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Veröffentlicht: 05.06.2013, 18:01 Uhr

Beitritt 2014 Deutsche Firmen in Lettland freuen sich auf den Euro

Die lettische Wirtschaft wächst in der EU am stärksten. Dies birgt Inflationsgefahren. Trotz Bedenken der EZB und Skepsis der Letten wird der Euro am 1. Januar eingeführt.

© REUTERS Mit dem Euro nach Riga: Die 2 Millionen Letten sind gespalten, ob sie sich über die neue Währung freuen sollen oder nicht.

Die deutschen Unternehmen in Lettland erwarten von 2014 an geringere Verwaltungskosten, höhere Preistransparenz und eine stärkere Wahrnehmung des Baltikums als vertrauenswürdiger Investitionsstandort. Denn vom 1. Januar 2014 an soll Lettland als 18. EU-Staat den Euro einführen. Das hat die EU-Kommission am Mittwoch vorgeschlagen. Die lettische Regierung unter dem seit 2009 regierenden Valdis Dombrovskis hatte dieses Vorhaben vorangetrieben, obwohl seit Jahren in Umfragen konstant bis zu zwei Drittel der Letten den Euro ablehnen.

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EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte in Brüssel, der Wunsch Lettlands, den Euro einzuführen, sei ein Zeichen dafür, „dass diejenigen irrten, die den Zerfall des Euroraums vorhersagten“. Lettland habe gezeigt, dass ein Staat makroökonomische Ungleichgewichte überwinden und „stärker denn je aus der Krise kommen“ könne. Das größte der drei baltischen Länder war 2006 und 2007 auf Zahlungsbilanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU angewiesen. Nun wird es nach Rehns Angaben in diesem Jahr voraussichtlich die höchste Wachstumsrate der ganzen EU haben. Tatsächlich erwartet die internationale Förderbank EBRD 2013 und 2014 jeweils mehr als 3 Prozent Wirtschaftswachstum.

Infografik / Lettland wird das ärmste Land im Euroraum © F.A.Z. Vergrößern

Schon 2011 und 2012 hatte die lettische Wirtschaft zu den Spitzenreitern in der EU gehört mit jeweils mehr als 5 Prozent Wachstum, nachdem sie noch in den Jahren 2008, 2009 (um dramatische 17,7 Prozent) und 2010 geschrumpft war. Die Sanierung des Landes gelang, indem die ohnehin niedrigen Renten um 10 Prozent und die Gehälter im öffentlichen Dienst um 20 Prozent gekürzt wurden. Außerdem profitierte Lettland vom sich belebenden Handel mit der russischen Wirtschaft. Von der Euroeinführung erwarten sich nun die knapp 400 in der Außenhandelskammer vertretenen deutschen Unternehmen bessere Standortbedingungen. „Die deutschen Unternehmen in Lettland rechnen mit der Senkung ihres administrativen Aufwands und mehr Preistransparenz“, sagte Maren Diale-Schellschmidt, Geschäftsführerin der Deutsch-Baltischen Handelskammer, dieser Zeitung. Dafür spreche auch das positive Fazit, das 90 Prozent der Kammermitglieder nach der Euroeinführung in Estland am 1. Januar 2011 gezogen hätten.

Diale-Schellschmidt sieht in der Euroeinführung vor allem psychologische Effekte: „Als Teil der Eurozone wird sich Lettland international noch stärker als vertrauenswürdiger Partner und zukunftsträchtiger Investitionsstandort positionieren.“ Dagegen sind die zwei Millionen Letten gespalten. Ein Drittel spricht sich in Umfragen für, ein Drittel gegen den Euro aus; ein Drittel zeigt sich unentschieden bis eher ablehnend. Vor allem der russischen Minderheit - 27 Prozent der Einwohner Lettlands und fast die Hälfte der Einwohner in der Hauptstadt Riga sind Russen - wird nachgesagt, gegen den Euro zu sein. Tatsächlich verfolgen die Letten mit dem Eurobeitritt auch das Ziel, nach der 1991 erlangten Unabhängigkeit nun „ein für alle Mal dem Westen anzugehören“.

Infografik / Wirtschaftliche Kennzahlen / Lettland und Euroraum im Vergleich © F.A.Z. Vergrößern Kennzahlen im Vergleich

Gegen einen Eurobeitritt spricht aus Sicht der mit einem Durchschnittseinkommen von 10.900 Euro im Jahr ärmsten Eurobürger, dass sie dann auch reicheren, aber von Schulden geplagten südeuropäischen Ländern wie Griechenland und Portugal helfen müssen. Lettland hingegen hat nur einen Schuldenstand von 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Auch fürchten die Letten Inflation. Die Opposition weist beharrlich auf Estland hin, wo im Jahr vor der Euroeinführung die Preise um mehr als 5 Prozent kletterten. Gleichwohl will nach Lettland auch der dritte baltische Staat, Litauen, dann im Jahr 2015 dem Euroraum beitreten.

Vor der Entscheidung für den Euro in Lettland hatten die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Konvergenzberichte vorgelegt. Beide EU-Institutionen attestieren Lettland, dass es die notwendigen Konvergenzkriterien erfüllt. Allerdings fällt der EZB-Bericht etwas kritischer aus als der schon zu Wochenbeginn bekanntgewordene Bericht der Kommission (F.A.Z. vom 4. Juni). So weist die EZB auf mittelfristig höhere Inflationsrisiken hin. Zwar hat das Land derzeit die zweitniedrigste Inflationsrate in der EU. Weil Lettland aber in den kommenden Jahren schneller wachse als der Durchschnitt des Euroraums, sei auch höhere Inflation zu erwarten, schreibt die EZB. Sie hat ferner Bedenken wegen des hohen Anteils ausländischer Spareinlagen, die auf Konten lettischer Banken liegen. Sie summieren sich laut Zentralbank auf etwa 40 Prozent des BIP. Es handle sich um ein „wichtiges Risiko für die Finanzstabilität“ des Landes, heißt es in dem EZB-Bericht.

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Rehn sagte, die EZB sei immer etwas kritischer. „Wir müssen aber am Ende ja oder nein sagen, und wir sagen mit gutem Gewissen ja“, sagte der Kommissar. Lettland habe seine Bankenregulierung erheblich verschärft. Banken, deren Geschäftsmodell in der Verwaltung der Einlagen ausländischer (vor allem russischer) Investoren bestehe, müssten überdurchschnittlich viel liquide Mittel vorhalten und höhere Kapitalanforderungen als andere Banken erfüllen. In der zyprischen Bankenkrise war über hohe Geldtransfers von Russland nach Lettland berichtet worden. Rehn sagte, Zypern und Lettland seien nicht vergleichbar. Während das Volumen des zyprischen Bankensektors das Achtfache des BIP betrage, sei es in Lettland weniger als das Anderthalbfache. Er ermahnte aber die Regierung in Riga, beschlossene Anti-Geldwäsche-Gesetze entschlossen durchzusetzen.

Quelle: F.A.Z.

 

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