vier von zehn Kindern diesen Glauben

Die Bekenntnisschulen kommen aus einer Zeit, als Regionen noch konfessionell homogener waren. Andere Bundesländer haben sie lange abgeschafft. Auch in Nordrhein-Westfalen sind katholische und evangelische Schüler in den betreffenden Schulen keineswegs unter sich. In der Regel sitzen jede Menge „Bekenntnisfremde“ auf den Schulbänken, wie sie im Amtsdeutsch heißen. In den katholischen Bekenntnisschulen ist laut Statistik gerade noch eine Mehrheit (51 Prozent) der Grundschüler katholisch – während jeweils etwa ein Sechstel evangelisch und konfessionslos sind und der Rest sich auf andere Bekenntnisse verteilt. In den evangelischen Grundschulen sind noch vier von zehn Kindern evangelisch.

Mangelnde Durchmischung scheint also keine zentrale Schwierigkeit. Aber zum einen haben sich Schüler und Eltern den Prinzipien der Kirche zu unterwerfen. „Melden die Eltern ihr Kind an einer Bekenntnisschule an, ist dies in der Regel so zu verstehen, dass sie die Merkmale einer solchen Schule kennen und bejahen“, erinnerte Staatssekretär Ludwig Hecke in einem Brief an alle öffentlichen Grundschulen im vergangenen Herbst.

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