11.11.2009 · Der Zusammenbruch der milliardenschweren Fonds der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns galt als eines der großen Alarmsignale am Beginn der Finanzkrise. In New York standen nun zwei ehemalige Fondsmanager vor Gericht.
Freispruch im ersten Finanzkrisen-Prozess gegen hochrangige Wall-Street-Profis: Die ehemaligen Manager Ralph Cioffi und Matthew Tannin der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns haben beim Scheitern ihrer Hedgefonds vor gut zwei Jahren einem New Yorker Gericht zufolge ihre Investoren nicht belogen. Zumindest gebe es für eine Verurteilung nicht genügend Beweise, erklärte am Dienstag die Jury.
Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden vorgeworfen, vor dem Zusammenbruch ihrer milliardenschweren Fonds die Anleger belogen zu haben. Die Anklage hatte argumentiert, die Manager hätten im März 2007 Investitionen angepriesen, während sie in E-Mails gleichzeitig davor warnten.
Die beiden Manager hatten vor allem in extrem wacklige Hauskredite mit so gut wie keinen Sicherheiten investiert. Diese hochriskanten „Subprime“-Papiere waren Auslöser der Finanzkrise, die später zur weltweiten Rezession führte. Das Gericht urteilte am Dienstag, die zwei Familienväter hätten sich ihren Investoren gegenüber nichts zuschulden kommen lassen. Die zwölfköpfige Jury wies alle Vorwürfe zurück - von Betrug über Verschwörung bis hin zu Insider-Handel.
Der spektakuläre Zusammenbruch der beiden Fonds im Sommer 2007 gilt als eines der Alarmsignale am Beginn der Krise. Beim Zusammenbruch der Fonds im Juni 2007 - der Frühphase der Finanzkrise - verloren ihre Kunden insgesamt 1,6 Milliarden Dollar. Die Investmentbank Bear Stearns selbst brach im März 2008 zusammen und wurde später in einer Rettungsaktion vom Finanzkonzern JP Morgan Chase für einen Schnäppchenpreis aufgekauft.
Der Prozess war das erste größere Verfahren im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch großer Finanzinstitute während der Krise. Der Freispruch könnte den Ehrgeiz der Staatsanwaltschaft bremsen, weitere Manager wegen ihrer Rolle in der Finanzkrise anzuklagen. Der Prozess galt als Testlauf für mögliche weitere Fälle zur juristischen Aufarbeitung der Finanzkrise.
In dem dreiwöchigen Prozess hatte sich die Staatsanwaltschaft auch auf E-Mails der Angeklagten gestützt. So hatte Tannin geschrieben, er könne nicht mehr schlafen und nehme Antidepressiva aus Angst, die Fonds könnten platzen.
Die Verteidiger argumentierten dagegen, die Manager seien selbst Opfer der Krise. „Ich bin glücklich“, sagte Cioffi nach dem Urteil.
Dieses dreckige Grinsen
Peter Müller (teufelstein)
- 12.11.2009, 07:06 Uhr
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